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Günzburg
11.05.2022

Sie ist Pflegekraft aus Leidenschaft - auch nach fast 40 Jahren

Iris Zimmermann arbeitet als systemische Therapeutin bei „PIA intensiv“ , das zu einem ambulanten Angebot der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am BKH Günzburg gehört. Sie ist viel unterwegs und hat stets ihren Rucksack dabei, in dem sich unter anderem auch ein Stethoskop befindet.
Foto: Georg Schalk, Bezirkskliniken Schwaben

Iris Zimmermann arbeitet seit 1983 im Bezirkskrankenhaus Günzburg. Am internationalen Tag der Pflege erzählt sie, warum sie den Beruf liebt und was sie erlebt hat.

Es gibt sie noch: Pflegekräfte, die sich voller Empathie und Leidenschaft jeden Tag um Menschen kümmern, denen es nicht gut geht und die krank sind. Und es sind deutlich mehr, als mancher aufgrund der negativen Berichte und Aussagen zu diesem Berufsstand vermuten würde. Iris Zimmermann gehört dazu, seit fast 40 Jahren ist sie Gesundheits- und Krankenpflegerin im Bezirkskrankenhaus Günzburg und sagt auch nach dieser langen Zeitspanne: „Ich mache meinen Beruf gerne, gehe jeden Tag gerne zur Arbeit.“ Jetzt jährt sich wieder der internationale Tag der Pflege und die 55-Jährige erzählt, wie sie zu ihrem Beruf kam und was sie daran so fasziniert.

Etwa 4500 Mitarbeitende gibt es bei den Bezirkskliniken Schwaben; konzernweit sind es sogar um die 5000. Der Großteil arbeitet in der Pflege. Iris Zimmermann ist eine von ihnen, 55 Jahre alt, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und arbeitet seit 1983 im BKH. Sie hat dort gelernt und ihr Examen gemacht, sich fort- und weitergebildet und ist inzwischen als systemische Therapeutin bei „PIA intensiv“ (früher „Home Treatment“) tätig, das zu einem ambulanten Angebot der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik gehört. PIA ist die Abkürzung für Psychiatrische Institutsambulanz. „PIA intensiv ist Akutbehandlung zuhause“, beschreibt sie das Modell, das es am BKH seit 2005 gibt.

Täglich fahren Teams des BKH zu den Patienten nach Hause

Die Teams - Ärzte, Pflegekräfte und Mitarbeiter des Sozialdienstes - fahren täglich zu den Patientinnen und Patienten nach Hause und behandeln sie dort. Jeder Patient wird zwei- bis dreimal pro Woche, bei Bedarf auch öfter besucht. „Ich halte das für eine sehr gute Sache. Unsere Erfahrungen und die Reaktionen von Patienten und Angehörigen sind sehr positiv“, sagt Iris Zimmermann.

Die sportliche Frau ist eine Pflegekraft mit Leib und Seele, sie wollte schon immer Krankenschwester werden. Geboren in Leipheim, absolvierte sie im nahe gelegenen Günzburg im BKH ein Praktikum – auf einer geschlossenen Männerstation. Heute würde man die Abteilung „Forensische Nachsorge“ bezeichnen. „Ich kam frisch von der Mädchenschule auf diese Station: Das war schon ein bisschen befremdlich“, erzählt sie. Damals gab es riesige Schlafsäle, mit großen, schweren Schlüsseln wurden die Türen zur Station auf- und zugeschlossen.

1987 lernte Iris Zimmermann Krankenpfleger Gerd kennen, der ihr Mann wurde

Als junge Frau wurde sie damals zum ersten Mal von einem Patienten körperlich angegangen. Dass sie dieses Erlebnis gut abfangen konnte, habe sie ihren Kollegen zu verdanken. Sie hätten sich fürsorglich um sie gekümmert. Im Frühjahr 1984 begann sie in der Berufsfachschule für Pflege des BKH eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin, die sie 1987 mit dem Examen abschloss. Es folgten Tätigkeiten auf einer Bettenstation in der Günzburger Neurochirurgie und danach als Dritte Stationsleiterin auf einer Station, auf der schwerpunktmäßig Menschen mit Depressionen behandelt wurden.

Einschneidend für ihr weiteres Leben war das Jahr 1987: Iris Zimmermann lernte ihren späteren Mann Gerd kennen, einen Krankenpfleger, der zu dieser Zeit in der Psychiatrie arbeitete. Heute ist er in der Anästhesie der Neurochirurgie tätig. 1993 bekamen die beiden einen Sohn, ein gutes Jahr später eine Tochter. Beruflich stieg sie später wieder auf der Station ein, auf der sie vorher gewesen war. Seit die Kinder aus dem Haus sind, arbeitet sie wieder in Vollzeit.

Corona-Bonus war "eine nette Geste"

Was sie davon hält, dass in der Zeit der Corona-Pandemie Pflegekräfte deutschland- und europaweit für ihre Arbeit beklatscht wurden? „Sicher eine nette Geste, genauso wie der Corona-Bonus des Staates für Pflegekräfte. Meine Berufssparte braucht aber mehr Nachhaltigkeit und dringend frische Kräfte“, sagt Iris Zimmermann. Schon vor über zehn Jahren sei der Begriff „Pflegenotstand“ durch die Medien gegeistert. Geändert habe sich aber nicht viel. Ihren Beruf liebt sie nach wie vor – trotz der stark gestiegenen Bürokratie. „Ich arbeite einfach unglaublich gerne mit Menschen." (AZ)

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