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Wettenhausen

04.09.2015

Zuwachs im Kloster

Priorin Schwester Amanda (Zweite von rechts) begrüßt drei neue Schwestern im Kloster Wettenhausen (von links): Schwester Lucia, Schwester Theresia und Schwester Mechthild.
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Priorin Schwester Amanda (Zweite von rechts) begrüßt drei neue Schwestern im Kloster Wettenhausen (von links): Schwester Lucia, Schwester Theresia und Schwester Mechthild.
Bild: Manuela Bauer

Drei Schwestern sind aus dem Bistum Speyer nach Wettenhausen gezogen. Wie sie das Leben in der Gemeinschaft und der Gemeinde bereichern wollen.

Schwester Amanda ist sich sicher: „Der liebe Gott hat unsere Gebete erhört.“ Auch wenn seine Wege manchmal etwas anders verlaufen, als die Menschen sich das vorstellen. „Wir haben vor allem um Investitionen für unser Kloster gebetet“, erzählt die Priorin aus Wettenhausen. Jetzt haben die Schwestern kein Geld, sondern Menschen bekommen – „aber das ist ja auch eine Investition“, sagt Schwester Amanda. Und der Weg der drei Frauen ins Kammeltal verlief eigentlich ziemlich gerade. Und vor allem schnell.

Es war ein Samstag im März, als im Kloster Wettenhausen das Telefon läutete. Am Ende der Leitung meldete sich der Ordensreferent der Diözese Augsburg, Ulrich Lindl, und erklärte Schwester Amanda, dass er zu Besuch kommen werde. Wenige Stunden später stand er vor der Tür – mit drei Schwestern. Die Priorin führte die Gäste durchs Kloster. Und sie sahen, dass hier viel Platz war, im dritten Stock, im Refektorium (dem Speisesaal) und in der Kapelle. Am Ende des Rundgangs lüftete Lindl das Geheimnis: Die drei Schwestern würden gerne hierherziehen.

Der gleiche Samstag, einige Stunden vorher. In Maria Rosenberg, einem Wallfahrtsort in der Diözese Speyer, griff Schwester Theresia zum Telefonhörer und rief beim Ordensreferenten der Diözese Augsburg an. „Wir wussten, dass es dort auch Dominikanerinnen gibt“, sagt Schwester Theresia. Weil sie in ihrem Kloster nur zu dritt waren, hätten sie schon länger den Wunsch gehabt, sich mit anderen Klosterfrauen „zusammenzuschließen“. Pfarrer Lindl lud sie sofort ein. Die drei Schwestern stiegen ins Auto und waren ein paar Stunden später in Wettenhausen.

Die Dominikanerinnen haben sich sofort verstanden – und seit gut drei Wochen leben sie nun hier: Sr. Theresia Mende (60), Sr. Lucia Goncalves des Quadros (49) und Sr. Mechthild Steiner (30). In den vergangenen fünf Jahren haben sie zusammen in Maria Rosenberg gelebt, einem geistlichen Zentrum des Bistums Speyer. Die Frauen haben Glaubenskurse und Exerzitien geleitet, mit Kommunionkindern und Firmlingen gearbeitet und Wallfahrer betreut. Nun haben sie das Kloster dort aufgegeben und sind zu dritt nach Wettenhausen gekommen.

Zwölf Klosterfrauen sind sie nun – „wie die Apostel“, sagt Priorin Amanda und lächelt. „Und das im Jubiläumsjahr!“ In Spitzenzeiten der 150-jährigen Geschichte lebten hier mehr als 100 Schwestern, doch in den vergangenen Jahrzehnten sind sie immer weniger geworden. Das letzte Mal kam 1990 eine Frau zur Gemeinschaft – aber die ist nicht geblieben. Schwester Amanda ist ehrlich: „Wir haben über Jahre erfahren, wie das Haus immer leerer wird. Das ist eine traurige Angelegenheit.“ Ein Großteil der Frauen sei früher in der angrenzenden Schule und dem Heim tätig gewesen, sie seien immer mit jungen Leuten zusammen gewesen. Doch das Kloster blieb ohne Nachwuchs. Das muss ein ähnliches Gefühl sein wie für Paare, die kinderlos bleiben, sagt die Priorin.

Umso mehr freut sich die 75-Jährige, dass sie nun Zuwachs bekommen haben. Und die „Neuen“ fühlen sich schon richtig wohl. Weil im August auch viele Klosterfrauen im Urlaub sind, hatten sie gleich viel zu tun: im Garten, in der Küche, an der Pforte, im Chor. „Wir waren von Anfang an nicht nur Zuschauer“, sagt Schwester Theresia. „Wir wurden sehr herzlich empfangen und haben uns schnell eingefunden.“ Man merke eben, dass sie alle dem gleichen Orden angehören.

Doch die Schwestern wollen sich nicht hinter den Klostermauern verstecken. In diesen Tagen beginnen sie mit ihrer Arbeit. Schwester Lucia wird als Gemeindereferentin in der Pfarreiengemeinschaft arbeiten, Schwester Theresia im Institut für Neuevangelisierung und im Schulwerk der Diözese Augsburg. Und am St.-Thomas-Gymnasium wird endlich wieder eine Dominikanerin unterrichten: Schwester Mechthild ist Mathelehrerin.

Es könnte übrigens gut sein, dass Wettenhausen bald noch mal Zuwachs bekommt: Zwei junge Frauen aus Sri Lanka wollen als Kandidatinnen ins Kloster kommen. Die Rosenberger Schwestern haben sie über einen befreundeten Pater kennengelernt und sie auch schon in ihrer Heimat getroffen. „Sie haben einen sehr guten Eindruck gemacht“, sagt Schwester Mechthild. „Ihnen geht es wirklich ums Ordensleben.“ Den Antrag fürs Visum haben die beiden Frauen schon gestellt. Hoffentlich dauert es nicht mehr so lang, bis es genehmigt wird, sagt Schwester Lucia. Denn wenn es kalt ist und die Bäume kahl sind, dann ist Ankommen in Deutschland besonders schwer. Das weiß die Brasilianerin, die seit 1991 in Deutschland lebt, aus Erfahrung.

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