Eine „außergewöhnliche“ Sitzung sei das gewesen, sagt Walter Oberdorfer wenige Tage nach der Entscheidung, auf die eine Gruppe von Eltern in Leipheim lange gewartet hatte. Regelrecht „bemerkenswert“ sei diese Einigung des Stadtrats. „Bemerkenswert insofern, als dass es zwischen allen einen Konsens gab.“ Dass sich der SPD-Fraktionsvorsitzende über eine im Grunde recht simple Abstimmung in dem Leipheimer Gremium so positiv äußert, dürfte mit der Vorgeschichte rund um die Krippe „Sonnenschein“ zusammenhängen. Noch in der vorherigen Sitzung nämlich hatte es im Stadtrat, wie berichtet, eine teils hitzige Debatte darum gegeben, ob das damals festgesetzte Aus zum 1. Februar nicht zu kurzfristig war. Danach schob die Verwaltung die Zusammenlegung mit der Kita „Raupe Nimmersatt“ vorerst auf. Nun gibt es tatsächlich einen Beschluss, in dem ein fixes Datum festgehalten ist. Und auch in anderer Hinsicht war die Sitzung eher ungewöhnlich.
Nach Auskunft von Bürgermeister Christian Konrad (CSU) sprachen sich die Rätinnen und Räte dafür aus, den Betrieb der Krippe „Sonnenschein“ zum 1. März einzustellen. Damit kommt das Aus einen Monat später als ursprünglich geplant. Konrad zufolge standen auch eine Schließung zum 1. April und ein Weiterbetrieb bis zum Ende des Kindergartenjahres im Juli zur Debatte. Doch selbst Stadträte, die sich zuvor noch für einen längeren Betrieb ausgesprochen hatten – etwa Fraktionsmitglieder der UWG –, stimmten jetzt für den 1. März. Das Votum fiel damit sogar einstimmig aus, wie mehrere Anwesende auf Nachfrage bestätigten.
Leipheimer Kinderkrippe „Sonnenschein“ schließt zum 1. März
UWG-Stadtrat Horst Galgenmüller, der an der relativ kurzfristig anberaumten Sitzung selbst nicht teilnahm, sagt am Telefon, seine Fraktionskollegen hätten ihre Meinung vor allem nach den Ausführungen der Eltern geändert. Sie durften bei dem jüngsten Treffen nämlich ihre Sicht der Dinge schildern. Das ist keine Selbstverständlichkeit, bei den Beratungen im Januar etwa hatte eine aufgebrachte Mutter sprechen wollen, aber kein Rederecht bekommen. In der Geschäftsordnung des Stadtrates ist festgehalten, dass Zuhörenden das Wort nicht erteilt werden kann.
In der jüngsten Sitzung aber bekamen die Eltern die Gelegenheit, vor allem ihre Kritik an der Kommunikation vonseiten der Stadt zu äußern. Hintergrund ist, dass sie die Verwaltung erst zwei Wochen vor der damals geplanten Schließung zum 1. Februar informiert hatte. Dennoch sprachen sich die Eltern jetzt dafür aus, schnellstmöglich einen klaren Schnitt zu machen und mit ihren Kindern zum 1. März zu wechseln (in der Kita „Raupe“ gibt es laut Stadtverwaltung für alle Buben und Mädchen einen Platz). Selbst einen Weiterbetrieb bis zum 1. April, also zumindest einen Monat länger, lehnten die Familien ab. Der 1. April sei deshalb problematisch, weil danach gleich die Osterferien begännen, erklärt eine Mutter unserer Redaktion.
Leipheims Zweiter Bürgermeister kritisiert Schließung von Kita „Sonnenschein“
Die Stadt will die Kita „Sonnenschein“ nach nur einem halben Jahr deshalb wieder aufgeben, um Kosten zu sparen. Vor diesem Hintergrund zeigt sich Bürgermeister Konrad auf Nachfrage erleichtert, dass es jetzt ein festgezurrtes Datum gibt. „Wir haben einen guten Kompromiss gefunden“, ist er sich sicher. „Da können, glaube ich, alle damit leben.“ Anders sieht das sein Stellvertreter Horst Galgenmüller. Galgenmüller, der auch Referent für Kindertagesstätten ist, sagt im Nachgang, er sei mit dem Beschluss „nicht zufrieden“. Er hätte die Krippe gerne bis zum Ende des Kindergartenjahres geöffnet gelassen. Erst dann lägen valide Zahlen vor, wie viele Plätze ab September wieder gebraucht werden, betont der UWG-Politiker. „Wir wissen nicht, ob dann zum neuen Kindergartenjahr womöglich eine neue Gruppe geöffnet werden muss.“
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