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Landkreis Günzburg

17.02.2018

Wohnraum als Schlüssel für die Integration

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In der Sporthalle des Krumbacher Gymnasiums fanden Asylsuchende im Herbst 2015 eine erste Bleibe. Rund zweieinhalb Jahre später geht es darum, Wohnraum für anerkannte Asylbewerber zur Verfügung zu stellen.
Bild: Stefan Reinbold

Online-Wohnraumbörse, Mietcafé, Mieterqualifizierung: Mit welchen Aktionen der Landkreis die Wohnungsproblematik angehen will.

Frust? Lucia Grau überlegt lange, als dieses Wort im Raum steht. „Ja, es ist auch Frust da. Viele Helfer sind ausgepowert“, sagt sie dann. Die Mitarbeiterin des Diakonischen Werks Neu-Ulm ist für den Landkreis Günzburg im Bereich Flüchtlinge und Integration tätig. Sie kennt die Stimmung in den verschiedenen Helferkreisen gut. Nach wie vor sei die Hilfsbereitschaft groß, betont sie. Doch es sind neue Herausforderungen zu meistern. Und es zeichnet sich ab, dass bei der Lösung der Probleme der sprichwörtliche „lange Atem“ notwendig sein wird. Eine zentrale Frage dabei: Wie kann für anerkannte Asylbewerber Wohnraum gefunden werden? Und das in einer Phase, in der sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt zuspitzt? Auch im ländlichen Raum gibt es immer mehr Alleinerziehende und Alleinstehende. Wie kann beispielsweise Wohnraum für Hartz-IV-Empfänger bereitgestellt werden? Meinrad Gackowski, Integrationsbeauftragter des Landkreises, macht im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich, dass das Thema günstiger Wohnraum ein weites Feld ist – in dem sich die atemberaubende Rasanz der gesellschaftlichen Veränderungen auf eine drastische Weise bemerkbar macht. Was kann man tun? In Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachstellen möchte der Landkreis mit dem Konzept „Integration durch Wohnen“ neue Wege gehen. Geplant sind, so Meinrad Gackowski, eine Online-Wohnraumbörse, ein Mietcafé, die Qualifizierung von Mietern und die gezielte Hilfe durch Wohnungspaten.

Ein breiter Ansatz mit Fachstellen, das deutet schon die Zusammensetzung der Gesprächsrunde zum Thema an: Birgit Baumann (Krumbacher Quartiersmanagerin), Salma Muschtaki (Fachstelle zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit im Landkreis Günzburg des Katholischen Verbandes für soziale Dienste), Meinrad Gackowski (Integrationsbeauftragter des Landkreises) sowie Lucia Grau und Julia Ruf vom Diakonischen Werk Neu-Ulm. Sie alle machen deutlich, dass es einer konzertierten Aktion und eines langfristigen Ansatzes bedarf, um die Probleme im Wohnbereich in den Griff zu bekommen. Und dabei wirken sie beim Projekt „Integration durch Wohnen“ eng zusammen.

Gackowsi hat neue Zahlen parat. Die Zahl der anerkannten Asylbewerber, die sich noch in den Unterkünften befinden, lag im Kreis zuletzt relativ konstant bei 365. Die Zahl der neu ankommenden Asylsuchenden im Landkreis, die sich vor einigen Monaten de facto bei Null eingependelt hatte, ist wieder gestiegen. Im Oktober waren es zwölf, im Dezember 62, im Januar 47. Laut Gesetzeslage sind anerkannte Asylbewerber in den „normalen“ Wohnungsmarkt zu „integrieren“. Doch wie sollen sie angesichts des fehlenden bezahlbaren Wohnraums eine Bleibe finden? Hinzu kommen, wie die Initiatoren des Projekts „Integration durch Wohnen“ berichten, Vorbehalte von vielen Vermietern, Wohnraum an anerkannte Asylbewerber, Hartz-IV-Empfänger, Alleinstehende oder Alleinerziehende zu vermieten.

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Ab kommenden Mittwoch wird auf der Homepage des Landkreises Günzburg eine Online-Wohnraumbörse freigeschaltet sein. Dort können Vermieter Wohnraum anbieten. Der Landkreis leitet dann die Angebote an Beratungsstellen und Helferkreise weiter. Wohnraum? Das können, so Gackowsi, beispielsweise auch ältere Wohnungen mit Ofenheizung sein. Bis sich beim sozialen Wohnungsbau in Sachen Neubauten Wesentliches bewege, werde es noch Jahre dauern. Es komme jetzt vor allem darauf an, auch Leerstände für den Wohnungsmarkt zur Verfügung zu stellen.

Ein weiterer Ansatz ist die Einrichtung von Mietcafés. Das erste Mietcafé wird es im März im Krumbacher Bürgerhaus geben. Einmal im Monat soll es stattfinden. Auch im nördlichen Landkreis soll ein Mietcafé eingerichtet werden. Wohnungssuchende können sich hier beraten lassen und sich beispielsweise über das Ausfüllen von Anträgen oder die Angebote regionaler Baugenossenschaften informieren. Birgit Baumann und Gackowsi hoffen, dass sich für die Tätigkeit in den Mietcafés ehrenamtliche Helfer gewinnen lassen. Auch das Stichwort Bewerbungsmappe deutet an, wie sehr sich der Wohnungsmarkt in den vergangenen Jahren verändert hat. In Großstädten ist es heute üblich, dass Mieter Bewerbungsmappen vorlegen müssen. Wie stellt man sich als Mieter beim Vermieter am besten vor? Das fällt Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen und keine „Lobby“ haben, oft alles andere als leicht. Auch hier soll es Hilfestellungen geben.

Eine gezielte Mieterqualifizierung soll „Hilfe zur Selbsthilfe“ schaffen. Im Landkreis soll ein entsprechendes Angebot aufgebaut werden. Beispielsweise nach dem sogenannten Neusässer Konzept. Dabei wird Wohnungssuchenden Basiswissen zum Verhalten als Mieter mit Blick auf die Hausordnung, die Mülltrennung oder die Kommunikation mit dem Vermieter vermittelt. Für die verschiedenen Helferkreise könnte sich dies zu einem wichtigen neuen Tätigkeitsfeld entwickeln. Für die Helfer möchte der Landkreis „Train the Trainer“-Schulungen anbieten. Zusammen mit der Fachstelle zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit möchte der Landkreis ferner einen Pool von ehrenamtlichen Alltagshelfern für Fragen rund ums Wohnen aufbauen. Ehrenamtliche Helfer zu finden – das ist nicht leichter geworden, wie die Projektverantwortlichen im Gespräch mit unserer Zeitung immer wieder berichten. Viele Schritte zur Lösung des Problems Wohnungslosigkeit seien notwendig. Das Konzept „Integration durch Wohnen“ könne hier einen wichtigen Akzent setzen.

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