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Bayernliga

27.11.2017

Ein letzter Triumph der Handball-Archäologie

Ja! Triumphierend reißt der Günzburger Trainer Stephan Hofmeister die Arme in die Luft. Dank eines formidablen Endspurts hat sein Team das Bayernliga-Heimspiel gegen Unterhaching gewonnen.
Bild: Ernst Mayer

Hofmeisters Zettelwirtschaft greift während einer Auszeit, die das verloren geglaubte Spiel wendet. Anschließend legt Günzburg eine 10:1-Tore-Serie hin.

Keinen Günzburger Zuschauer hielt es nach diesem begeisternden, unglaublichen Spiel auf seinem Sitz. Dank einer Energieleistung hat der VfL Günzburg ein schon verloren geglaubtes Heimspiel 30:27 (16:18) gewonnen, Tabellenplatz drei in der Handball-Bayernliga verteidigt. Gut 17 Minuten davor waren die Weinroten gegen den TSV Unterhaching schier aussichtslos 20:26 zurückgelegen. Nichts wollte gelingen. Anschließend ließ ein entfesselt kämpfendes Team nur noch einen weiteren Gegentreffer zu. Der Rest war eine bebende Party in der alt-ehrwürdigen Rebayhalle.

Die Unterhachinger wirkten wie immer top eingestellt. Ein Geheimnis ihres Erfolgs in dieser Runde ist eine von TSV-Trainer Christian G. Sorger speziell entwickelte Software zur Spielanalyse. Gleich heute wird sie auch Günzburgs Trainer Trainer Hofmeister bestellen. Der verließ sich bislang auf „Hofi-ware“, einer in den 80er-Jahren entwickelten, zweifarbigen Zettelwirtschaft, um die taktischen Geheimnisse der Gegner zu lüften. Die Smartphone-Generation findet das zwar archäologisch, freut sich aber still über den Anachronismus. Und die Methode funktionierte ja am Samstag wieder mal vorzüglich.

Das 1:0 erzielte Nico Jensen, dem der schwierige Spagat zwischen Torjäger und Spielmacher bestens gelang. Dann wogte das Geschehen mit stets kleinen Vorteilen für die Günzburger erst einmal hin und her. Da die TSV-Spieler besonnen agierten, gelang es den lauffreudigen Günzburgern nicht, sich beim 14:12 und 15:13 endlich einmal auf drei Tore abzusetzen. Das Spiel war in dieser Phase sehr angriffsorientiert, die Torhüter bekamen kaum einen Ball zwischen die Finger. Hofmeister nahm eine Auszeit. Mit einstudierten taktischen Maßnahmen vom gelben Zettel wollte er seinem Team den sicheren Weg zur Drei-Tore-Führung aufzeigen. Das verstanden nicht alle, der praktische Versuch erwies sich als untauglich und es kam noch viel schlimmer. Erst erhielt Niko Hermann eine Zeitstrafe und dann leistete sich Torwart Patrick Bieber seinen ersten Wechselfehler seit der C-Jugend. All das machte unsicher, aus einer funktionierenden Mannschaft wurde ein aufgeschreckter Hühnerhaufen. Ein Hachinger Dreierpack folgte und so ging es jäh und unnötig mit 16:18 in die Kabinen.

Bei der Besprechung verzichtete Hofmeister auf das didaktische Mittel des Donnerwetters. Die Mannschaft musste in Ruhe ihre Mitte wieder finden. Doch der Gast trat zu Beginn der zweiten Spielhälfte wirklich im Stil einer Spitzenmannschaft auf, stark, stolz und selbstbewusst in der Körpersprache. Valentin Elmer traf und auch Philipp Heinle, der wurfgewaltige frühere Gundelfinger, der insgesamt fünf Treffer erzielte. Ein deprimierendes 20:26 stand auf der Anzeigentafel.

Mehr pflichtgemäß als von einem echten Plan beseelt nahm Hofmeister die Auszeit. Auf einem der vielen Zettel stand „Knittl“. Den wechselte er dann auch ein. Eine prima Idee: Fünf Buden sollte der Trickwerfer noch erzielen. Bieber steigerte sich und es ging ein Ruck durch die Abwehr. Organisator Michael Jahn leistete ganze Arbeit, der starke Hachinger Rückraum wurde urplötzlich kalt gestellt. Auch Gegenstoßtreffer gelangen. Aus dem Funken wurde Feuer, einer Einheit aus Günzburger Spielern und Fans gelang der Handballrausch. Beim 26:26 war das Unentschieden geschafft. Überzahl: zwei Treffer dazu. 40 Sekunden vor Schluss war das Spiel komplett umgebogen. Es stand 28:26. Martin Dauhrer schaffte noch einmal den Anschluss, der einzige Treffer seiner Farben in den letzten 18 Minuten dieser Bayernliga-Partie. Niko Hermann machte mit einem Hammer-Wurf das 29:27. Manuel Scholz, der hinten wie vorne sehr präsent agierte, gelang das Tor zum Endstand.

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