Rettungsdienst mit Armbrust bedroht: So geht das Rote Kreuz mit Ausnahmesituationen um
Burgau
Rettungsdienst mit Armbrust bedroht: „Nicht alltäglich, dass es für uns um Leben und Tod geht“
Rettungskräfte wollen in Unterknöringen einem Mann helfen – und werden plötzlich mit einer Armbrust bedroht. Der Vorfall beschäftigt die Einsatzkräfte noch Tage später.
Armbrüste werden heutzutage vorwiegend als Sportgerät genutzt. Immer wieder kommt es jedoch zu Vorfällen, wie am Samstag in Unterknöringen.Foto: glomex
Mit der Armbrust bedroht werden, während man einem gestürzten Menschen helfen möchte. Genau das ist Rettungskräften des Bayerischen Roten Kreuz (BRK) am Samstagmorgen passiert. Gegen 4.30 Uhr fuhren fünf Einsatzkräfte, eine davon in Ausbildung, nach Unterknöringen, einem Stadtteil von Burgau, um einen gestürzten Patienten zu versorgen.
Für die Einsatzkräfte des Roten Kreuzes gibt es verschiedene Hilfsangebote
Dennoch sei solch ein Vorfall für die Rettungskräfte vom BRK nichts Alltägliches, wie Donderer erklärt. Zwar gebe es immer wieder Gewalt gegenüber Einsatzkräften, diese sei immerhin oft nur verbal. „Es ist nicht alltäglich, dass es für uns um Leben und Tod geht“, sagt der Rettungsdienstleiter des BRK. „Hoffentlich war es ein einmaliger Ausreißer.“
Für die Einsatzkräfte gibt es verschiedene Hilfsangebote, an die sie sich im Nachhinein wenden können. In jedem Kreisverband gebe es Fachpersonal, mit dem man sprechen könne, erklärt der BRK-Rettungsdienstleiter. „Man will jedoch nicht immer mit den direkten Kollegen darüber reden.“ Dafür gibt es eine anonyme Nummer und eine schwabenweite Hilfsstelle. „Oftmals hilft es schon viel, wenn man solche Vorfälle im kleinen Rahmen in der Schicht nachbespricht.“ Das sei auch in diesem Fall passiert.
Auch die Feuerwehr hat immer wieder mit Anfeindungen zu kämpfen
Zudem können sich Einsatzkräfte nach solchen Vorfällen freistellen lassen. Laut Donderer werde diese Möglichkeit jedoch nur selten genutzt. Für solche Angriffe auf Rettungskräfte sieht er eine Verrohung in der Gesellschaft als Hauptgrund. „Man kommt mit einer rollenden Intensivstation, ist freundlich und top ausgebildet, macht das Menschenmöglichste, und dann wird man mit der Waffe bedroht.“
Auch die Feuerwehr wird immer wieder bei Einsätzen beleidigt oder angegangen. Kreisbrandmeister Stefan Müller ist von den Hergängen in Unterknöringen schockiert. „Da ist die rote Linie mehr als überschritten, wenn Rettungskräfte mit einer Waffe bedroht werden“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Dinger sind lebensgefährlich und der Besitz sollte verboten werden.“ Armbrüste gelten zwar rechtlich als Schusswaffen, jedoch bedarf es für den Erwerb und Besitz keiner Erlaubnis.
Der Armbrustträger in Unterknöringen konnte festgenommen werden
Müller könne nach eigener Aussage jeden verstehen, der oder die nach so einem Vorfall mit dem Ehrenamt aufhören will. Für den Kreisbrandmeister spielt es dabei auch keine Rolle, ob es bei der Feuerwehr, beim Rettungsdienst oder beim THW passiert. „Wieso sollte man es sich das auf Dauer antun, wenn man im ehrenamtlichen Einsatz um sein Leben fürchten muss?“, fragt er. Auf lange Sicht leide darunter dann die gesamte Gesellschaft, wenn sich niemand mehr im Ehrenamt engagiert.
In Unterknöringen hatte die Situation ein glimpfliches Ende. Die Rettungskräfte des BRK forderten mehrere Streifenbesatzungen an. Die Beamten nahmen den Mann fest und brachten ihn in ein Krankenhaus. Dabei stellten sie auch die Armbrust sicher. Gegen den 31-Jährigen leiteten die Polizeikräfte ein Strafverfahren ein. Weitere Informationen zum genauen Hergang möchten Polizei und Rettungsdienst aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit nicht herausgeben.
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