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Kreis Günzburg

17.02.2018

Wo die Stimme der Alten in Günzburg zählt

Den Artikel des SPD-Politikers Franz Müntefering in einer Fachzeitschrift wird der Günzburger Seniorenbeiratsvorsitzende. Der 78-jährige Müntefering, ehemaliger Vizekanzler, empfiehlt drei „L“, um das Alter zu gestalten: laufen, lernen, lachen. Eines dieser drei „L“ wenden diese beiden Herrschaften schon perfekt an.
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Den Artikel des SPD-Politikers Franz Müntefering in einer Fachzeitschrift wird der Günzburger Seniorenbeiratsvorsitzende. Der 78-jährige Müntefering, ehemaliger Vizekanzler, empfiehlt drei „L“, um das Alter zu gestalten: laufen, lernen, lachen. Eines dieser drei „L“ wenden diese beiden Herrschaften schon perfekt an.

Die 20 000-Einwohner-Stadt müht sich mit ihrem Seniorenbeirat. Von den Bürgern selbst könnte noch etwas mehr kommen.

Rot, gelb, grün. Mit diesen Farben arbeitet der Seniorenbeirat der Stadt Günzburg. So sind auf Papieren die Enden jener Felder markiert, in denen die 14 Punkte des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts der Stadt beschrieben werden.

Am Mittwoch hat der Günzburger Seniorenbeirat (elf Mitglieder) im Rathaus mit der Dritten Bürgermeisterin Ruth Niemetz getagt und sich fast zwei Stunden über die Fortschreibung jenes Konzeptes unterhalten. Denn nur mit einer Beschreibung auf dem Papier ist eine Absicht ja noch lange nicht umgesetzt. Das weiß natürlich auch Gerhard Schöttl, der bis vor sieben Jahren Rektor der Grund- und Mittelschule in Wasserburg war. Wenn es um Tagespflege, Kurzzeitpflege, eine adäquate Versorgung mit Heimplätzen, eine geeignete Hospiz- und Palliativversorgung geht und um genügend Ärzte in der Stadt „können wir nur abfragen und auf den entsprechenden Bedarf hinweisen“, sagt der 70-Jährige. „Wirklich etwas zu ändern, das steht nicht in unserer Macht.“ Die rote Farbe in den meisten dieser Felder wird deshalb bei diesen Daueraufgaben vermutlich auch so schnell nicht verschwinden.

Das Gremium wird gehört

Als machtlos sieht er das ehrenamtlich tätige Gremium, das seit acht Jahren existiert, aber keineswegs. Das hat unter anderem mit der Aufmerksamkeit zu tun, die die Stadt Günzburg der Seniorenvertretung schenkt. Für drei Jahre wird sie jeweils gewählt – gewählt von den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, die mindestens 60 Jahre alt sind. Mehr als 5600 Senioren wurden vor der vergangenen Wahl im Jahr 2016 angeschrieben – und um Wahlvorschläge gebeten. Gerade mal elf Namen sind damals zusammengekommen – exakt so viele wie das Gremium Plätze hat. Im Forum am Hofgarten stellten sich die Kandidatinnen und Kandidaten vor – und dann ging es für die eingeladenen Bürger gleich zur Abstimmung. Gut 150 Wahlberechtigte sind vor zwei Jahren tatsächlich gekommen. Für den einen oder anderen mag die musikalische Unterhaltung und – nicht zu unterschätzen – der gratis angebotene Kaffee und Kuchen zusätzliche Motivation gebracht haben, den üblichen Tagesablauf zu ändern. Im Bürgerservicezentrum und in den beiden Altenheimen in der Stadt konnten ebenfalls die Stimmen abgegeben werden.

Doch sind elf Wahlvorschläge, 150 Wählerinnen und Wähler im Forum bei gut 5600 angeschriebenen Personen letztlich nicht etwas mickrig? Georgine Fäßler, die in der Stadtverwaltung für Veranstaltungen und das weite Feld „Soziales“ verantwortlich ist, benennt das Problem: Diejenigen, die 60 oder wenige Jahre älter sind, seien nicht immer erfreut, wenn sie „Seniorenpost“ von der Stadt Günzburg erhielten. „Denn sie zählen sich nicht zu dieser Gruppe und beachten das Schreiben dann auch nicht weiter. Aber wann sollen wir anfangen, den Bürgern zu schreiben und auf ihre Interessensvertretung aufmerksam zu machen? Wenn sie 80 sind?“

Bürger- und Seniorentreff ist erst einmal vom Beirat zurückgestellt

Der aktuelle Vorsitzende Schöttl hält es für wichtig, dass die erfahrenen Bürger der Stadt eine Stimme bekommen und diese auch erheben können. Das klappt zwar nicht immer. So scheitert die bereits 2013 gemachte Anregung eines Bürger- und Seniorentreffs im Zentrum Günzburgs dem Vorsitzenden zufolge „an geeigneten Räumlichkeiten und am Personal. Deshalb haben wir dieses Projekt zurückgestellt“. In Schöttls immerwährender Wunschliste ist auch die Umgestaltung des mit Pflastersteinen bewehrten Marktplatzes und der Seitenstraßen. Rollstuhlfahrer und Menschen, die auf Gehhilfen angewiesen sind, können die Schönheit der Altstadt manchmal nur eingeschränkt – wenn überhaupt – genießen. „Ich weiß aber auch, wie diffizil und aufwendig ein solches Umbauprojekt ist“, sagt Schöttl.

Woanders seien Fortschritte erzielt worden, findet der Seniorenbeiratsvorsitzende. Die Älteren hätten mehr Informations- und Beratungsmöglichkeiten als noch vor Jahren. Und aus dem Fokus der Stadt, des Landkreises und auch vieler Vereine seien die Alten auch in der Kinder- und Familienregion Günzburg beileibe nicht verschwunden.

Der 70-jährige Schöttl ist überzeugt davon, dass sich der Einsatz lohnt. Und vor allem: Es mache angesichts der engagierten Mitstreiter „unheimlich viel Spaß“. Jeden Monat kommt der Seniorenbeirat zusammen: elfmal davon im Sitzungssaal des Rathauses. Nur einmal – im August – steht die Geselligkeit im Vordergrund: beim Seniorennachmittag des Günzburger Volksfestes.

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