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Landkreis Günzburg

29.05.2014

Wiese gemäht und Rehkitz zerfetzt: Jagdpächter zeigt Landwirt an

Im Mai besonders in Gefahr: Rehkitze, die ins Mähwerk von landwirtschaftlichen Maschinen geraten. Aus Instinkt verharren die gut getarnten Jungtiere regungslos im hohen Gras. Auch der Nachwuchs von Hasen oder Vögeln ist gefährdet.
Bild: Bayerischer Jagdverband

Ein Jagdpächter hat einen Landwirt im Kreis Günzburg angezeigt, weil er ihm den Mahd-Termin nicht mitgeteilt hatte

Einem Landwirt im südlichen Landkreis könnte Ungemach drohen: Ein Jagdpächter hat gegen ihn eine Strafanzeige wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gestellt. Wie die Polizei mitteilt, hatte der Jagdpächter den Landwirt gebeten, ihm Bescheid zu geben, wenn er eine am Wald gelegene Wiese abmäht. Doch der Bitte war der Landwirt offenbar nicht nachgekommen. Der Jagdpächter wollte vorher die Wiese nach Rehkitzen absuchen, um die Jungtiere vor Verletzungen durch das Mähwerk zu retten. Auf der gemähten Wiese fand der Jäger letztendlich ein zerfetztes Rehkitz.

Die Staatsanwaltschaft wurde darüber informiert – sie wird nun entscheiden, ob ein ausreichender Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegt. Wenn ja, dann ermittelt die Polizei. „Ich versuche schon seit drei Jahren, dem Landwirt das Problem nahezubringen“, sagt der Jagdpächter. „Es war jetzt schon öfters der Fall, dass er nicht Bescheid gegeben hat.“

In Baden-Württemberg wurde der Landwirt verurteilt

Im vergangenen Jahr hatte es einen ähnlichen Fall in Baden-Württemberg gegeben – am Amtsgericht in Wolfach wurde ein Landwirt zu einer Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 4000 Euro verurteilt. Nach Auffassung der Richter hatte er wissentlich Kitze „ausgemäht“. Ganz aktuell ist ein anderes Urteil aus Hof: Ein Landwirt wurde im Februar ebenfalls zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Er hatte sich gegenüber eine jungen Frau geweigert, seine Wiese vor der Mahd abzulaufen.

Die Frau hatte am Vorabend Kitze in dem Bereich gesehen – zwei fanden den Tod, berichtet Prof. Dr. Hartmut Wunderatsch, Präsidiumsmitglied des Bayerischen Jagdverbands. Er war beim Prozess. Der Richter habe ganz klar betont: Der Landwirt müsse den Jagdpächter informieren oder selbst Maßnahmen ergreifen. In der Regel mache das jeder Landwirt schon aus eigenem Interesse, sagt Wunderatsch. Denn einen Tierkadaver in der Ernte wünsche sich niemand. Schließlich drohe dann auch die Gefahr von Botulismus – einer lebensbedrohlichen Bakterienvergiftung. „Unsere Erfahrung ist, dass Landwirte bemüht sind“, sagt Wunderatsch.

Das beweist das Beispiel von Bauer Robert Doldi: Er ruft Jäger Roland Bock aus Schwabmünchen an, wenn er seine Wiese zwischen Lauterbach und Habertsweiler mäht. Bock trommelt Helfer zusammen – Kinder, Jägerkollegen und eine Dackeldame durchstreifen dann nach einer Einweisung die Wiese. In einer Reihe geht es geradeaus, mit Stöcken wird vorsichtig das Gras zur Seite gelegt.

Die Rehkitze darf man nicht anfassen

Ganz wichtig: Die Kitze dürfen nicht angefasst werden. Wenn doch, kann der fremde Geruch das Muttertier abschrecken und dann dazu führen, dass sie den Nachwuchs zurücklässt. Jeder Landwirt sei zum Tierschutz verpflichtet, sagt Alfred Fehrenbach von der Geschäftsstelle Günzburg des Bauernverbands. „Jeder ist doch bemüht, Leben zu retten.“ In der Praxis gestalte sich die Reh-Rettung aber schwierig.

Auch die größere und schnellere Technik spiele eine Rolle. Prof. Dr. Wunderatsch: „Da haben die Rehkitze überhaupt keine Chance mehr.“ Eine Möglichkeit könne eine Schutzvorrichtung am Mähwerk sein, erklärt Fehrenbach. Außerdem mache es Sinn, eine Wiese von innen nach außen zu mähen: So hätten die Jungtiere die Möglichkeit, ins hohe Gras zu flüchten.

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