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Kreis Günzburg

28.03.2017

Zurück in die Zukunft mit dem G9

Es gibt viele Wege zum Abitur. Im Gymnasium wird er künftig wohl wieder grundsätzlich länger. Die Reaktionen im Landkreis auf diese Entscheidung von CSU-Fraktion und Staatsregierung fallen positiv aus – auch wenn noch längst nicht alle Details bekannt sind.
Bild: Tobias Kleinschmidt/dpa

Die grundsätzliche Entscheidung ist gefallen: Das neunjährige Gymnasium wird in Bayern bald wieder die Regel sein. Das stößt auf allgemeine Zustimmung.

Ab dem übernächsten Schuljahr sollen Gymnasiasten wieder nach neun Jahren ihr Abitur ablegen. Darauf einigten sich am Samstag Vertreter von Staatsregierung und CSU-Fraktion. Am 5. April soll, wie berichtet, die endgültige Entscheidung fallen. Den langjährigen Diskussionen um G8 und G9 in Bayern scheint damit vorerst ein Ende gesetzt. Wie bewerten Vertreter von Gymnasien, Verbänden und Behörden in der Region die geplante Rückkehr zum G9?

Die stellvertretende Schulleiterin des Günzburger Dossenberger-Gymnasiums Iris Jamnitzky zeigt sich in einer ersten Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung erleichtert. „Wir sind froh, dass eine eindeutige Entscheidung gefallen ist und es zu einer einheitlichen Lösung kommt.“ Denn sowohl der Vorschlag, G8 und G9 an einer Schule parallel laufen zu lassen, als auch die Idee, die Entscheidung über die Schuldauer der jeweiligen Schule zu überlassen, hätten zu organisatorischen Schwierigkeiten geführt.

Am Dossenberger-Gymnasium sieht man noch mehr positive Punkte. Iris Jamnitzky hebt vor allem die Entwicklung der Schüler hervor: „Die Schüler haben bei neun Jahren einfach mehr Zeit, in ihrer Persönlichkeit zu reifen. Beim ersten Doppeljahrgang G8/G9 hat man das eine Jahr schon gemerkt. Gerade bei Fragen wie der nach der Berufswahl ist mehr Zeit sehr hilfreich.“ Jamnitzky zufolge kann die Wiedereinführung des G9 aber auch den Lehrern etwas bringen. Sie rechnet mit kompakteren Stundenplänen.

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Am Dossenberger-Gymnasium will man weiterhin einen umfangreichen Wahlunterricht am Nachmittag anbieten. „Wenn der reguläre Unterricht am Nachmittag in Zukunft reduziert wird, können dieses Angebot wieder mehr Schüler wahrnehmen“, erklärt Jamnitzky.

Die Vielfalt ist wichtig

Claudia Haas ist als Lehrerin an der Mittelschule Ichenhausen tätig. Vor allem aber ist sie Beratungsdirektorin am Schulamt in Günzburg. Da hat sie auch mit Gymnasiasten und deren Eltern zu tun. Haas betont die Vielfalt, die wichtig sei. Nicht für jeden ist das Gymnasium die richtige Schulart. Eltern wünschten das Beste für ihre Kinder und viele setzten dabei nach wie vor das Abitur mit „dem Besten“ gleich. Vielfalt am Gymnasium bedeutet für Haas, entsprechend begabten und leistungsfähigen Schülern auch in Zukunft das „Turbogymnasium“ mit acht Schuljahren zu ermöglichen.

Einer der wenigen Schulleiter, die prüfen wollten, ob sich für diese Schüler eine „Überholspur“ einrichten lässt, ist Norbert Rehfuß. „Das macht aber nur Sinn, wenn es klassentauglich ist“, sagt der Leiter des Krumbacher Simpert-Kraemer-Gymnasiums. Allerdings registriert Rehfuß einen „massiven Trend“ zur sogenannten Mittelstufe plus. Ein derzeit an 47 Pilotschulen in Bayern getestetes Modell, bei dem den G-8-Schülern bereits jetzt ein zusätzliches Jahr nach der 9. Jahrgangsstufe gewährt wird.

Rehfuß glaubt nicht, dass „jetzt, nachdem der Damm gebrochen ist“, noch viele die Schulzeit freiwillig verkürzen wollen. Dennoch will er die Möglichkeit an seiner Schule anbieten, sofern eine entsprechende Nachfrage vorhanden ist. „Die Entscheidung liegt bei den Eltern“, sagt Rehfuß. Mit dem G9 steigt seiner Meinung nach aber auch wieder der Bedarf an Lehrkräften. Nicht unmittelbar, mittelfristig rechnet er jedoch damit, dass in Krumbach etwa 1,5 zusätzliche Stellen benötigt werden. „Jetzt schicken wir die guten Bewerber weg und irgendwann kommen wir wieder an den Punkt, da wird dann wieder jeder genommen, der irgendwie das Examen bestanden hat“, kritisiert Rehfuß die bisherige Einstellungspraxis. „Da wär’s schon schön, wenn ein bisschen vorausgedacht werden würde. Auch im Sinne der jungen Kollegen.“

Mehr Zeit für die politische Bildung

Grundsätzlich zufrieden mit der Entscheidung zeigt sich der Günzburger Gymnasiallehrer Johannes Heindl, der Bezirksfachgruppenleiter für Geschichte und Sozialkunde im Philologenverband ist. Der Verband vertritt unter anderem die Interessen der Lehrer an Gymnasien. Bereits im Jahr 2013 sei die eindeutige Position des Philologenverbands bei der Hauptversammlung in Amberg beschlossen worden: Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. „Jetzt müssen wir aber erst noch schauen, wie das alles ausgestaltet wird“, sagt Heindl. „Es darf nicht sein, dass der Eindruck erweckt wird, das G8 wird einfach um ein Jahr gestreckt.“

Das Fach Sozialkunde, das er selbst unterrichtet, nimmt der Lehrer als Beispiel her. In den zehnten Klassen gebe es in sprachlichen und naturwissenschaftlichen Zweigen der Gymnasien im Augenblick gerade mal eine Schulstunde (45 Minuten) in der Woche für diese politische Bildung in der Schule. Das bedeute um die 30 Schulstunden im Jahr. „Und dann sollen wir etwas zum Staatsaufbau Deutschlands, Grundrechten, Menschenrechten und zu aktuellen politischen Ereignissen sagen. Das ist die Quadratur des Kreises.“

Gut gerüstet für die Wiederkehr des G9

Mehr Zeit zum Lernen und Vertiefen begrüßt auch Georg Gerhardt, Schulleiter des Ursberger Ringeisen-Gymnasiums. „Vor allem auf dem Land haben die Eltern das favorisiert und für die geistige Reife der Schüler ist das Jahr mehr sehr viel wert“, sagt er. Der erneuten Umstellung sieht er gelassen entgegen und verspricht: „Wir werden das im Sinne der Schüler umsetzen.“ Sowohl was die Ausstattung mit Räumen als auch mit Personal betrifft, sieht er seine Schule für die Wiederkehr des G9 gut gerüstet.

Positiv haben auch die Schulleiter des Maria-Ward-Gymnasiums in Günzburg und des St.-Thomas-Gymnasiums in Wettenhausen, Christian Hörtrich und Andreas Eberle, die Entscheidung aus München aufgenommen. „Das war immer eine große Frage bei allen Anmeldeveranstaltungen für die fünfte Klasse, die wir bislang nicht beantworten konnten“, sagt Hörtrich. Jetzt komme es aber darauf an, wie das neue G9 ausgestaltet werden soll – etwa in der elften Jahrgangsstufe oder mit der „Überholspur“ für Schüler, die bereits in acht Jahren ihr Abitur schaffen.

Eberle fügt hinzu, dass er die „klare Entscheidung“ für gut und richtig hält. Sonst hätte man den Schulen vor Ort mit der Wahlmöglichkeit zwischen dem acht- und neunjährigen Gymnasium den Schwarzen Peter in die Schuhe geschoben.

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