Jazz

13.10.2014

Zum Dahinschmelzen

Ein hinreißendes Konzert gab die Jazz-Pianistin Marialy Pacheco bei den Tasten Tagen im Leipheimer Zehntstadel.
Bild: Greta Kaiser

Pianistin Marialy Pacheco wird gerne gehört und auch gesehen

Ein Geheimtipp ist Marialy Pacheco längst nicht mehr. Vor zwei Jahren hat sie den Piano-Wettbewerb beim renommierten Jazz-Festival in Montreux gewonnen. Als erste Frau überhaupt. Nicht erst seitdem ist die gebürtige Kubanerin ein gern gehörter (und gesehener) Gast auf den Jazz-Bühnen dieser Welt. Ein hinreißendes Konzert gab die 31-Jährige am Samstagabend bei den Tasten Tagen im fast ausverkauften Zehntstadel in Leipheim. Zu hören waren vor allem Stücke ihrer neuen CD „Introducing“.

Marialy Pacheco scheint ein kommunikativer Mensch zu sein. „Ich rede gern“, bekannte sie. Manchen im Zehntstadel waren ihre Erzählungen ein bisschen zu ausufernd. Andere genossen es, zwischen den atemberaubenden Stücken ein wenig Luft zu schöpfen. Keine zwei Meinungen dürfte es über die herausragende Klasse der schon in jungen Jahren vielfach preisgekrönten Pianistin, Komponistin und Arrangeurin gegeben haben.

Die musikalischen Wurzeln der in Havanna geborenen Pianistin sind unüberhörbar. Doch Marialy Pacheco geht weit über die karibischen Rhythmen ihrer Heimat hinaus. Virtuos verbindet sie vor allem in Eigenkompositionen wie „Cuban Suite“ traditionelle kubanische (Tanz-)Lieder mit den unterschiedlichsten Spielarten des Jazz.

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Seit fast zehn Jahren lebt Marialy Pacheco in Deutschland. Mit einer Unterbrechung von drei Jahren, die sie in Brisbane in Australien verbracht hat. Dort hat sie das Album „Songs that I love“ aufgenommen. Eines ihrer Lieblingsstücke ist „The way you look tonight“, das schon von Größen wie Herbie Hancock, Keith Jarrett oder Oscar Peterson interpretiert wurde. Wie in Leip-heim zu hören – die 31-Jährige muss keine Vergleiche scheuen. In vielen ihrer Lieder erzählt die Pianistin ganz persönliche Geschichten. Etwa in „Cambodian Smiles“. Arme und doch stets lächelnde Kinder hat Marialy Pacheco bei einer Reise in Kambodscha getroffen. In ihrem Lied kommt diese Mischung aus Melancholie und Fröhlichkeit ganz trefflich zum Ausdruck.

Marialy Pacheco ist eine musikalische Grenzgängerin. Simon and Garfunkels „Sounds of Silence“ interpretiert sie als traumhaft improvisierten Blues, eine Stecknadel hätte man fallen hören können bei ihrer brillanten Version des Schlafliedes „Guten Abend, gut’ Nacht“ von Johannes Brahms.

Nicht nur das Publikum, auch große Kollegen sind längst auf die junge Jazz-Pianistin aufmerksam geworden. Ihre neue CD „Introducing“ hat sie mit Rhani Krija, unter anderem Schlagzeuger von Sting, und Joo Kraus, dem mit einem „Echo Jazz“ ausgezeichneten deutschen Trompeter, eingespielt.

Klar, dass das Leipheimer Publikum die auch mit Charme und Witz überzeugende Künstlerin nicht ohne Zugaben von der Bühne entlassen wollte. Es war aber auch ein Abend zum Dahinschmelzen.

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