Ferienbetreuung im Landkreis Günzburg gestartet: Kosten, Angebote, Kritik
Landkreis Günzburg
Ferieninseln im Landkreis Günzburg starten: Wie viel Betreuung für welches Geld möglich ist
Die Kommunen im Landkreis haben eine neue Ferienbetreuung für Grundschulkinder ins Leben gerufen. Doch nicht alle sind von dem Konzept überzeugt. Was dahintersteckt.
Künftig Ferien in der Grundschule verbringen? Das sieht das neue Ferienprogramm vor.Foto: Ronny Hartmann, dpa (Symbolbild)
Ferienzeit ist Stresszeit: Viele Eltern verzweifeln schier, wenn sie Arbeit und ganztägige Kindesbetreuung unter einen Hut bringen müssen, ihre Urlaubstage jedoch längst nicht ausreichen. Zumindest für Eltern von Erstklässlern soll es künftig einfacher werden. Ab den Herbstferien haben sie Anspruch auf eine ganztägige Betreuung, die von den Kommunen organisiert wird. Bis 2030 wird dieser Anspruch sukzessive auf alle Grundschulkinder ausgeweitet. Im Landkreis Günzburg haben sich die Kommunen zusammengetan und sogenannte Ferieninseln organisiert. Wie diese organisiert sind und wo es noch Probleme gibt.
Der Ausbau der Ferienbetreuung geht auf ein Gesetz zurück, welches vom Bundestag beschlossen wurde. Ab den Herbstferien haben Erstklässler einen Anspruch auf Ferienbetreuung, mindestens zehn Wochen pro Jahr. Damit nicht jede einzelne Gemeinde ein eigenes Angebot zur Ferienbetreuung schaffen muss, wurde im Landkreis Günzburg eine Zweckvereinbarung gegründet. Das Jugendamt hilft bei der Umsetzung.
Im Landkreis Günzburg wurden in Burgau, Krumbach, Günzburg, Ichenhausen und Thannhausen Ferieninseln eingerichtet
Konkret wurden sogenannte Ferieninseln in Burgau, Krumbach, Günzburg, Ichenhausen und Thannhausen eingerichtet. Diese werden von verschiedenen Trägern geleitet. Die Kommunen zahlen Sockelbeiträge an die Trägerstädte für den entstandenen Aufwand, wie für die Bereitstellung der Räumlichkeiten.
„Insel bedeutet nicht einsam und verlassen, sondern eine zentrale Stelle“, erklärt Matthias Kiermasz, Leiter des Jugendamts Günzburg. Sinn des Konzepts sei, eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung anzubieten. „Wir verwahren das Kind nicht, wir betreuen es.“
Schwerpunktmäßig sollen die Schülerinnen und Schüler in den Grundschulen betreut werden
Die Ferienbetreuung wird in den Grundschulen stattfinden, in der Ferieninsel Günzburg im Wechsel mit den Räumlichkeiten der aktuellen Mittagsbetreuung in Leipheim. Das Jugendamt begründet den Schritt damit, dass dort die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist. Vor Ort sollen Gruppen mit etwa 20 Kindern gebildet werden, die von zwei Fachkräften betreut werden. Laut Jugendamtsleiter stehen Naturerfahrungen, Basteln, Sport und Bewegung sowie Austausch mit Gleichaltrigen bei den Konzepten im Vordergrund.
Zudem werden regelmäßige Ausflüge stattfinden, unterstützt von Ehrenamtlichen. „Das soll Freizeit sein und vor allem Spaß machen“, sagt Kiermasz. „Es ist nicht Schule und soll es auch nicht sein.“ Die Ferieninseln werden das bisherige Angebot von Vereinen und privaten Anbietern nicht ersetzen, sondern erweitern. Pflicht besteht keine. „Die Kinder müssen nicht hin, die können ganz normal Ferien machen“, erklärt Anja Ebermayer von der Stabstelle Jugend, Familie und Bildung.
In Burgau kostet das Ferienangebot 25 Euro pro Tag und Kind
Ein Beispiel: In Burgau übernimmt der Träger Pro Arbeit die Betreuung. 25 Euro kostet das Ferienangebot pro Tag und Kind laut Website. Wer direkt eine Woche bucht, zahlt 100 Euro. Ein Mittagessen ist nicht enthalten. Für größere Ausflüge fallen zudem bis zu zehn euro Zusatzkosten an. Die tatsächlichen Kosten hängen von der Kommune ab. Diese können sich entschließen, die Ferienbetreuung zu bezuschussen. Deswegen sind die tatsächlichen Betreuungskosten vom Wohnort abhängig.
Zu teuer sei das alles, monierten einige Mitglieder des Burgauer Stadtrats in der vergangenen Sitzung. Noch deutlicher wurde Ramona Nahorni-Vogg von den Grünen. „Das Angebot ist so maximal unattraktiv, dass es niemand annehmen will“, sagt sie. „Ponyhof oder Fußballcamp machen mehr Spaß und sind billiger.“
Die Ferieninseln ernten auch Kritik: Zu teuer und zu frühe Anmeldefristen
Ein weiteres Problem der Ferieninseln ist die frühe Anmeldefrist. Um einen rechtlichen Anspruch auf einen Platz in der Ferienbetreuung zu haben, muss eine Anmeldung bis zum 30. April des Vorjahrs erfolgt sein. „Das geht an der Lebenswirklichkeit vorbei“, sagt auch Kiermasz vom Jugendamt. Für die Träger bedeute es wiederum Planungssicherheit. Spätere Anmeldungen seien natürlich möglich, nur bestehe dann eben kein rechtlicher Anspruch mehr.
Entsprechend knapp war die Zustimmung im Burgauer Stadtrat: elf Personen stimmten dafür, acht dagegen. Wie das Angebot der Ferieninseln im Landkreis angenommen werden wird, wird sich noch zeigen. „Wir gehen aber davon aus, dass die Anmeldezahlen mit der Zeit steigen werden“, sagt der Jugendamtsleiter.
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