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Landkreis Günzburg

04.08.2019

Wie die Stadtwerke das Wasser für die Günzburger filtern

Vom Tiefbrunnen bis zum Wasserhahn verfolgen wir den Weg des Trinkwassers in Günzburg.
Video: Bernhard Weizenegger

Plus Als Wasserversorger sind die Stadtwerke Günzburg seit 20 Jahren das einzige Kommunalunternehmen im Landkreis. Die ersten Wasserleitungen wurden aber schon um 1900 in der Stadt verlegt.

Der Landkreis Günzburg ist nahe am Wasser gebaut – nicht nur dank seiner Flüsse wie Günz, Mindel, Kammel und Donau. Auch bei der Förderung von Trinkwasser ist der Landkreis spitze. In unserer Serie „Unser Wasser“ schauen wir diesen Sommer, wo das Wasser im Landkreis herkommt, wie unterschiedlich die Preise sind und was passiert, wenn die Wasserversorgung einmal ausfällt.

So richtig lecker schmeckt es ja erst mal nicht, das bräunliche Wasser, dass im Untergeschoss der Günzburger Stadtwerke aus einem der Hähne fließt, die hintereinander in der Wasseraufbereitung aufgereiht sind. Eisen färbt nicht nur das aus großer Tiefe geförderte Nass, es verleiht ihm auch einen metallischen Geschmack. Beides ist jedoch gänzlich verschwunden, wenn die Günzburger bei sich zuhause den Wasserhahn aufdrehen: Sauber, geschmacklich rein und von hoher Qualität kommt das Trinkwasser bei den Verbrauchern in Günzburg an, nachdem es bei den Stadtwerken gefiltert wurde. Doch so einfach wie heute kommen die Günzburger noch gar nicht so lange an das Lebensmittel Nummer eins.

Werner Spannagel, der als Wassermeister jahrzehntelang die Günzburger Wasserversorgung im Blick hatte, hat seinen Kollegen bei der Stadtwerken einen kleinen Schatz hinterlassen: Akribisch hat er aus alten Akten, Gesprächen und der eigenen Erinnerung zusammengetragen und aufgeschrieben, wie die Günzburger Wasserversorgung entstanden ist. „Da spielt dann zum Beispiel auch die Sträflings-Geschichte eine Rolle“, sagt Stadtwerke-Vorstand Johann Stelzle. Die geht ungefähr so: Ein im Mittelalter zum Tode Verurteilter soll der Obrigkeit vorgeschlagen haben, dass er der Günzburger Neustadt zu einem durchfließenden Bach verhelfen wolle. Dafür müsse er dann begnadigt werden. Der Legende nach hat der Mann eigenhändig das kilometerlange Projekt in Angriff genommen – und die Stadt dadurch den heutigen Stadtbach erhalten.

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Seine erste Wasserleitung hat Günzburg vor über 100 Jahren erhalten

Über 100 Jahre ist es her, dass Günzburg seine erste echte Wasserleitung erhalten hat: Die Quellen des Klingelbachs wurden gefasst und in die Stadt geleitet, um die Unterstadt zu versorgen. Doch das damit geförderte Wasser reichte damals bei Weitem nicht aus, um alle Haushalte zu versorgen, diese mussten auf Hausbrunnen zurückgreifen.


Das Führungsteam der Stadtwerke: Vorstand Johann Stelzle (rechts) wird im Sommer 2020 seinen Posten an seinen derzeitigen Stellvertreter Lothar Böck übergeben.
Bild: Bernhard Weizenegger

So richtig los ging es mit der professionellen Günzburger Wasserversorgung um das Jahr 1900. Das Areal auf der Hagenweide wurde als Quellgebiet erschlossen, das dortige Wasserwerk steht noch immer. Von rund elf Kilometern wuchs das Leitungsnetz auf 38 Kilometer, die Saugbehälter wurden im Laufe der Jahre immer größer und die zunächst verlegten Tonrohre wurden durch Modelle aus Gusseisen ersetzt. Die Wurzeln der Bäume, die zum Schutz des Quellgebiets gepflanzt worden waren, waren nämlich in die Tonrohre hineingewuchert. Die zunächst mit Dampf betriebenen Pumpen wurden auf elektrische Stromversorgung umgestellt.

Mittlerweile kommt das Wasser für Günzburg, Limbach, Offingen und Rettenbach aus insgesamt elf Brunnen, zwei davon sind Tiefbrunnen. „Diese beiden sind leistungsstark genug, um im Falle eines Hochwassers zeitweise auch allein die Wasserversorgung vorzunehmen“, erklärt Stelzle. 1993 war der zweite Tiefbrunnen gebohrt worden – eine Maßnahme, die heute so kaum noch möglich wäre, sagt der Chef der Stadtwerke. „Heute werden kaum noch Tiefbohrungen genehmigt.“ Bei den beiden artesischen Brunnen gehe man davon aus, dass ihr Wasserreservoir relativ unerschöpflich sind. „Vermutlich sind sie miteinander unterirdisch verbunden“, so Stelzle. Im Gegensatz zu den Flachbrunnen, wo das Grundwasser sich immer wieder erneuert, wisse bei den Tiefbrunnen niemand so genau zu sagen, woher dieses Wasser komme und wie das Reservoir aussehe. Wahrscheinlich sind Zuflüsse von der Alb und den Alpen im geografisch günstig gelegenen Günzburg.

Wasser aus der Tiefe enthält wenig Sauerstoff

Das Wasser, das dort aus der Tiefe kommt, enthält wenig Sauerstoff – dafür aber Eisen und Mangan. Während letztes mithilfe von Kaolin-Kieseln, durch die das Wasser sickert, gefiltert wird und das Wasser damit auch seine ursprünglich braun-rötliche Färbung verliert, wird Sauerstoff zugeführt. „Das machen die Lockenwickler, wie wir das Bauteil wegen ihres Aussehens nennen“, erklärt Johann Stelzle in der Wasseraufbereitungsanlage. Über Pumpen geht es dann für das gefilterte Wasser in den Hochbehälter und von dort aus zu 5500 Hausanschlüssen.

Die Qualität des Wassers wird über Proben an der Entnahmestelle in der Wasseraufbereitungsanlage am Waldbad kontrolliert.
Bild: Bernhard Weizenegger

Für die Entnahme des Wassers aus den Tiefbrunnen müssen die Stadtwerke genaue Regeln einhalten, 75 Liter pro Sekunde aus jedem der beiden Tiefbrunnen. „Das allein reicht momentan für Günzburg absolut aus“, versichert Stelzle. Drei Millionen Kubikmeter pro Jahr sind den Stadtwerken als Entnahme genehmigt, mit im Schnitt 2,5 Millionen gibt es noch eine Reserve. Bei geschätzten 50 Kubikmetern Verbrauch pro Kopf macht der derzeitige kontinuierliche Zuwachs von Einwohnern in Günzburg um 300 bis 400 Menschen keine Sorge – sollten allerdings noch größere, wasserintensive Industrien dazu kommen, müssen die Stadtwerke neu kalkulieren. Lothar Böck, der seit Kurzem als Nachfolger von Johann Stelzle feststeht und ab dem 1. Juli 2020 den Vorstandsposten übernehmen wird, blickt in die Zukunft: „Natürlich müssen wir Überlegungen anstellen, wie wir die Wasserversorgung für die kommenden 20, 30 Jahre sichern.“

Knapp 160 Kilometer Leitungen müssen immer wieder geprüft werden

Für die Stadtwerke bedeutet das neben der Förderung von Wasser auch den Ausbau der Infrastruktur – die knapp 160 Kilometer Leitungsnetz unter dem Boden Günzburgs müssen immer wieder überprüft und erneuert werden. Wobei Johann Stelze sagt: „Die alten Leitungen sind nicht unbedingt die schlechtesten.“ Graugussleitungen aus der Anfangszeit um 1900, wie sie zum Beispiel im Markgrafenweg liegen, seien oft noch richtig gut. Böck: „Wir müssten etwa zwei Kilometer Leitungen pro Jahr erneuern, um im Soll zu bleiben. Das schaffen wir nicht immer, wollen uns aber steigern.“ Häuften sich in einer Straße beispielsweise die Rohrbrüche, ist das für die Günzburger Stadtwerke ein sicheres Zeichen, dass dort an den Leitungen gearbeitet werden muss.

Für die beiden jahrzehntelangen Stadtwerke-Mitarbeiter ist wichtig, dass diese Aufgabe auch weiterhin ein Kommunalunternehmen hat – und die Wasserversorgung in Deutschland keinesfalls in private Hände fallen darf. „Das Zusammenspiel zwischen Kommune und Stadtwerken klappt bedeutend besser, als sie das mit der Privatwirtschaft könnte“, sagt Lothar Böck. Blicke man in andere Gegenden der Welt werde schnell klar, wie wichtig es ist, dass die Günzburger und ihre Nachbarn nicht auf dem Trockenen sitzen.

Lesen Sie dazu auch den ersten Teil unserer Wasser-Serie:

Wasserversorgung im Landkreis - Gemeinsam stark

Am höchsten Punkt der Stadt, oberhalb des Birket, wird das Wasser in Hochbehältern gelagert. Von dort gelangt es mit dem natürlichen Druck in die Stadtteile. Für die hochgelegenen Stadtteile und für den Versorgungsbereich Offingen wird der Druck zusätzlich mit Pumpen erhöht.
Bild: Bernhard Weizenegger
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