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Bild: Philipp Wehrmann
Bild: Philipp Wehrmann

Die 16-jährige Luise Siemann hat zwei Wochen bei der Firma Wanzl in Leipheim als Praktikantin gearbeitet.

Leipheim
05.07.2018

Wie sieht das Einkaufen der Zukunft aus?

Von Philipp Wehrmann

Eine 16-jährige Praktikantin hat sich bei der Firma Wanzl überlegt, wie sich das Shoppen ändert. Warum sie denkt, dass es noch „Retroläden“ geben wird.

Durch die Gänge schlendern, Obst und Gemüse in den Wagen legen, zahlen – wird das Einkaufen immer so bleiben? Und wenn nicht, was kommt danach? Mit diesen Fragen hat sich Luise Siemann in den vergangenen zwei Wochen beschäftigt.

Die 16-jährige besucht das renommierte Internat Louisenlund am anderen Ende Deutschlands. Es liegt zwischen Kiel und Flensburg, zur Ostsee ist es nicht weit. Sie selbst kommt aus der Nähe von Münster in Nordrhein-Westfalen. Ihre Mitschüler und sie bekommen in einer „Mint+-Klasse“ besonders intensiven Unterricht in Mathematik, den Naturwissenschaften und Informatik.

Vor einigen Monaten verbrachte die Schülergruppe einen Tag im Landkreis Günzburg. Nach einem Besuch des Kernkraftswerks Gundremmingen, einem Impulsvortrag des Oberbürgermeisters Gerhard Jauernig und einer Führung durch Günzburg präsentierte sich die Firma Wanzl den Schülern. Luise Siemann kam bei dem Besuch mit Marketingchef Jürgen Frank von Wanzl ins Gespräch, später vereinbarten die beiden ein Praktikum.

Nachdem ihre Eltern zugestimmt hatten, war die 16-Jährige in einem Leipheimer Hotel untergekommen und hatte ihren ersten Arbeitstag in dem Großraumbüro der Marketingabteilung der Firma Wanzl begonnen. Als sich das zweiwöchige Praktikum dem Ende näherte, lagen einige Skizzen auf ihrem Schreibtisch, die Ergebnisse ihrer Arbeit. Eine davon zeigt, wie Einkaufen funktionieren könnte, das auf Mobilität und Flexibilität ausgelegt ist. Das sei wichtig, schließlich legten immer mehr Menschen weite Strecken zur Arbeit zurück. „Ich bin ja auch Pendler“, sagt die Schülerin, die regelmäßig von der Ostsee in ihren nordrhein-westfälische Heimat fährt. Eine Einkaufspraxis, dass sie für realistisch hält, ist wie dafür gemacht: Die Lebensmittel bestellt man während der Zugfahrt, nimmt sie an einer automatischen Abholstation im Bahnhof mit und fährt nach Hause. Noch bequemer sei natürlich die Lieferung an die Haustür, doch auch mit einem größeren logistischen Aufwand verbunden.

Nach wie vor sind Einkaufswägen das Kerngeschäft der Firma Wanzl, hier ist sie Weltmarktführer. Verändert sich der Einzelhandel, so wirkt sich das auch auf das Unternehmen aus. „In Vöhringen gibt es jetzt einen Markt, der ohne Personal funktioniert“, sagt Frank. Möglich gemacht hat das das Leipheimer Unternehmen mit seiner Technik. Doch Siemann vermutet, dass sich auch bei Lebensmittelmärkten „digitale Einkaufwagen“ durchsetzen könnten. Einen Solchen hat sie als Skizze entworfen.

„Ich bin aber sich, dass es auch in einigen Jahren noch Retroläden geben wird“, sagt die 16-Jährige und meint damit gewöhnliche Supermärkte. Denn für viele Menschen sei das Einkaufen nicht nur Mittel zum Zweck, sondern eine Freizeitbeschäftigung, die sie mögen, ein Erlebnis. Frank ist beeindruckt davon, wie schnell und wie tiefgründig sich die Schülerin innerhalb der zwei Wochen in das Thema eingearbeitet hat, sagt er. „Ihre Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erkennen, ist schon außergewöhnlich,“ lobt er.

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