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Kreis Günzburg

22.05.2018

Wie verbreitet ist das KRU-Kennzeichen?

Das KRU-Kennzeichen ist vor allem im südlichen Teil des Landkreises Günzburg beliebt.
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Das KRU-Kennzeichen ist vor allem im südlichen Teil des Landkreises Günzburg beliebt.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Seit Mai sind 10000 dieser Nummernschilder im Landkreis unterwegs. Seit gut fünf Jahren ist das wieder möglich. Wie Politiker aus der Region die Wirkung sehen.

Eine Frage kennen Eltern, die schon mit Kindern auf der Rückbank in den Sommerurlaub gefahren sind, sehr gut: „Wie lange noch?“ Eine Lösung gegen die Langeweile: Nummernschilder raten. Doch das ist in den vergangenen Jahren schwieriger geworden. Im Zuge der Kennzeichenliberalisierung, die unter dem damaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ( CSU) umgesetzt wurde, kamen seit 2012 mehr als 300 „neue alte“ Kennzeichen in ganz Deutschland dazu.

Am 13. Juli 2013 war es im Landkreis Günzburg so weit: Das KRU-Schild war wieder zu bekommen. Ralf Wetzel, Leiter des Bürgerbüros und des Bereichs Verkehrswesen am Landratsamt Günzburg, erzählt von einer ungewöhnlichen Maßnahme: Weil die Nachfrage so groß war, öffnete die Zulassungsstelle an dem Tag, an dem das KRU-Schild wieder erhältlich war, obwohl es ein Samstag war. Schon früh morgens warteten Menschen auf Liegestühlen vor der Behörde, um sich ihre Wunschkombination zu sichern. 985 Bestandskennzeichen gab es davor, alle anderen Schilder waren frei – noch heute für viele ein Argument, KRU statt GZ zu wählen, sagt Wetzel dazu.

Acht Prozent der Fahrzeuge sind mit KRU-Kennzeichen unterwegs

Am 26. April dieses Jahres waren insgesamt 9989 zulassungspflichtige Fahrzeuge, darunter auch Anhänger, Traktoren und Lastwagen, mit KRU- und 114169 mit GZ-Kennzeichen im Landkreis angemeldet. Somit sind acht Prozent aller Fahrzeuge mit KRU-Nummernschild unterwegs. Außerdem fahren knapp 1500 weitere mit einem der Kennzeichen, sind jedoch in einem anderen Landkreis gemeldet worden, was seit 2015 möglich ist.

Wie verbreitet ist das KRU-Kennzeichen?

Wetzel zufolge ist das KRU-Kennzeichen im Vergleich zu anderen Kreisen durchschnittlich gut angenommen worden. Das Kennzeichen FÜS sei zum Beispiel beliebt, weil Füssen einen außerordentlich guten Ruf habe. Es stehe für Berge und Idylle, während OAL und MOD, die Kennzeichen für Oberallgäu und Marktoberdorf im gleichen Landkreis, mit einem weniger schönen Teil des Kreises assoziiert würden. Das Wertinger Kennzeichen WER hingegen „hat es schwer, weil der ursprüngliche Altlandkreis und die Stadt selbst eher klein waren“.

Krumbachs Bürgermeister freut sich über die Resonanz

Landrat Hubert Hafner hat eine „zwiegespaltene Meinung“ zu den Nummernschildern, sagt er. Auf der einen Seite schafften sie mehr Auswahl für die Bürger, was er grundsätzlich begrüße. Auf der anderen Seite tragen die unterschiedlichen Kennzeichen „nicht dazu bei, dass der Landkreis mehr zusammenwächst“, gibt er zu bedenken. Geschadet hätten sie aber auch nicht, stellt er auf Nachfrage klar. Insgesamt seien die Zusammenarbeit und der Zusammenhalt im Kreis gut – auch wenn einige wenige „die Gebietsreform noch nicht ganz überwunden“ hätten. Seiner Auffassung nach werde niemand benachteiligt. „Manchmal bekommen manche sogar etwas, gerade weil sie sich benachteiligt fühlen.“ Wo die Zusammenarbeit im Kreis noch besser werden könnte? Er wünscht sich, dass Kommunen ähnlich schnell auf Bitten des Landratsamtes reagierten, wie es die Behörde bei Anfragen von Kommunen tue.

Hubert Fischer, Krumbachs Bürgermeister, freut sich über die gute Resonanz auf das KRU-Kennzeichen – im Mai wurde die Schwelle von 10000 „geknackt“. „Es stärkt die lokale Identität.“ Als spaltend nehme er es absolut nicht wahr. Die Zusammenarbeit im Kreis funktioniere, auch wenn es bei einzelnen Themen unterschiedliche Meinungen gebe. Eine Bevorzugung oder Benachteiligung sieht er insgesamt nicht: „Wenn man alle Themen nivelliert, ist es schon einigermaßen ausgeglichen.“ Er verweist auf den Landkreis Neu-Ulm, der wohl gespalten wird, und sagt, er wolle „nicht zurück zur Kleinstaaterei“. Im Gegenteil, als Bürgermeister Krumbachs und Kreisrat versuche er, über Kreisgrenzen hinweg mit anderen Kreisen zusammenzuarbeiten, zum Beispiel beim Verkehr.

Matthias Kiermasz ist der Kennzeichen-James-Bond unter den Bürgermeistern

„GZ – OO7“: Dem Kennzeichen nach ist Matthias Kiermasz der James Bond unter den Bürgermeistern. Ein Privatauto hat er zusätzlich mit Krumbacher Kennzeichen und der gleichen Zeichenkombination ausgestattet, „damit niemand anderes mit dieser Kombination fährt“. Dass er als Kammeltaler Rathauschef eine Gemeinde führt, die früher teils zum Kreis Krumbach, teils zum Günzburger gehörte, sei kein Grund für ihn gewesen, beide Kennzeichen zu nutzen.

Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig sieht das KRU-Kennzeichen als „schöne Möglichkeit, etwas Lokalpatriotismus auszuleben“, ohne dass dieser spaltend sei. Heimat sei vielfältig. Für ihn sei sie „mein Vaterland, Bayern, der Landkreis und meine Heimatstadt“. Er sehe sich als Kreisbürger. Die Zusammenarbeit der Kommunen sei gut. Jauernig verweist außerdem auf die gemeinsame Sparkasse. In der Kreispolitik spüre man beim „ein oder anderen noch alte Wunden“. Landrat Hafner habe es aber in den vergangenen Jahren gut verstanden, wie er „ausgleichende Politik“ machen kann. „Ich muss ihm ein ehrliches Kompliment machen.“

So wurden die alten Kennzeichen wieder eingeführt

Die Kennzeichenliberalisierung ist am 21. September 2012 vom Bundesrat, der aus Mitgliedern der Regierungen aller Bundesländer besteht, beschlossen worden. Einen guten Monat später, am 1. November, wurde es geltendes Bundesrecht. Die Kennzeichenliberalisierung ermöglicht, dass Länder mehrere Kennzeichen pro Zulassungsbezirk beantragen können. Zulassungsbezirke sind Landkreise und kreisfreie Städte. Alle Flächenbundesländer außer dem Saarland machen Gebrauch von der Kennzeichenliberalisierung.

Nicht zu den Flächenländern zählen Berlin, Hamburg und Bremen. Vor dem Gesetzesbeschluss beschäftigte sich von 2010 bis 2012 eine Studie der Hochschule Heilbronn mit der Kennzeichenliberalisierung. Ihr zufolge haben sich in betroffenen Städten 72 Prozent der Bürger für eine Einführung der Altkennzeichen ausgesprochen. Professor Ralf Bochert, der die Studie leitete, geht aktuell davon aus, dass mehr als drei Millionen Fahrzeuge in Deutschland mit den alten Kennzeichen unterwegs sind.

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