Selbstversuch

15.05.2019

Auf den Spuren von Georg Egger

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3 Bilder
Das Lächeln gequält, die Hand an der Bremse: Der Eggerwald war unserem Autor nicht so ganz geheuer. Mountainbiker Georg Egger schaut genau hin.

Mit dem deutschen Vizemeister geht unser Autor auf eine Mountainbike-Tour. Schon die Ausrüstung macht Probleme. Der Endgegner wartet aber nicht im Eggerwald

Der Erdboden im Eggerwald nahe Obergessertshausen hat durchaus seine Vorzüge. Fichtennadeln und Laub vom Vorjahr machen ihn schön weich – ideal für Stürze. Das zumindest stelle ich fest, als ich mich zum fünften Mal aufrappele und zu Georg Egger hinüberblicke. Der steht wenige Meter entfernt auf sein Mountainbike gestützt und schaut mir mit einer Mischung aus Mitleid und Belustigung dabei zu, wie ich mein Rad für einen sechsten Versuch an einem der Hindernisse vorbei den Berg hinaufschiebe. Wer nun denkt, ich sei bei einem besonders spektakulären Sprung gestürzt, der irrt aber. Schuld sind diese vermaledeiten Klickpedale.

Aber von vorne: Als ich Georg Egger – immerhin deutscher Vizemeister und einer der besten Mountainbiker des Landes – frage, ob er mir für einen Selbstversuch seinen Sport näherbringen würde, ist er sofort an Bord. Der Treffpunkt: eine Halle südwestlich von Obergessertshausen. Sie war vor einigen Wochen noch Hauptquartier für ein internationales Mountainbike-Rennen, organisiert vom MSC Wiesenbach. Jetzt parken darin landwirtschaftliche Maschinen. Draußen lädt Georg Egger zwei Mountainbikes aus seinem weißen Van. „Du bekommst eins vom letzten Jahr“, erklärt der 24-Jährige und stellt mir ein schwarzes Bike mit giftgrüner Aufschrift vor die Füße. Es besteht hauptsächlich aus Carbonfaser und wiegt weniger als zehn Kilogramm. Drei davon bekomme er jedes Jahr von seinem Team, erzählt Egger. Jedes hat einen Wert von 5000 bis 6000 Euro. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.

Egger mustert Jeans und Sweatjacke, die ich trage: „Brauchst du auch Klamotten von mir?“ Als ich Zweifel äußere, dass ich als Schreibtischtäter in das Rennoutfit eines muskelbepackten Profisportlers passe, schiebt er hinterher: „Das ist ziemlich elastisch.“ Sehr witzig. Ich greife stattdessen zu den Schuhen, die er mir hinhält. An der Sohle ist eine Metallplatte befestigt, die im Pedal einrastet. So wird die Antriebskraft der Beine besser genutzt. Um den Fuß wieder zu lösen, muss er seitlich weggedreht werden. Eine erste Probefahrt zeigt: ziemlich gewöhnungsbedürftig. Auch die vornübergebeugte Haltung ist ungewohnt.

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Dann geht es los Richtung Eggerwald. Über Jahre haben die Eggers dort einen anspruchsvollen Parcours aufgebaut – eigentlich nichts für einen blutigen Anfänger. Trotzdem möchte ich mich zumindest an einem Hindernis versuchen. Eine Holzrampe hoch, über eine Palette und dann wieder bergab. Das klappt ganz gut. Leider folgt direkt eine 180-Grad-Kehre, die ich mir eher nicht zutraue. Also bremsen. Ich bekomme die Füße nicht vom Pedal und lande auf dem besagten Waldboden. Ob ich dabei nicht auch noch lächeln und in die Kamera schauen könnte, fragt der Kollege. Der hat gut reden. Ich halte mich an einem Baum fest, um wieder in die Pedale zu kommen. Nach sechs Versuchen passen die Fotos.

Danach geht es erst richtig los. Die nächsten Hindernisse umfahre ich, doch wenn es – Zitat Egger – „ein bissl steil“ wird, schliddere ich eher den Hang hinunter, immer darauf bedacht, den mit roter Farbe markierten Baumstümpfen auszuweichen. Als der „Trail“ zwischen zwei kaum einen Meter voneinander entfernt stehenden Bäumen hindurchführt und es dann auch noch steil bergauf geht, muss ich absteigen und schieben. Für Georg Egger ist die Strecke kein Problem. Er kennt hier jede Kurve, jeden Baum. Zum Trainieren komme er nur selten in den Wald. „Ich fahre hier viel mit dem Rennrad und mache Krafttraining. Andere Trails gibt es in der Region leider nur wenige.“ Der Obergessertshauser muss fit sein, am kommenden Wochenende beginnt der Weltcup mit dem Rennen im württembergischen Albstadt.

Fitness suche ich bei mir vergeblich. Wir haben mittlerweile den Wald verlassen und fahren über Wald- und Feldwege um Obergessertshausen herum. Nun merke ich, dass eine Tasse Kaffee und eine kleine Portion Müsli vielleicht nicht das beste Frühstück für diese Unternehmung waren. Selbst die vermeintlich leichtere Strecke wird zunehmend anstrengender. Wurzeln und Unebenheiten bringen mich immer wieder aus dem Rhythmus, bergauf schalte ich in den niedrigsten Gang. Ich werde immer schweigsamer und versuche, an dem vor mir fahrenden Profi dranzubleiben. So fühlt sich also mein fünf Jahre alter Sohn, wenn er mit mir eine Radtour macht.

Jede Passage, die es bergab geht, ist eine Wohltat. Mein Gewichtsvorteil bringt mich dann wieder an meinen Lehrer heran. „Das liegt bestimmt an meinem Rad. Das knarzt ganz schön“, versucht mich Egger zu trösten, als mir auf den letzten Metern endgültig die Puste ausgeht. Auch wenn er lügt, es baut mich doch auf. Ich kämpfe mich über die letzten Meter zurück zur Halle.

Während Egger keinen einzigen Schweißtropfen vergossen hat, bin ich völlig am Ende. Immerhin, so denke ich mir, habe ich das Ganze ohne Verletzung überstanden. Und auch das mit den Klickpedalen hat am Ende ganz gut funktioniert.

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