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Kötz

06.07.2020

Zwei marode Kötzer Brücken nicht zu retten: Was bedeutet das für Verkehr?

Bei vielen Brücken über den Taubriedgraben südlich von Großkötz besteht Handlungsbedarf. Hier ist die Bausubstanz so schlecht, dass der Fachmann einen Neubau empfiehlt und als Sofortmaßnahme eine Tonnagebeschränkung vorschlägt.
Bild: Irmgard Lorenz

Plus In Großkötz werden 13 Brücken untersucht, nicht alle sind in akzeptablem Zustand. Welche Maßnahmen ein Experte an den Bauwerken vorschlägt und wie teuer sie sind.

13 Brücken hat Wenzel Kahrmann auf Großkötzer Gemarkung untersucht und die meisten davon in „relativ akzeptablem Zustand“ gefunden, wie er dem Bauausschuss sagte. Bei vier Brücken aber sieht der Diplom-Ingenieur vom Büro Hartinger Consult dringenden Handlungsbedarf, wie er in der Sitzung des Bauausschusses sagte. Zwei dieser Problemfälle lohnen nach seiner Einschätzung eine Instandsetzung nicht mehr. Setzt die Gemeinde die von Kahrmann für die nächsten beiden Jahre vorgeschlagenen Reparaturmaßnahmen um, kostet das grob geschätzt 64.000 Euro. Viel teurer wird es, wenn ein Neubau nötig ist. Den empfiehlt der Fachmann für mindestens zwei, eventuell für vier der untersuchten Brücken.

Das könnte die Gemeinde dann insgesamt etwa 390.000 Euro kosten. Problematisch sind laut Kahrmann vor allem die Brücke am Mühlweg über den Taubriedgraben und eine Feldwegbrücke nicht weit davon am Taubriedgraben im Günztal bei Großkötz. Bei der Brücke am Mühlweg hat sich ein Flügel vom Widerlager gelöst, es gibt Unterspülungen direkt unter dem Widerlager und eine Bewehrung ist schon durchgerostet, es gibt Hohlstellen. Hartinger-Geschäftsführer Markus Seitz sagte dazu in der Sitzung des Kötzer Bauausschusses: „Es ist Gefahr im Verzug“, Gründung und Überbau seien „marode“, eine Instandsetzung lohne sich da nicht mehr.

Für den Neubau wurden grob geschätzt 90.000 Euro genannt. Dann dürfe man mit 80 Jahren Haltbarkeit für den Überbau und 100 Jahren für den Unterbau rechnen. Als Sofortmaßnahme riet der Fachmann, das Maximalgewicht von Fahrzeugen auf der Brücke auf drei Tonnen zu begrenzen und eine provisorische Absturzsicherung anzubringen. Abbruch und Neubau sollten mittelfristig, bis 2026, erfolgen.

Zeugnis für eine Kötzer Brücke: "Der Beton ist in sehr schlechtem Zustand"

Auch beim zweiten Problemfall, der Feldwegbrücke über den Taubriedgraben etwas weitersüdlich, hat sich ein Flügel komplett vom Widerlager gelöst. „Der Beton ist in sehr schlechtem Zustand“, sagte Kahrmann und empfahl, weil die Bausubstanz sehr schlecht sei, einen Neubau mit Spundwänden und einer Platte obendrauf.

Technisch und wirtschaftlich sei das nach Meinung des Experten die sinnvollste Lösung, erfuhren die Mitglieder des Bauausschusses. Schätzkosten für den Neubau: 100.000 Euro. Kahrmann riet, die Brücke für Fahrzeuge über drei Tonnen zu sperren und auch hier eine provisorische Absturzsicherung anzubringen.

Dieses Geländer am westlichen Steg über den Kötzbach in Großkötz ist laut Experten nicht sicher.
Bild: Irmgard Lorenz

Vor die Wahl zwischen Instandsetzung (jeweils mit etwa 20.000 Euro grob veranschlagt) und Neubau (jeweils etwa 100.000 Euro) sahen sich die Mitglieder des Bauausschusses bei zwei weiteren Feldwegbrücken über den Taubriedgraben südlich von Großkötz gestellt. Bei beiden Bauwerken muss auf jeden Fall ein Geländer als Absturzsicherung montiert werden – egal ob die Entscheidung Abbruch oder Instandsetzung heißt.

Bei anderen Brücken reichen kleinere Reparaturen

Kleinere Maßnahmen reichen bei vielen anderen Brücken, die der Ingenieur in und rund um Großkötz begutachtet hat. Beim etwa 8, 5 Meter langen Durchlass am Taubriedgraben südlich von Großkötz genügt es, den Bewuchs zurückzuschneiden und eine Schutzplanke zu reparieren. Bei der Brücke am Hasenzeiter sind Fugen zu erneuern, das Geländer mit Korrosionsschutz zu versehen und eine Kette mit Schloss vom Handlauf zu entfernen. Anlandungen unter der Brücke müssen dort ebenfalls entfernt werden.

Bei der Brücke über den Bubesheimer Bach südlich der Kreisstraße GZ5 sollten unter anderem zusätzliche Pfosten für die Schutzplanken eingebaut und die Böschungen mit Flusssteinen in Beton gesichert werden. Beim Durchlass am Bubesheimer Bach westlich von Großkötz stellte Kahrmann eine gerissene Schweißnaht fest und bemängelte, dass ein Baum „das Bauwerk kaputt macht“.

Es gibt keine Geländerpfosten mehr an der Brücke zum Mühlweg.
Bild: Irmgard Lorenz

Der westliche Steg über den Kötzbach in Großkötz braucht ein höheres Geländer, dazu Füllstäbe oder eine Gitterfüllung, damit niemand durch das Gitter in den Bach fallen kann. Bei seinen Untersuchungen vor Ort habe er erfahren, dass an dieser Stelle tatsächlich schon Stürze in den Bach passiert seien – allerdings nicht vom Steg aus, berichtete Kahrmann.

Die Tonnage soll beschränkt werden

Zu tun gibt es auch am östlichen Steg über den Kötzbach in Großkötz, wo der Ingenieur bei seiner Untersuchung im Mai Lochfraß an Geländerpfosten feststellte. In diesem Fall müsse man schon fast von „Fahrlässigkeit“ sprechen, sagte Markus Seitz.

Nachdem Wenzel Kahrmann im Bauausschuss die Untersuchungsergebnisse der 13 Brücken in und um Großkötz vorgestellt hatte, kam im Gremium die Frage auf, ob es denn in den Ortsteilen Kleinkötz und Ebersbach keine Brücken gebe. Man habe die zu untersuchenden Bauwerke aus den alle sechs Jahre vorgeschriebenen Brückenhauptuntersuchungen der vergangenen Jahre entnommen, sagte Bürgermeisterin Sabine Ertle und bat die Gemeinderäte, der Verwaltung eventuell in den anderen Ortsteilen vorhandene weitere Brückenbauwerke zu nennen, damit auch diese untersucht werden können.

Die Mitglieder des Bauausschusses nahmen die vorliegenden Untersuchungsergebnisse zur Kenntnis und beschlossen einstimmig, die von Kahrmann empfohlenen Tonnagebeschränkungen für die Brücke am Mühlweg über den Taubriedgraben und für eine Feldwegbrücke am Taubriedgraben zu realisieren.

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