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Corona

10.07.2020

Wird in der Saison 2020/21 im Kreis Günzburg Fasching gefeiert?

Die Garde des KC Ballustika aus Balzhausen samt Elferrat beim Gardetreffen der Faschingsgesellschaft Offonia im Februar 2020. Ob in der kommenden Faschingssaison solche Auftritte aufgrund von Corona überhaupt stattfinden können, ist bei vielen Gesellschaften noch ungewiss. „Wir wollen Gaudi, da zählen keine neuen Hüte oder teure Deko.“„Unsere Garden und Tänzer sind am schlimmsten dran.“
Bild: Peter Wieser (Archiv)

Plus Ob und wie Veranstaltungen stattfinden können, weiß im Kreis Günzburg keiner. Die Unsicherheit ist groß. Eine Gesellschaft hat sich bereits zur Absage entschieden.

In vier Monaten ist offizieller Faschingsbeginn. Die Gesellschaften inthronisieren ihre Prinzenpaare, Garden und Showtanzgruppen fiebern der närrischen Zeit entgegen. In der kommenden Saison wird das jedoch anders sein. Könnte Corona dem Fasching gar einen Strich durch die Rechnung machen? Für die meisten Gesellschaften wäre jetzt der Zeitpunkt, um zu planen. Die Mindelonia aus Mindelheim im Nachbarlandkreis Unterallgäu hat ihre Entscheidung bereits gefällt: „Wir haben beschlossen, die kommende Saison 2020/2021 ausfallen zu lassen“, heißt es auf ihrer Internetseite. Wie sehen das die Faschingsgesellschaften im Landkreis Günzburg? Das sind die Reaktionen einiger Gesellschaften.

Jettingen will Fasching nicht ausfallen lassen

„Wenn seitens der Politik nichts dagegenspricht und wir die Auflagen so erfüllen können, dass wir das auch finanziell tragen können, wird es einen Fasching mit den gewohnten Veranstaltungen und auch mit einem Umzug geben“, sagt Max Behrendt, Präsident des Fasnachtsvereins Burkhardia aus Jettingen. Tanzgruppen gibt es nicht, im Hinblick auf Corona hat es der Verein daher etwas einfacher. Auch den Bräuchen wie dem Pfändern und dem Rumäckra dürfte nichts entgegenstehen, selbst wenn dies mit Maske geschehen müsste.

Man bereite sich in jedem Fall auf den Fasching vor und stelle irgendetwas auf die Beine, so wie es eben möglich sei, verspricht auch Hans Wörner, Hofmarschall der Faschingsgesellschaft Offonia aus Offingen. „Der Fasching ist unser Leben und wir wollen den Leuten etwas bieten. Aber wir müssen abwarten, die Gesundheit steht an vorderster Stelle.“

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Auch Haldenwanger wollen endlich aktiv werden

Ähnlich sieht es die Haldenwanger Gaudi. „Wir planen“, erklärt Präsidentin Kerstin Rauner. Man habe lange Zeit nicht mehr zusammenkommen dürfen, man wolle endlich wieder aktiv werden. Sollte es Beschränkungen bei der Anzahl der Besucher geben, müsse man sich finanziell anderweitig einschränken. „Wir wollen Gaudi, da zählen keine neuen Hüte oder teure Deko. Wäre Corona ein paar Wochen früher gekommen, hätte es schon heuer keinen Fasching gegeben.“ Wenn es gar keine Veranstaltungen und keinen Umzug geben kann, dann müsse man das akzeptieren.

„Wir bereiten uns vor“, sagt auch Elke Böck, Präsidentin der Faschingsgesellschaft Dürrlaria aus Dürrlauingen. Sollte es keinen Fasching geben, dann müsse man das, so traurig es auch sei, auf das übernächste Jahr verschieben. Über neue Kostüme oder ein Motto jetzt schon zu entscheiden, das wäre ohnehin zu früh. Das geschehe im Herbst und man müsse sehen, wie sich alles bis dahin entwickle.

Garden in Waldstetten trainieren bereits für die kommende Faschingssaison

Beim LCV in Waldstetten möchte man den Fasching ebenfalls so gut es geht stattfinden lassen, auch die Garden trainieren inzwischen. „Wir haben keinen Einfluss darauf“, ist sich Präsident Robert Imminger unsicher. Wie das mit dem Tanzpaar allerdings funktionieren werde, darüber sei man sich nicht schlüssig.

Auch bei der Knoronia im Burgauer Stadtteil Unterknöringen wird auf den Fasching hin geplant. Präsidentin Monika Riß erinnert jedoch an die bis Ende Oktober geltenden Regelungen: „Wenn diese so bestehen bleiben, wissen wir nicht, wie wir das bewerkstelligen sollen.“

Ludwig Strehle, Präsident der Burgavia aus Burgau, schließt sich dem an: „Eine schwierige Situation, man kann im Moment nur abwarten.“ Wenn bei Veranstaltungen nur jeder zweite Platz besetzt werden dürfe, werde man das voraussichtlich finanziell nicht stemmen können. Ob es in der Markgrafenstadt ein Markgrafenpaar gibt, hängt ebenfalls in der Luft. „Mit Maske und Abstand wäre das kein richtiger Fasching“ so Strehle.

Noch nicht überall im Landkreis Günzburg ist die Entscheidung schon gefallen

Beim Patenverein, dem KC Ballustika aus Balzhausen, ist ebenfalls noch keine Entscheidung gefallen. „Irgendwann müssen wir sie treffen“, sagt Präsidentin Steffi Schütz. Es gebe sogar schon ein Prinzenpaar. Aber was sei schon ein Faschingsball mit nur der Hälfte an Gästen, und wie wolle man kontaktlos tanzen? In der Vergangenheit kamen gut 10000 Besucher zum Faschingsumzug, bei der Faschingsparty im Ziegelstadel waren es stets 800 bis 900 Personen. „Wir haben die Verantwortung, auch gegenüber den Kindern und Jugendlichen.“ Und die seien die Leidtragenden.

Abwarten, so heißt es im Moment auch beim Kötzer Narren-Club (KNC). Dort steht in der Regel nach dem Schlussball bereits alles für die kommende Saison fest. Ob das aber so stattfinden könne – das gelte auch für den Faschingsumzug – bezweifle inzwischen jeder im Präsidium, sagt Präsident Jürgen Laub. „Unsere Garden und Tänzer sind am schlimmsten dran, für die ist das wie ein Schlag ins Gesicht.“

Der Carnevals-Club Harthausen (CCH) hat sich bis September eine Deadline gesetzt. „Wir hängen absolut in der Luft“, sagt Präsident Christian Held. Es werde zwar wieder in abgespeckter Form trainiert, auch beim Männerballett – das wäre zumindest eine Grundlage für die übernächste Saison, sollte es 2021 keine oder nur mit strengen Regelungen verbundene Veranstaltungen geben dürfen. Held spricht von einem Motto, das den kommenden Fasching wohl prägen werde: „Wir halten zusammen.“

Leipheim ist sicher: Fasching 2021 fällt aus

In der Güssenstadt ist die Entscheidung gefallen. Vor Kurzem hat das Präsidium des Leipheimer Haufens entschieden, den kommenden Fasching ausfallen zu lassen. „Es ist mit großer Verantwortung verbunden“, bedauert Präsident Wolfgang Brosa. Hinzu komme der Aufwand bei Hygienevorkehrungen und der finanzielle Aspekt. Selbst wenn größere Veranstaltungen möglich wären, stelle sich die Frage, ob Besucher kämen. „Die Garden trainieren, so wie es möglich ist, die Guggenmusiker proben auf Abstand. Einen Fasching im kleinen, internen Rahmen könnte es vielleicht geben, aber kurzfristig etwas Größeres zu machen wäre schwierig“, so Brosa.

Mike Tögel, Vizepräsident des Regionalverbands Bayerisch-Schwäbischer-Fastnachtsvereine (BSF), fasst zusammen: „Es herrscht überall Unsicherheit. Wie der kommende Fasching überhaupt stattfinden kann, kann im Moment keiner sagen. In jedem Fall wird die Saison eine andere sein, wie wir sie bis dato kannten. Sicherlich wird mancher traurig sein. Aber unsere Faschingsgesellschaften sind sich der Verantwortung, die sie tragen, absolut bewusst.“

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