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Spionage, Informanten und Meisterdiebe: Die Bibertaler Maibaumräuber

Bibertal/Pfaffenhofen

„Pfaffenhofen war gut, aber wir waren besser“: Bibertaler Maibaumräuber schlagen wieder zu

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    Die Landjugend Bibertal bei einem ihrer nächtlichen Streifzüge.
    Die Landjugend Bibertal bei einem ihrer nächtlichen Streifzüge. Foto: Landjugend Bibertal

    Es ist mitten in der Nacht. Und die 40 Frauen und Männer haben ein Problem. Das Tor ist zu, sie und ihr Diebesgut in Überlänge kommen nicht raus. Schließlich findet einer einen Knopf, der das Tor von innen öffnet. Das Schwierigste ist geschafft, jetzt noch den Baum zum Ortsausgang tragen, dort wartet der Bulldog. 42 Minuten hat der Raubzug gedauert: vom Start im Bibertal bis zum Ortsschild vom Markt Pfaffenhofen an der Roth im Landkreis Neu-Ulm. Jetzt beginnen die Auslöseverhandlungen.

    Sechs Maibäume hat die Landjugend Bibertal im vergangenen Jahr gestohlen. Und auch in diesem Jahr sind sie bereits fleißig unterwegs. Zunächst in Leipheim, dann war Pfaffenhofen an der Reihe. Die Bäume werden teils gut versteckt und streng bewacht.

    Maibäume werden oft in Bauhöfen, Feuerwehrhäusern oder Bauernhöfen gelagert

    Deswegen verbringen Patrick und seine beiden Kollegen viele Stunden damit, die umliegenden Gemeinden abzufahren und auszuspähen. Sie sind die planerischen Köpfe hinter den Raubzügen. Ihre vollen Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen. Zunächst müssen die drei herausfinden, wo der Baum gelagert sei, typischerweise in Bauhöfen, Feuerwehrhäusern oder Bauernhöfen. „Teilweise weiß man es von vergangenen Jahren, manchmal verraten es Freunde oder Bekannte“, sagt Patrick.

    Dann geht die Spionagearbeit los: Wo sind die Bäume versteckt? Welches Werkzeug wird benötigt? Gibt es Alarmanlagen und Kameras? Was können Nachbarn beobachten? Wie ist der Baum gesichert? Wie kommen wir an ihn ran?

    Die Landjugend Bibertal verbringt viele Stunden mit der Planung und Organisation

    Etwa acht Stunden benötigen sie für einen Raubzug: für die Spionage und Planung, die Organisation der Helferinnen und Helfer und schließlich den eigentlichen Maibaumdiebstahl. „Man braucht schon ein paar kluge Köpfe“, erklärt Patrick und lacht. Vor Ort müsse man meistens trotzdem unter Zeitdruck improvisieren, wie etwa mit dem verschlossenen Tor.

    In Pfaffenhofen war zudem der Maibaum in drei Metern Höhe gelagert. „Den mussten wir erst einmal runterbringen und im Hof drehen“, sagt Patrick. Den genauen Ort, an dem der Maibaum versteckt war, will die Landjugend nicht nennen. Nur so viel: Pfaffenhofen war einer der schwierigeren Diebstähle. „Pfaffenhofen war gut, aber wir waren besser“, sagt der Bibertaler.

    Eigentlich begehen sie Hausfriedensbruch, Einbruch und bandenmäßiger Diebstahl

    Von außen betrachtet begehen die Männer und Frauen Hausfriedensbruch, Einbruch und bandenmäßiger Diebstahl: keine Kavaliersdelikte. „Solange nichts kaputtgeht oder etwas beschädigt wird, fällt das unter Brauchtumspflege“, erklärt Patrick. Entsprechend würde die Polizei nicht ermitteln.

    Damit ihnen nicht der eigene Maibaum gestohlen wird, haben sie ihn gut versteckt. Die Landjugend Bibertal ist ein Zusammenschluss Jugendlicher aus verschiedenen Gemeindeteilen, somit ist der Verwahrungsort schwer zu erraten. Damit er nicht so leicht gestohlen werden kann, haben sie schweres Gerät auf den Baum gestellt. Am Wochenende halten die Bibertaler zudem Nachtwache. „Leider stirbt der Brauch mehr und mehr aus“, sagt Patrick. Zwar gebe es in der Region noch ein paar andere Gruppen, es werde jedoch weniger. „Wir wollen nicht, dass es vergessen wird.“

    Die Auslöse ist ein fester Bestandteil der Maibaum-Tradition

    Wird ein Maibaum geklaut, muss dieser auch ausgelöst werden, damit ihn die Eigentümer zurückbekommen. Für den Pfaffenhofener Baum sind die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. Die Landjugend Bibertal fordert zwei Leberkässemmeln und zwei Bier pro Helferin und Helfer. „Jeder, der geholfen hat, soll einen schönen Abend haben“, sagt Patrick. Bei rund 40 Helfern kommt dennoch einiges zusammen.

    Zwar steige der Preis für die Auslöse, wenn der Diebstahl kurz vor der Maibaumweihe stattfindet. Aber es sollte im Rahmen bleiben und nicht unverschämt werden, erklären die planerischen Köpfe der Diebstahlserie. „Da stehen das Brauchtum und die Gaudi im Vordergrund“, sagt der Bibertaler.

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