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19.03.2009

"Wir sind keine Koranschule"

Jettingen-Scheppach Es war ein vorsichtiges Abtasten. Ein Zusammenschluss von sechs, vor allem türkischen Vereinen hat sich am Dienstagabend im alten BRK-Haus von Scheppach vorgestellt und sein bis dato umstrittenes Vorhaben präsentiert. Demnach soll in dem ehemaligen Hotel eine Privatschule für zunächst etwa 50 Kinder und Jugendliche entstehen. Behauptungen, das Gebäude würde zu einer versteckten Koranschule umfunktioniert, widersprachen die Veranstalter vehement.

"Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft und wollen eine soziale Bereicherung sein", eröffnete Diplom-Politologe Mehmet Pekince, einer der Leiter des Schulprojektes und Vorstand von "Vision Privatschulen" in München, seine Rede. Grundsätzlich wollen die Initiatoren eine Schule gründen, die "offen für alle" sei. Zudem müssten auch die Kontakte zur Gemeinde noch vertieft werden. Der ständige Dialog sei unbedingt erwünscht.

In seinem Grußwort stellte der Bürgermeister von Jettingen-Scheppach, Hans Reichhart, seine Meinung zu dem Privatschul-Vorhaben dar: "Wir sind gespannt, was kommen wird. Wir sind zurückhaltend und kritisch, wollen aber ein friedliches Miteinander und eine gelungene Integration."

Bislang wusste wohl kaum einer der etwa 45 geladenen Gäste aus den Bereichen Verwaltung, Politik und Gemeindeleben - darunter auch zahlreiche Marktgemeinderäte - was genau an der Hauptstraße Scheppachs aufgebaut werden soll. Die Ausführungen hierzu blieben auch am Dienstag zu Beginn der Veranstaltung wenig detailliert. Eine Privatschule, basierend auf den bayerischen Lehrplänen und der Landesverfassung wollen die Vereine schaffen. Über den konkreten Charakter der Schule wurden anfänglich nur wenige Worte verloren.

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"Wir sind offen für jeden, jeder kann uns kontrollieren"

Auf Nachfrage der Günzburger Zeitung betonte Pekince, dass er eine weltoffene Schule plane - für deutsche und ausländische Kinder. Sowohl mit ausländischen als auch mit deutschen Lehrern solle künftig gearbeitet werden. "Wir sind keine Koranschule, jeder kann uns kontrollieren", entgegnete Pekince Befürchtungen, es handle sich bei den Plänen um islamistische Absichten. Die sechs Vereine seien mit ihren bereits existierenden Einrichtungen in Städten wie Augsburg und Ingolstadt akzeptiert und integriert - es gebe nirgendwo Probleme mit der Bevölkerung oder der Verwaltung.

Die Vereine wollen die Gesellschaft unterstützen, indem sie Bildungsaufgaben in die eigene Hand nehmen, erklärte Mitinitiator Sahin Ilgen aus Ingolstadt.

Ilgen betonte in seinem Redebeitrag ebenfalls den Willen eines "friedlichen Zusammenlebens", das geprägt sein solle von "Weltoffenheit, auf dem Boden der Bayerischen Verfassung". Ferner solle die Schule keine Konkurrenz zu den öffentlichen Schulen in der Region darstellen. Kritik an den Redebeiträgen der Initiatoren äußerte im Rahmen der Veranstaltung der neue Fachbereichsleiter des Schulamtes Günzburg, Josef Seibold. Öffentliche Schulen seien in den Vorreden der Vereinsvorstände zu kritisch dargestellt worden, dabei lieferten die staatlichen Schulen teils "Lernkultur par excellence".

Nach den Reden führte Architekt Jürgen Rudat die Besucher durch das ehemalige BRK-Ausbildungsheim und erklärte die baulichen Pläne. Der Charme der siebziger Jahre war spürbar: dunkles Holz, grüne Fliesen und Kachelmuster-Gardinen - Einiges müsse noch saniert und restauriert werden, so Rudat, allerdings "mit wenig Aufwand". Sechs Klassenzimmer müssten entstehen, zudem soll die Schule internatsfähig sein: Schlafplätze und Verpflegung inklusive.

Trotz aller Zuversicht der Initiatoren muss erst die Regierung von Schwaben grünes Licht für die Schule geben. Der Antrag hierzu werde noch im März eingereicht, erklärte Sahin Ilgen.

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