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25.06.2009

"Wir wollen keine Abschottung der Migranten"

Jettingen-Scheppach Wenn im September die Schultore wieder öffnen, wird sich Mehmet Pekince freuen. Oder er wird, wie auch die meisten Schüler in Bayern, traurig sein - allerdings nicht über das Ende der Ferien. Für Pekince sollte dann nämlich der von ihm gewollte Ernst des Lebens beginnen: Der Politologe aus München will noch in diesem Jahr im ehemaligen Rot-Kreuz-Heim in Scheppach eine Privatschule eröffnen (wir berichteten). Nun sind alle Anträge gestellt. Ob es die viel diskutierte Schule - die Einrichtung setzt vor allem auf türkische Kunden - geben wird, ist allerdings fraglich. Es gebe jedoch Signale seitens der Regierung von Schwaben, dass die Privatschule grünes Licht erhalten werde, meint Pekince.

"Wir haben bald genug Lehrer angeworben, noch im Juli soll der Umbau der Klassenzimmer beginnen" - Mehmet Pekince gibt sich optimistisch, dass das Projekt Privatschule in Scheppach auch tatsächlich starten wird. Er benötigt hierfür noch zwei wichtige Genehmigungen: Das schulrechtliche Okay seitens der Regierung von Schwaben sowie die baurechtliche Zusage.

Ab Mitte Juli rechnet Pekince mit dem behördlichen Einverständnis aus Augsburg. Dieses könne sich jedoch auch verzögern. "Es kann durchaus sein, dass wir erst im September bescheid bekommen", meint der Politologe. Dennoch wird in Scheppach bereits auf Hochtouren organisiert und geplant. Pekince und seine Kollegen wählen Personal aus, erstellen Stundenpläne, führen Gespräche mit Interessenten.

Bei Bedarf soll es christlichen Religionsunterricht geben

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Diese sind vor allem türkische, beziehungsweise türkischstämmige Bürger, die sich für ihre Kinder in einem Internat, das von sechs türkischen Vereinen getragen wird, bessere Bildungschancen versprechen. "In einem Internat mit Ganztagsbetreuung sind die Lebens- und Lernchancen aufgrund der intensiveren Betreuung besser", erläutert Pekince seine Motivation für das Projekt.

Auf keinen Fall wolle er eine Abschottung der türkischen Schüler vorantreiben. "Unsere Schule steht allen offen, ob Deutschen oder Türken. Bei Bedarf wird es auch evangelischen und katholischen Religionsunterricht geben", entgegnet der 35-Jährige den Befürchtungen, dass in der Marktgemeinde eine "Koranschule" entstehen könnte. Am Anfang werde jedoch erst einmal nur Ethik unterrichtet.

Laut Pekince ist die Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde bislang sehr positiv verlaufen, auch mit den örtlichen Sportvereinen seien die Initiatoren der Schule im Gespräch. "Der VfR Jettingen stellt uns für den Sportunterricht seine Außenanlagen zur Verfügung, wegen einer Hallen-Anmietung stehen wir mit verschiedenen Vereinen in Kontakt", sagt Pekince.

Trotzdem: Ob sich das Schulprojekt, sollte es denn von Amts wegen genehmigt werden, auch wirtschaftlich rechnen wird, steht in den Sternen. Lediglich "zehn bis 15 feste Zusagen" von Eltern zur Schulanmeldung ihrer Sprösslinge habe Pekince bis dato erhalten.

Und das in einem Gebäude, das bequem über 200 Schüler beherbergen könnte. "Mit zwei Mal 25 Schülern in zwei fünften Klassen, je einer im Bereich Realschule und Gymnasium, wollen wir anfangen" - Pekince lässt sich durch die wenigen elterlichen Zusagen nicht aus der Ruhe bringen. "Wenn man etwas Neues beginnt, muss man optimistisch sein", meint er. Es bleibt also vielleicht sogar bis Ferienende im September abzuwarten, ob das Internat nach Scheppach kommt.

Ein definitives Ja oder Nein zur Privatschule Scheppach ist allemal nicht vor Mitte Juli zu erwarten. Bis dahin wird Pekince nach dem Stand der Dinge noch viel zu tun haben.

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