Newsticker

Frankfurter Buchmesse soll in diesem Herbst trotz Pandemie stattfinden
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. „Wir werden alles tun, dass es uns dann noch gibt“

Jettingen-Scheppach

23.03.2020

„Wir werden alles tun, dass es uns dann noch gibt“

Eine unfreiwillige Standpause legen die Busse der Firma Dirr-Reisen auf dem Betriebshof in Jettingen-Scheppach ein. Das touristische Geschäft und die Schülerbeförderung fallen komplett weg.
Bild: Dirr-Reisen

Die Busunternehmen in der Region trifft die Corona-Krise besonders hart. Der Chef von Dirr-Reisen in Jettingen-Scheppach zeigt sich kämpferisch.

Stornierungen statt Buchungen, Kurzarbeit seit der vergangenen Woche, ein Fuhrpark, der großteils steht. So sieht die Situation bei vielen Busunternehmen als Folge der Corona-Krise aus – auch bei Dirr-Reisen in Jettingen-Scheppach. „Das ist schon ein wenig deprimierend“, sagt Sabrina Schaller, die im Unternehmen für die Bereiche Mietbus und Touristik zuständig ist. Im Augenblick wechseln sich die Angestellten Tag für Tag im Büro ab. Ein Platz ist besetzt, der Rest der Belegschaft in der Verwaltung ist zu Hause. „Wir haben uns große Mühe gegeben, die Reisen fix zu machen.“ Und jetzt hagele es Absagen.

So extrem hat das Chef Reimund Dirr anfangs nicht eingeschätzt. „Ende Februar war mir dann klar, dass es die Branche extrem treffen wird. Zu dem Zeitpunkt konnte ich mir aber noch nicht vorstellen, dass Schulen geschlossen werden. Das alles hat eine ungeheure Dynamik angenommen.“

Es fehlen Aufträge mit mittlerem sechsstelligem Wert

Allein im touristischen Bereich summierten sich die fehlenden Aufträge auf einen mittleren sechsstelligen Wert. In der Schülerbeförderung ist der Schaden aktuell noch nicht abzusehen, „weil wir nicht wissen, wie lange die Schließungen dauern werden“. Wenn die Schulen nach dem Ende der Osterferien ab 20. April noch nicht öffnen sollten, wird es Dirrs Worten zufolge „richtig spannend“.

„Wir werden alles tun, dass es uns dann noch gibt“

Das gilt auch für das Reisebussegment. In Baden-Württemberg sind Busausflüge bereits bis Mitte Juni untersagt.

Seit gut einer Woche sind die mehr als 80 Mitarbeiter der Firma nun in Kurzarbeit. Manche arbeiten zurzeit gar nicht mehr. Einige Busfahrer bauen Überstunden ab. Im öffentlichen Personennahverkehr sind noch Busse von Dirr unterwegs – häufig leer oder minimal mit Fahrgästen besetzt. Die Fahrten machen laut Dirr ungefähr 15 Prozent des gesamten Auftragsvolumens aus.

Ziel: Alle Arbeitsplätze erhalten

Die Firma hat rund 30 Busse und mehr als 60 Fahrer, Aushilfen inklusive. Der Großteil der Fahrzeuge steht in den beiden Betriebshöfen in Jettingen-Scheppach und Lauingen. Reimund Dirr beschäftigt vor allem die Frage, wie lange das andauern wird. „Wie schnell schaffen wir es, wieder zur Normalität zurückzukehren?“ Er erwartet schnelles Handeln der Staatsregierung, damit es nicht nur Kredite gibt, sondern auch staatliche Hilfen für die Busunternehmen. „Den Fahrern wird es ja quasi verboten, ihren Beruf auszuüben.“ Das Ziel sei, alle Arbeitsplätze zu erhalten.

Die Personalvergütungen sind zwar ein großer „Kostenblock“. Die Unterstützung des Staates über das Kurzarbeitergeld reiche jedoch nicht. „Wir brauchen auch eine echte Unterstützung etwa bei den Fahrzeugkosten.“

Die Kurzarbeit, sagt Dirr abschließend, habe niemand negativ gesehen. „Wir möchten allen Mitarbeitern danken, dass alle an einem Strang ziehen und in diesen schweren Zeiten hinter der Firma stehen. Gemeinsam werden wir diese Krise meistern. Ein großer Dank geht auch an unsere verständnisvollen Kunden. Wir werden alles tun, dass es uns nach Corona auch noch gibt.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren