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Landkreis Günzburg: Wirtschaft bleibt trotz Krisen stabil aufgestellt

Landkreis Günzburg

Arbeitsmarkt, Tourismus, Wirtschaft: Wie geht's dem Landkreis?

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    Die Industrie ist nur eines der Standbeine der Wirtschaft im Landkreis Günzburg. Ein Faktor dafür, dass die wirtschaftliche Lage in der Region stabiler ist als anderswo.
    Die Industrie ist nur eines der Standbeine der Wirtschaft im Landkreis Günzburg. Ein Faktor dafür, dass die wirtschaftliche Lage in der Region stabiler ist als anderswo. Foto: Sven Hoppe, dpa (Symbolbild)

    Krieg im Iran, Streik bei der Lufthansa und im ÖPNV, der Wahlsieg von Péter Magyar in Ungarn: Die Nachrichten haben sich in den vergangenen Tagen wieder überschlagen. Und sie wirken sich auch auf den Landkreis Günzburg spürbar aus. „Es gibt kein weltweites Phänomen mehr, das uns nicht betrifft“, sagt Landrat Hans Reichhart. Doch wie verkraftet der Landkreis all diese Krisen, Kriege und Ereignisse? Einige Antworten darauf lieferte die letzte Sitzung des Wirtschafts- und Strukturbeirats des Landkreises in der aktuellen Legislaturperiode.

    Grundsätzlich habe der Landkreis einen großen Vorteil: Mit der Ausrichtung auf mehrere Standbeine – Handwerk und Industrie, Soziales und Medizin sowie Dienstleistungen und Tourismus ist die Region aus Sicht des Landrats breit aufgestellt. So ist momentan die Lage in den verschiedenen Sektoren.

    Arbeitsmarkt: Von der guten Mischung im Landkreis profitiert der Arbeitsmarkt, ist Norbert Gehring von der Agentur für Arbeit Donauwörth überzeugt. Unter den 401 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland habe der Landkreis Günzburg die elf-niedrigste Arbeitslosenquote, aktuell sind es 2,9 Prozent. Damit liegt die Region unter dem Durchschnitt des Agenturbezirks Donauwörth (3,0 Prozent), unter dem bayerischen Schnitt von 4,2 Prozent und deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 6,4 Prozent. Allerdings sind auch im Landkreis die Arbeitslosenzahlen gestiegen. Aktuell sind 2276 Menschen ohne Arbeit, im Vorjahr waren es um diese Zeit noch 2022, eine Steigerung von 12,6 Prozent. Dem gegenüber steht ein Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen, der sich auf gleichbleibend hohem Niveau bewegt: 1125 sind es aktuell. 57.181 Menschen im Landkreis hatten im September 2025 einen sozialversicherungspflichtigen Job, etwa ein Drittel davon im verarbeitenden Gewerbe. Dieser Bereich hat allerdings auch mit 465 Stellen die meisten verloren. Zuwächse gab es dagegen bei Erziehung und Unterricht (172 neue Stellen), im Gastgewerbe mit 106 neuen Stellen und im Baugewerbe mit 100 neuen Stellen. Eine große Herausforderung sieht Gehring bei der Altersstruktur: 2025 waren 24,3 Prozent der Beschäftigten 55 Jahre und älter, sie werden in den kommenden zehn Jahren in Rente gehen. „Gleichzeitig sinkt der Anteil der Jungen, die nachkommen“, erklärt Gehring. Damit werde es zunehmend schwerer werden, Fachkräftestellen zu besetzen.

    Neuheiten wie der größte Lego-Store Deutschlands liefern Anreize für den Tourismus im Landkreis Günzburg.
    Neuheiten wie der größte Lego-Store Deutschlands liefern Anreize für den Tourismus im Landkreis Günzburg. Foto: Alexander Kaya

    Tourismus: Seit der Eröffnung von Legoland vor 24 Jahren hat dieser Bereich eine gewaltige Entwicklung hingelegt, wie Axel Egermann, der Geschäftsführer des Regionalmarketings Günzburg berichtet: Zwischen 2002 und 2025 verzeichnete der Landkreis einen Zuwachs bei den Übernachtungen von 244 Prozent. Zum Vergleich: im Landkreis Dillingen waren es 4,6 Prozent mehr, im Kreis Neu-Ulm 114 Prozent. Im Unterallgäu sank dagegen in diesem Zeitraum die Zahl der Übernachtungen um 5,2 Prozent. „Aktuell sind die Übernachtungszahlen im Landkreis seit Corona wieder auf einem stabilen Niveau“, so Egermann. Auffällig sei der Zuwachs bei den Übernachtungen in den Wintermonaten, seitdem Legoland auch eine regelmäßige Winteröffnung anbietet. „Ankündigungen wie der neue Harry-Potter-Bereich, der in den kommenden Jahren gebaut werden soll, die Eröffnung von Deutschlands größten Lego-Store oder die Landesgartenschau 2029 in Günzburg liefern immer neue Anreize“, sagt Egermann. Dabei will nicht nur der Freizeitparkbetreiber selbst investieren. „Uns erreichen immer wieder Anfragen zu Investitionen im Hotelbereich.“

    Wirtschaft: Die IHK erkennt bei der Zusammensetzung der Betriebe im Landkreis eine klare Entwicklung weg vom produzierenden Gewerbe. Das sei an sich noch kein Alarmsignal, so Regionalgeschäftsführer Oliver Stipar, aber ein Grund, genauer hinzuschauen. Dabei mache die sich rasant verändernde weltpolitische Lage Prognosen schwer. „Unsere jüngste Konjunkturumfrage ist vermutlich schon überholt, bevor wir sie auswerten können.“ Denn die jüngste Ergebung fand noch vor dem Beginn des Kriegs im Iran statt. Doch auch vor dem Angriff hatten die Unternehmen mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die sie selbst nicht steuern können: Die Umsetzung der angekündigten Strukturreformen bleibt aus, die Inlandsnachfrage lässt nach und enorme Arbeitskosten sorgen für Nachteile im Wettbewerb. Insolvenzen kleiner und mittelständischer Betriebe fänden oft kaum bemerkt statt. „Ganz vielen fehlen einfach die Nachfolger“, so Stipar.

    Im Handwerk im Landkreis sei das Gott sei Dank etwas anders, so Ulrike Ufken. Hier seien fast keine Insolvenzen zu verzeichnen. Dennoch: „Wir sehen, dass der Schwung, den wir erwartet haben, so nicht eingetroffen ist.“ Was den Betrieben zu schaffen macht, ist das Fehlen neuer Aufträge: Quer über alle Branchen leidet fast jeder dritte Betrieb unter ausbleibenden Neuaufträgen. Die Konjunkturumfrage der Handwerkskammer für Schwaben zeigt aber auch: 83 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre wirtschaftliche Lage als gut oder befriedigend.

    Landwirtschaft: Der globale Wettbewerb macht den Landwirten im Landkreis schwer zu schaffen, wie Kreisobmann Stephan Bissinger an den Preisen für Kartoffeln und Weizen an den Börsen verdeutlichte: „Das geht mehrfach am Tag rauf und wieder runter.“ Gleichzeitig macht etwa das EU-Mercosur-Abkommen den Landwirten Kopfzerbrechen. „Wir müssten zu anderen Standards produzieren, die einfach nicht konkurrenzfähig sind.“ Betriebe könnten zwar durch Digitalisierung und Innovation einiges ausgleichen, um mit der internationalen Konkurrenz mithalten zu können. „Aber auf Dauer reicht das nicht.“ Belastende Faktoren seien zudem ausufernde Kosten, Flächenkonkurrenz mit Industrie und Infrastruktur, zunehmende Bürokratie und immer höher werdende Standards etwa bei Pflanzenschutz und Düngung. Angesichts der Krisenherde der Welt werde immer wieder vergessen, wie wichtig die Landwirtschaft sei: „Die Versorgungssicherheit im Land ist sicher mindestens so relevant wie die Verteidigungssicherheit.“

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