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Handball

06.09.2018

„Der Star ist die Mannschaft“

Startet sehr zuversichtlich in seine erste Bundesliga-Spielzeit als Coach der Günzburger A-Jugendhandballer: Sandro Jooß.
Bild: Christian Kirstges

Sandro Jooß ist Trainer der A-Jugend im VfL Günzburg. Was ihn an der Aufgabe reizt und warum das Team in der neuen Runde besser abschneiden sollte als zuletzt.

Sie haben das Team ja bereits im Frühjahr kennengelernt, waren für die Bundesliga-Qualifikationsrunde und aktuell für die Vorbereitung verantwortlich. Wo liegen aus Trainer-Sicht Unterschiede im Umgang mit sehr guten Jugendlichen und mit Erwachsenen, Herr Jooß?

Jooß:

Gewisse organisatorische Dinge muss man in der Jugend mehr steuern. Junge Spieler brauchen von Trainerseite eine klarere Linie als eine Erwachsenen-Mannschaft. Das Tolle ist aber, dass man in einer A-Jugend noch mal eine richtig starke Entwicklung sieht. Bei älteren Spielern im Männerbereich ist das meist etwas schwieriger.

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Wie lief denn der Formaufbau für die Spielzeit? Sind Sie zufrieden mit den Jungs?

Jooß:

Wir haben im Vergleich zur Qualifikation noch mal einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Wir sind sehr gut eingespielt, das war in der Qualifikation noch ein Problem. Durch die Vorbereitungszeit hatten wir eine Trainingsbeteiligung nahe 100 Prozent. Personell stehen wir gut da. Nur Torhüter Niko Henke wird zu Beginn nicht dabei sein, weil er eine Meniskusverletzung hat.

Günzburg ist in der Bundesliga ein kleiner Fisch unter den großen Haien. In der Tabelle reichte es bisher auch nie zu Gipfelstürmen. Die Begeisterung vor Ort trübte das zwar nicht spürbar, aber Gewinnen wäre trotzdem schöner als Verlieren, oder?

Jooß:

Ich habe nur den Vergleich zur zurückliegenden Saison. Ich glaube, dass unser Kader in der Breite und Tiefe konkurrenzfähiger ist und der VfL Günzburg zwei bis drei Plätze besser abschneiden könnte als damals. Ich glaube auch, dass wir eine realistische Chance haben, es jedem anderen extrem schwer zu machen, uns zu schlagen. Vielleicht mit Ausnahme der besten zwei oder drei Mannschaften – im Sport ist an einem guten Tag aber immer alles möglich.

Los geht’s am 9. September (Anspiel ist um 17 Uhr) mit der Hausaufgabe gegen JANO Filder. Am 15. des Monats geht’s für Ihr Team dann zur HSG Konstanz, am 23. zu TuS Schutterwald. Ihr Kommentar zum Auftaktprogramm?

Jooß:

Mit JANO Filder haben wir ein dankbares Heimspiel zum Start erwischt, da das wie wir eine Mannschaft ist, die sich im zweiten Tabellenfeld ansiedeln wird. Das Konstanz-Spiel wird schon problematisch. Da fehlen uns Trainer und Spieler. Wir haben beim Gastgeber angefragt, ob man das verlegen könnte, aber die Konstanzer haben gesagt, sie hätten keinen Ausweich-Termin. Hm. Schutterwald war in der Qualifikation schon ein schwerer Brocken, das wird hoffentlich auch in der Bundesliga auf Augenhöhe ablaufen. Kurz: Es hätte uns schlimmer treffen können.

Neben Günzburg hat’s aus südbayerischer Sicht lediglich die Handballakademie Bayern in die Bundesliga geschafft, ein vereinsunabhängiger Zusammenschluss mit Spielort in München. Wie sehen Sie das Produkt Fusionsverein oder Spielgemeinschaft – das es ja auch in anderen Sportarten, zum Beispiel im Fußball, gibt – grundsätzlich?

Jooß:

Das kommt darauf an, aus welcher Sicht man das beurteilt. Aus leistungssportlicher Sicht ist das sicher gut, weil es zu Konzentration führt und letztlich wirklich die Besten gegen die Besten spielen. Für die kleinen Vereine aber ist das schade. Ich komme ja aus einer SG. Dort ist einer der beiden Stammvereine nach dem Zusammenschluss anteilmäßig deutlich geringer geworden, was die Mitgliederanzahl angeht.

Im Februar hatten Sie in einem Zeitungsinterview gesagt, Sie würden nach Ihrem Rückzug aus der HSG Herbrechtingen-Bolheim gerne eine Handballtrainer-Pause einlegen. Im Mai waren Sie dann bei den Günzburgern. Wie kam es zu dieser schnellen Kurskorrektur?

Jooß:

19 Jahre am Stück als Trainer im Heimatverein mit zuletzt zwei Jahren Abstiegskampf pur waren Stress. Ich wollte eigentlich wirklich nichts machen. Nur habe ich es als Handballverrückter nicht lange ausgehalten, auch nachdem ich gesehen hatte, welche Lust am Handball die aktuelle A-Jugend des VfL an den Tag legt, ebenso wie das Umfeld.

Nach unseren Informationen coachen Sie die A-Jugend gleichberechtigt mit Stephan Hofmeister.

Jooß:

Das stimmt. Wir teilen uns die Trainingsarbeit, sprechen Inhalte miteinander ab. Ein A-Jugend-Bundesligateam allein zu machen wäre auch sehr an der Grenze. In der Vorbereitung sind das sechs bis acht Einheiten pro Woche, ich habe einen Beruf mit 45 Stunden und ich möchte auch genug Zeit mit meiner Freundin verbringen können.

Was hat Sie denn letztlich so schnell überzeugt, nach Günzburg zu kommen?

Jooß:

Was mir gut gefällt, ist die idealistische Art, die im Verein herrscht. Dass jeder mithilft, wenn es etwas zu tun gibt. Die Günzburger machen es wegen der Sache – das sagt mir sehr zu. Das ist auch das kleine Geheimnis, warum man diesen Erfolg hat. Der Slogan „Wir arbeiten hart für unseren Erfolg“ stimmt hier wirklich.

Ihr Spieler Frieder Bandlow stand bereits im Kader der U18-Nationalmannschaft. Wie ist die aktuelle Entwicklung bei ihm?

Jooß:

Seit ich hier bin, war er bei keinem weiteren Lehrgang. Er ist aber erst Jahrgang 2001. In der Summe gibt’s nicht so viele Linkshänder, die auf hohem Niveau dasselbe können. Es haben ihn wohl auch schon einige gute Vereine auf dem Zettel.

Ist ein solcher Spieler ein Zugpferd für junge Himmelsstürmer, die mit einem Wechsel zum VfL liebäugeln?

Jooß:

Absolut. Wir hatten in Herbrechtingen zwei sehr gute Spieler aus dem 2000er-Jahrgang. Von denen und allen anderen leistungsorientierten Jugendlichen in der Umgebung wird auf jeden Fall wahrgenommen, dass hier so herausragende Handballer spielen. Da würde ich auch Devin Ugur dazu nehmen. Der kommt aus Ichenhausen, war in den Internaten in Großwallstadt und Erlangen und ist jetzt wieder zurück.

Gibt’s weitere Stars in Ihrem Team – oder sagen wir Spieler, die etwas besser sind als andere?

Jooß:

Der Star ist die Mannschaft. Aber Johannes Rosenberger auf halblinks, Louis Dück am Kreis, Ugur als Rückraummitte und Bandlow auf halbrechts – das ist schon unsere Achse. Meine Philsophie ist: Die Mannschaft lebt von der Breite. Wenn auch der 14. Spieler eine gewisse Qualität hat, macht das in Summe mehr aus. Es gibt sicher Leistungsträger, die auch Verantwortung übernehmen müssen. Aber wer letztlich den Ball reinwirft, ist wurscht. Das sehen auch die vier genannten Spieler so. Da gibt’s keinen, der zum Egotrip neigt – auch das habe ich in der Vergangenheit schon anders erlebt.

Und Sie selbst? Wie würden Sie sich als Mensch und als Trainer charakterisieren?

Jooß:

Ich bin ein sehr bodenständiger Mensch. Ich glaube, dass ich auch deshalb hier beim VfL Günzburg gut reinpasse, weil für mich der Handball im Vordergrund steht. Ich möchte die Spieler in ihrer Sportart und auch charakterlich so entwickeln, dass sie eine gewisse Reife erlangen.

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