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Kleinkunst

20.04.2015

Wunderbar daneben

Einen höchst amüsanten Abend boten Max Kennel (links) und Indiana Jonas alias „Das Lumpenpack am Samstagabend auf der Dilldapperbühne in Ichenhausen.
Bild: Greta Kaiser

Das Lumpenpack bringt mit Witz und blühendem Blödsinn existenzielle Fragen auf die Bühne. Warum es der schwierigste Auftritt des Jahres für den Ichenhauser Max Kennel war

Das Fazit vorweg: Es war ein im besten Sinne unterhaltsamer Abend. Ein Abend mit Tiefgang und Hintersinn, mit Witz, Ironie und blühendem Blödsinn. Max Kennel und Indiana Jonas alias „Das Lumpenpack“ sind zwei junge Männer, die erst seit einem Jahr gemeinsam auftreten. In dieser kurzen Zeit haben sie es zu einem erstaunlichen Bühnenprogramm gebracht – in Wort und Lied, in komödiantischem Können und in einer vergnüglichen Art, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Wie am Samstagabend auf der Dilldapperbühne in Ichenhausen.

Zumindest für Max Kennel war es ein Heimspiel. Trotzdem: „Es ist der schwierigste Auftritt des Jahres“. Denn Max Kennel stammt aus Ichenhausen. Im Publikum sitzen die Eltern, Freunde und Bekannte. Sie sind es denn auch, die immer wieder spontan ins Programm eingebunden werden. Wie war das noch mal in Ichenhausen, einem „Dorf“, in dem jeder jeden kennt? In dem man sich nicht mit „Wie geht’s?“ begrüßt, sondern mit „Wie war die Ernte?“

„Das Lumpenpack“ überzieht nicht nur andere mit mildem Spott. Das Duo geht auch existenziellen Fragen seines eigenen Daseins nach: „Gibt es ein Leben vor 12 Uhr?“ Man weiß es nicht, denn kaum einer kennt es. Und was tut man nicht alles für Geld? Selbstironisch heißt es in einem Lied, notfalls würde man auch zur „Medienhure“, nur um bekannt zu werden. Tatsächlich haben es Max Kennel und Indiana Jonas schon ins Fernsehen geschafft, neuerdings werden die beiden von einer eigenen Agentin betreut.

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Das Programm ist bunt und abwechslungsreich. Auf Heiteres folgt Tiefsinniges. Etwa, wenn Max Kennel in der noch jungen Tradition des Poetry Slam in wortakrobatischer Weise dem Zwiespalt der Gefühle, den Irrungen und Wirrungen der Liebe oder dem weichen Kern im harten Kerl nachspürt. In der deutlich älteren Tradition der Doppelconférence spielen sich Max Kennel und Indiana Jonas gekonnt die verbalen Bälle zu. Dabei gerät selbst Banales wie die Erlebnisse im Zug und in der Hotel-Lounge zu höchst amüsanten Dialogen. Nicht minder erheiternd sind die kurzen, nur vierzeiligen Tiergedichte, die Indiana Jonas immer wieder einstreut. Es ist Nonsens vom Feinsten.

Dem Duo auf der Bühne macht der Abend erkennbar ebenso viel Spaß wie dem Publikum.

Klar ist demnach auch, dass „Das Lumpenpack“ nicht ohne Zugaben von der Bühne kommt. Wann gilt ein Konzert gemeinhin als gut? Richtig: Wenn mitgeklatscht werden konnte. Deshalb dürfen die Zuhörer beim letzten Lied mitklatschen. Aber bitte so unrhythmisch wie in einem als gelungen geltenden Konzert. Lustvoll und spöttisch macht das Publikum mit. Völlig daneben, aber wunderbar. Wie der ganze Abend.

tritt in einer Comedy-Sendung im Fernsehprogramm des Norddeutschen Rundfunks (NDR) auf. Geplanter Sendetermin ist Samstag, 25. April. Beginn ist um Mitternacht.

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