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Futsal

13.01.2019

Der Hallenfußball feiert in Günzburg seine Renaissance

Die Nummer eins in Schwaben ist der FC Gundelfingen: Der favorisierte Landesligist setzte sich souverän durch und vertritt nun die schwäbischen Farben bei den bayerischen Titelkämpfen am 26. Januar in Stadtbergen.
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Die Nummer eins in Schwaben ist der FC Gundelfingen: Der favorisierte Landesligist setzte sich souverän durch und vertritt nun die schwäbischen Farben bei den bayerischen Titelkämpfen am 26. Januar in Stadtbergen.
Bild: Ernst Mayer

Die sechste Schwaben-Endrunde nach modernen Regeln wird zum Fan-Fest. Doch ist die Talsohle bereits durchschritten?

So viel Fan-Fest gab es im schwäbischen Hallenfußball schon lange nicht mehr. Freudetrunken lagen sich die bunt gekleideten und heiser geschrienen Fangruppen aus allen Regionen des Bezirks im Foyer der Rebayhalle Günzburg in den Armen. Drinnen feierten die Kicker des FC Gundelfingen und die Fußballerinnen des TSV Schwaben Augsburg ausgelassen ihre Bezirks-Titel. Mittendrin standen die Verbandsmitarbeiter und Sponsoren der 40. schwäbischen Meisterschaft im Hallenfußball mit glänzenden Augen und freuten sich, jeder auf seine Weise, über die unverhoffte Auferstehung des Spektakels. Keiner der gut 1000 Augenzeugen, darin waren sich alle einig, konnte nach diesem rundum gelungenen Futsal-Tag weiterhin die bis zum Überdruss schöngeredeten „alten“ Hallenfußball-Tage herbeisehnen.

Entsprechend gelöst kommentierten die Funktionäre das Erlebte. Der erstmals als Bezirks-Spielleiter verantwortliche Rainer Zeiser fasste seine Gefühle so zusammen: „Gute Spiele, überragende Kulisse und super Stimmung, weil fast alle Zuschauer bis zum Endspiel geblieben sind. Das macht mir Hoffnung, dass das Ganze wieder aufwärtsgeht.“ Auch Karl Dirr präsentierte sich in lange nicht erlebter Hochstimmung. „Wenn ich da rechts und links auf die Tribüne schaue – das ist eine Wonne, das zeigt einfach, dass die Sache lebt“, bemerkte der Abteilungsleiter des Turnier-Gastgebers SC Bubesheim.

Auf die Frage, ob der Negativ-Trend im Hallenfußball bereits beendet sei (ein Jahr zuvor, am historischen Tiefpunkt, hatten die Titelkämpfe nach Futsal-Regeln nur 700 Fans nach Günzburg gelockt), hielten sich die Hallenfußball-Freunde im Verband aber noch zurück. „Ich hoffe, dass wir langsam aus der Talsohle kommen“, sagte etwa der Bezirksvorsitzende Johann Wagner.

Schicker Fußball, wenig Spannung

Fußballerisch war das Turnier tatsächlich schick, aufgrund der Dominanz der Favoriten aber sportlich wenig aufregend. Die Außenseiter brachten dafür in die Rebayhalle mit, was in der Futsal-Vergangenheit oft genug gefehlt hatte: Party-Atmosphäre. Stimmgewaltig und farbenfroh präsentierten sich die Fans, dankbar und bescheiden verfolgten sie Erfolge und Misserfolge der Ihren. Der Spaß kam nicht zu kurz. So ermunterte der Halbfinal-Einzug seiner Mannschaft den früheren Holzkircher Trainer Stefan Fischer gar zum Griff nach den Sternen. Als nämlich ein neu angekommener Besucher fragte, gegen wen sein Team nun anzutreten habe, sprudelte Fischer los: „Bayern München, Real Madrid oder FC Gundelfingen – scheißegal.“

Es waren die Gundelfinger. Und die spielten den ganzen langen Turniertag lang, wie es ein Favorit eben tut, ruhig, abgeklärt und kaltschnäuzig. Den Holzkirchern half nicht mal das frenetische „Die Nummer eins im Ries sind wir“ von der Tribüne, der Landesligist war einfach eine Klasse besser. Das andere Halbfinale bot phasenweise überaus sehenswerten Fußball und ein paar Gefühlsausbrüche, die unterstrichen, wie ernsthaft beide Kontrahenten um den Einzug ins Endspiel kämpften. Am Ende musste das Sechsmeterschießen entscheiden, und Meitingen stand im Finale. Das Endspiel war dann von Beginn an eine klare Angelegenheit. Gundelfingen setzte wie im gesamten Turnierverlauf auf Ballbesitz-Fußball und effektive Chancenverwertung. Dasselbe Bild bot das Turnier der Frauen. Titelverteidiger Schwaben Augsburg besitzt bei Weitem nicht mehr das Team vergangener Jahre, doch auf schwäbischer Hallenfußball-Ebene langte es einigermaßen locker zum Sieg.

Fröhlich, freundlich und hilfsbereit präsentierte sich unterdessen das seit Jahren eingespielte Organisationsteam des SC Bubesheim. Zwei unter den etwa 80 freiwilligen Helfern waren der 45-jährige Stefan Sauter und Can Karabök, 23. Sie hatten zunächst einen undankbaren Job: Ab 10 Uhr erwarteten die beiden die Gäste auf dem Parkplatz. Was die Sache einigermaßen angenehm machte, schilderte Sauter so: „Die Leute sind alle freundlich und gut gelaunt. Vor allem die Fanbusse waren voller Stimmung.“ Wenn nur die winterliche Kälte nicht gewesen wäre. Doch dagegen konnte er sich wappnen. Das Erfolgsrezept: „Gescheite Schuhe, gescheite Unterwäsche, eine Mütze und ab und zu mal einen Kaffee.“

„Verein ist wie eine Familie“

Nach zweieinhalb Stunden Außendienst hatten die beiden nicht etwa Feierabend. Flugs streiften sie gelbe Ordner-Leibchen über und begaben sich in die Halle. Probleme mit den Zuschauern gab’s auch hier keine. Karaböks Job war es vor allem, die Fluchtwege freizuhalten. Ihm hat gefallen, dass beinahe alle Leute einfach nur „Klar, freilich“, antworteten, wenn er sie bat, ein Stückchen zu rutschen. Auf die Frage, ob sie samstags nichts Besseres zu tun hätten als im Namen des Vereins ehrenamtlich zu arbeiten, antwortete Karabök, Spieler der zweiten Mannschaft des SC Bubesheim: „Für den Verein machen wir alles. Das ist wie eine Familie.“

Lesen Sie hier das Interview mit dem BFV-Präsidenten: "Alle Argumente sprechen für Futsal"

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