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10.07.2010

Wo Familien Hilfe bekommen können

Dürrlauingen Zahlreiche Projekte gestalten die moderne Jugend- und Familienpolitik. Beim jüngsten Jugendhilfeausschuss des Landkreises in Dürrlauingen hatten mehrere Referenten Gelegenheit, ihre Projekte vorzustellen.

Netzwerk für Alleinerziehende. Es soll helfen, Beratung und Unterstützung Alleinerziehender zu systematisieren und dadurch effektiver zu gestalten. Oleksandra Führer wurde mit diesem Projekt beauftragt und stellte erste Ergebnisse vor. In ihrer Arbeit konzentriert sie sich auf Hartz-IV-Empfänger und die Sensibilisierung der Arbeitsvermittlung. Immerhin bestehen im Schnitt 18,3 Prozent aller Familien aus Alleinerziehenden mit Kindern. Im Landkreis sind es 375, die 615 Kinder aufziehen und Arbeitslosengeld II beziehen. 95 Prozent sind Frauen, im Schnitt 34 Jahre alt, deutsch.

Fehlende Ausbildung und berufliche Qualifikation, aber auch ein Mangel an flexibler Kinderbetreuung, ungenügende Öffnungszeiten von Kindertagesstätten und fehlender öffentlicher Nahverkehr sind für Alleinerziehende die größten Hemmnisse, um in Arbeit zu kommen. Durch eine bessere Qualifizierung und ein erhöhtes Angebot an Teilzeitarbeitsplätzen, so Führer, könnten die Betroffenen Arbeit und Familie vereinbaren. In der Vernetzung der Angebote, die in vielfältiger Weise bestehen, könnten die Unterstützungsmöglichkeiten Alleinerziehenden zielgerichteter und passgenauer angeboten werden und damit sowohl effektiver als auch kostengünstiger.

In der darauf folgenden Diskussion stellte ein Ausschussmitglied das Projekt als solches infrage, da bereits zahlreiche Angebote existierten. Broschüren oder eine Internetseite mit den Hilfsangeboten sei durchaus ausreichend.

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Landrat Hubert Hafner verteidigte das Projekt Netzwerk und wies darauf hin, dass gedruckte Broschüren meist bereits veraltet seien, bis sie ausgelegt werden können. Der Aufbau eines Internetangebotes sei gerade im Entstehen. Gerhard Weiß vom Projekt Familienförderung erläuterte, dass endlich Zuschüsse da seien, die es erlaubten, ein qualifiziertes Familienportal zu entwickeln und permanent zu pflegen. Die Gestaltung eines professionellen Portals und eine laufende Aktualisierung sei eine kostspielige Angelegenheit. Immerhin werden für das Familienportal 30 000 Euro veranschlagt.

Gut angenommen

Familientaler. Weit günstiger kommt der öffentlichen Hand der Familientaler. Dieser Bildungsgutschein im Wert von 40 Euro, den junge Familien bei der Geburt eines Kindes vom Landkreis bekommen, sei gut angenommen worden, berichtete Gerhard Weiß. Obwohl die Eltern ein Jahr Zeit haben, den Gutschein bei einem der zahlreichen Kooperationspartner einzulösen, seien bereits 20 Rückläufe gemeldet.

Der als "Leuchtturmvorhaben für die Familien- und Kinderregion" bezeichnete Zuschuss, den alle Familien - unabhängig von ihrer sozialen Situation - erhalten, scheint auf Akzeptanz zu treffen. Die Kosten für die Aktion werden im Jahr 2010 ganz und im kommenden Jahr zumindest teilweise über Spenden abgedeckt.

Sprachberatung für Kindertagesstätten. "Ein Erfolgsmodell", erfuhren die Ausschussmitglieder von Susanne Wittenberg und Bianca Rösch. Die Sprachberaterin Wittenberg betreut seit November bis zu acht Kindertagesstätten gleichzeitig und entwickelt gemeinsam mit dem Personal der Kindergärten in jeweils 115 Stunden maßgeschneiderte Modelle zur Optimierung der Sprachkompetenz und Sprachkultur in der Einrichtung. Die sprachlichen Defizite, so die Erzieherin Bianca Rösch vom Wilhelm-Busch-Kindergarten Ichenhausen, nähmen immer mehr zu, wobei die Kinder deutschsprachiger Eltern genauso betroffen seien wie andere.

Mit der Teilnahme an der Sprachberatung wollten die Teilnehmer ihren Status analysieren und überarbeiten. Die bewusste Förderung der Sprachkompetenz habe auch den Teamgeist verbessert. Die Steigerung der Vorlese- und Leselust sei vom Kindergartenteam gemeinsam erarbeitet und umgesetzt worden und habe schon zu Erfolgen geführt.

Als eindrucksvolles Beispiel beschrieb Bianca Rösch die Einrichtung einer Eisdiele im Kindergarten, in der die Dreijährigen schon Bestellungen aufnehmen, Eissorten differenziert bezeichnen und sogar mit Schriftzeichen kennzeichnen können.

Die Sprachberatung, betonte Wittenberg, richtet sich an die Sprachvermittler, also die Erzieher. Ihre Aufgabe sei es, die Situation zu erkennen und zu reflektieren und mit den Sprachvermittlern praxistaugliche Modelle zu entwickeln. Zweisprachige Vorlesestunden könnten ebenso möglich sein wie die Kindergarten-Leihbibliothek, mit der Kinder und Eltern angeregt werden, auch daheim zu lesen und vorzulesen. Zu den vielfältigen Möglichkeiten gehören auch die Einrichtung von Ruhezonen zum Lesen und die Schaffung von Sprech- und Erzählsituationen, um ein Kind zum Sprechen zu animieren. (adl)

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