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Neuburg an der Kammel

12.09.2018

Wie eine Firma um einen Azubi kämpft

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Die Firma Mörz Metallverarbeitung baut Einhausungen für Fertigungsanlagen. Das Bild zeigt eine sogenannte Warmumformpresse der Firma Schuler, deren Gehäuse Mörz gebaut hat.
Bild: Schuler AG

Aus gesundheitlichen Gründen musste ein Lehrling der Firma Mörz Metallverarbeitung seine Ausbildung aufgeben. Wie es gelungen ist, den 17-Jährigen zu halten.

Manchmal macht der Körper dem Berufsleben einen Strich durch die Rechnung. Wenn Menschen dieses Problem ereilt, haben sie meist schon einige Arbeitsjahre auf dem Buckel – ob wegen des körperlichen Schuftens, langen Sitzens im Büro oder eines Unfalls. Bei Julian Demeter war es früher. Er hatte gerade eine Ausbildung als Konstruktionsmechaniker begonnen, doch schon bald war klar, dass dies nicht sein Beruf sein kann.

Bereits als Schüler absolvierte Demeter ein Praktikum in ihrer Firma, erzählt Christine Mörz, Geschäftsführerin der Mörz Metallverarbeitungs GmbH in Neuburg an der Kammel. „Er war sehr selbstständig und man merkte, dass er mehr lernen wollte“, sagt die Unternehmerin. Die Mittlere Reife an der Realschule Krumbach war geschafft, die Bewerbung an Mörz verschickt. Im September vergangenes Jahr begann der 17-Jährige aus Wattenweiler die Ausbildung, und damit begann das lange Stehen an der Werkbank. „Montags sah man noch nichts, am Dienstag begann er zu humpeln und am Mittwoch war das Arbeiten kaum noch möglich“, schildert die Chefin ihre Beobachtungen. „Ich hatte starke Schmerzen im Fuß“, erzählt der Lehrling. Doch Mörz und ihre Mitarbeiter waren überzeugt von dem Auszubildenden. Deshalb habe man nach Wegen gesucht, um ihn weiter ausbilden zu können.

Das Unternehmen stellt komplexe Gehäuse her

Die Firma stellt sogenannte Einhausungssysteme für Fertigungsanlagen her. Die Auftraggeber sind vielfältig: Derzeit baut Mörz unter anderem das Gehäuse einer 85 Meter langen Fertigungsstraße für einen großen deutschen Autobauer. „Eine so starke Geräuschreduzierung wie wir bekommt sonst niemand hin“, sagt die Geschäftsführerin selbstbewusst. Es gebe Anlagen, die so laut seien wie ein vorbeifliegender Düsenjet – durch die Hülle sinke der Lärmpegel auf normale Werkstattlautstärke.

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Die Anforderungen beim Lärmschutz seien wegen des strengeren Arbeitsschutzes gestiegen, gleichwohl ist die Anwendung speziell. Mörz baut die Einhausungen deshalb als Einzelanfertigungen oder Kleinserien. Das bindet viel Personal – für jeden Kunden wird individuell geplant. Knapp 50 Menschen arbeiten bei Mörz, acht davon im Planungsbüro, größtenteils Ingenieure und Techniker. Weil ihre Firma branchenübergreifend arbeite, müssten die Planer über großes Wissen verfügen. Das war einer der Gründe, wieso man bisher keine Planer selbst ausgebildet habe.

Das ändert sich nun, nachdem Julian Demeter verschiedene Fachärzte besucht hat – helfen konnte ihm keiner. Einig waren sich die Mediziner darüber, dass er die Ausbildung wechseln muss. Keine Behandlung hatte Wirkung gezeigt, und die Hoffnung, dass er den Beruf langfristig ausüben können wird, war wegen seines jungen Alters gering.

Deshalb hat der Betrieb einen neuen Ausbildungsplatz für ihn geschaffen. Er wird technischer Systemplaner. Ausbilden wird ihn Daniel Scholz, ein Maschinenbauingenieur, der zu diesem Zweck ein Zertifikat als Ausbilder für die neue Lehrstelle erwerben wird. Es bescheinigt die Qualifikation als Ausbilder zu diesem Beruf.

Dem 17-Jährigen gefällt seine neue Arbeit

Seit September ist Demeter nun offiziell in der Ausbildung. „Ich konnte mir sowieso vorstellen, später in der Planung zu arbeiten“, sagt er – auch wenn ihm das Handwerk gefallen habe. Demeter arbeitet bereits an seinem ersten Projekt. Am Computer zeichnet er die Bleche, die in Kombination mit Plexiglas eine Schutzwand in einer Anlage bilden werden. Das dient nicht nur der Übung – sein Ergebnis wird auch umgesetzt, sagt Scholz. „Natürlich kontrollieren wir alles.“

Für Christine Mörz ist diese Unterstützung eine Investition – denn Personal zu finden sei schwierig. „Wir stellen eigentlich zwei Auszubildende pro Jahr ein“, sagt die Geschäftsführerin. Doch vergangenes Jahr war es nur Demeter, heuer habe man überhaupt keinen gefunden. „Wir haben viele tolle, große Unternehmen in der Region“, sagt sie. Es sei für kleinere Betriebe nicht leicht, mit deren Angebot für Azubis mitzuhalten. „Unser Vorteil ist, dass man bei uns in der Ausbildung alle Arbeiten und ihre Zusammenhänge kennenlernt.“ So übernehme Demeter zum Beispiel auch die Bestellung der Teile seines Projekts. In zwei Jahren ist er, wenn alles klappt, fertig mit der Ausbildung. Dabei möchte er es nicht belassen, sondern sich weiterbilden. „Das kommt von ihm selbst“, sagt seine Chefin Christine Mörz – unterstützen wird sie ihn gerne.

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