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Thannhausen

14.10.2016

Wie kommen die DNA-Spuren ans Einbruchswerkzeug?

Auch wenn die Polizei am Tatort Spuren sichern kann, liefern diese nicht immer die Beweise, die vor Gericht Bestand haben.
Bild: Silvio Wyszengrad (Symbolfoto)

Als die Polizei nach dem Einbruch im Thannhauser Supermarkt Gen-Material entdeckt, scheint der Fall klar. Doch vor Gericht erzählt der Angeklagte eine verblüffende Geschichte.

Über das Dach verschafften sich vier bis sechs Einbrecher Anfang April Zugang zum V-Markt in Thannhausen. Ihr Ziel: zwei Geldautomaten. Doch als die Räuber mit Brachialgewalt an die Geldkasse wollten, „wehrte“ sich der Automat überraschend und löste Alarm aus. Zudem ergoss sich über das Geld, immerhin waren in dem einen Automaten 200.000 Euro, rote Farbe und somit waren die Scheine unbrauchbar. Die Räuber flüchteten darauf Hals über Kopf und ließen das mitgebrachte Werkzeug zurück und somit auch DNA-Spuren. Diese Spuren führten zu den beiden Angeklagten, die nun vor dem Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Markus Veit standen. Einmal der bei der Tat 20-jährige E. und der 46-jährige H., beide stammen aus dem Kosovo und leben in Nordrhein-Westfalen.

Die ermittelnden Polizeibeamten haben folgendes Muster festgestellt: Im Vorfeld der Taten werden entsprechende Objekte in ganz Deutschland ausgekundschaftet. Später reisen dann die eigentlichen Räuber an –und verschwinden nach der Tat genauso schnell, wie sie gekommen sind.

Verblüffende Geschichte eines Angeklagten

Der Jüngere gab über seinen Anwalt Marc Piel die Tat unumwunden zu. Er hatte auch keine Wahl, denn an einem Rucksack hatte er eine eindeutige DNA-Spur hinterlassen, wie der Sachverständige erläuterte. Weniger Glück hatten die Ermittler mit den Spuren, die von dem älteren Angeklagten gefunden wurden. Dieser ließ – ebenfalls über seinen Rechtsanwalt Uwe Kreckel – folgende verblüffende Story erzählen: „Mein Mandant war noch nie in Memmingen, Thannhausen oder hier in der Region“, begann das Statement. An dem besagten Wochenende sei er bei seiner mittlerweile von ihm getrennt lebenden Frau in Magdeburg gewesen. Er habe den gemeinsamen Sohn besucht. Falls es DNA-Spuren von ihm an den sichergestellten Werkzeugen gebe, dann könnten diese von einem früheren Einbruch stammen, für den er schon abgeurteilt worden war, oder aber aus einer Werkstatt, in der er und viele Kosovaren verkehrten.

Wie kommen die DNA-Spuren ans Einbruchswerkzeug?

Richter Veit stand nun vor der Frage, ob DNA-Spuren über einen längeren Zeitraum anhaften können. Der Sachverständige konnte dies nicht gänzlich ausschließen, obwohl dies wie hier an einem glatten Metallstück eher unwahrscheinlich sei. Außerdem verwies der Rechtsanwalt darauf, dass die gefundenen Spuren nicht für eine hundertprozentige Zuordnung ausreichten und führte entsprechende Grundsatzurteile des BGH an. Auch der jüngere Mitangeklagte versicherte, dass H. bei dem Einbruch nicht dabei gewesen sei. Da auch andere Ermittlungen wie die Auswertung von Handydaten die Aussage des Angeklagten nicht erschüttern konnten, blieb der Staatsanwältin nicht anderes übrig, als die Anklage, wie auch vom Anwalt gefordert, fallen zu lassen.

Beteiligung nicht eindeutig nachweisbar

Einig waren sich alle, den Jüngeren nach dem Jugendstrafrecht zu verurteilen. Blieb nur noch zu klären, ob es sich um einen schweren Bandendiebstahl wie in der Anklage vorgeworfen, handelt. Die Rechtsanwälte verwiesen darauf, dass der junge Mann noch ohne Vorstrafen sei, und er nach seiner Aussage zu der Teilnahme überredet wurde. Beim Strafmaß gingen die Vorstellungen auseinander: Die Staatsanwältin forderte 18 Monate auf Bewährung, der Anwalt lag deutlich darunter und verwies auf die erlittene U-Haft.

Das Urteil lautete dann auf 14 Monate auf Bewährung, weiter verhängte Veit noch die Ableistung von 120 Stunden Sozialarbeit. Zum Schluss sagte der Richter zu dem älteren Angeklagten: Mit Blick auf das Vorstrafenregister gehe er schon davon aus, dass er bei dem Bruch beteiligt war. Dies sei aber nicht eindeutig nachweisbar und deswegen gebe es den Freispruch. Nachdem sich die Einbrüche dieser Art quer durch die Republik häuften, sollten sich die Kosovaren einmal überlegen, ob sie mit ihrem Schweigen dem Ansehen der Landsleute einen Gefallen täten. Es gebe andere Beispiele, sagte Veit.

Übrigens: Nach einem weiteren Beteiligten, der ebenfalls DNA-Spuren hinterließ, läuft noch die Fahndung.

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