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Sportskanonen

31.03.2015

Talent, Fleiß und ein bisschen Glück

Talentproben an der Tischtennisplatte hat Alexandra Stierle schon einige gegeben. Nun auch beim Heimspiel in der Unterknöringer Halle: Bei den bayerischen Meisterschaften für stehend Behinderte erreichte sie den zweiten Platz.
Bild: Anika Wening

Die 17-jährige Alexandra Stierle wurde mit einer Fehlbildung am Arm geboren. Tischtennis ist ihre große Leidenschaft. Im Behindertensport feiert sie große Erfolge – wie jetzt beim Heimspiel

Im Burgauer Ortsteil Unterknöringen wurde gelacht, gebangt, geschwitzt, gejubelt und vor allem: Tischtennis gespielt. Zum 44. Mal richtete der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern seine Tischtennis-Meisterschaften aus. Gastgeber war der SV Unterknöringen. Ab zehn Uhr flogen in der Schulturnhalle orangefarbene Bälle durch die Luft.

Ein Heimspiel unter den insgesamt 18 Teilnehmern hatte Alexandra Stierle. Als amtierende bayerische Meisterin wollte die 17-Jährige ihren Titel unbedingt verteidigen. Es gelang nicht ganz: Lena Kramm war stärker. Damit traf auch Stierles Prognose zu: „Ich denke, ich werde den zweiten Platz hinter Kramm machen“, sagte sie kurz vor den Titelkämpfen. Der Grund: „Sie spielt ein Spiel, das mir nicht so liegt.“

Stierle betreibt den Sport nun schon seit etwa acht Jahren. Seit 2014 geht sie für den TV Dillingen an den Start. Ihre Anfänge machte sie jedoch beim SV Unterknöringen. „Hier habe ich das Tischtennisspielen richtig gelernt“, sagt Stierle.

Auf den Sport ist sie durch ein Ferienprogramm ihrer Grundschule gekommen, das sie zusammen mit ihrer Schwester ausprobiert hat. Seitdem ist sie von dem Sport begeistert. Und dazu ist Alexandra Stierle auch noch sehr erfolgreich. Im Behindertensport startet sie für den BSV München und wurde schon zweimal Vizemeisterin bei den deutschen Meisterschaften.

Dafür trainiert sie zwei Mal die Woche. Die Schülerin besucht derzeit die elfte Klasse des Dossenberger-Gymnasiums in Günzburg. „Oft ist es schwierig, das Lernen, die Schule und das Training unter einen Hut zu bringen“, erklärt die Schülerin. Ihre anderen Interessen, wie ins Kino gehen oder Freunde treffen, kommen nicht zu kurz. Für einen anderen Sport bleibt aber auf keinen Fall Zeit.

Obwohl schon turniererprobt, ist die 17-Jährige vor Wettkämpfen wie den bayerischen Meisterschaften noch immer nervös. vor allem galt das jetzt in Unterknöringen. „Bei einem Heimspiel ist es schlimmer, weil man auch die Zuschauer kennt. Vor allem im Finale und bei den entscheidenden Spielen kommen oft Emotionen hoch.“

Den emotionalsten Moment, an den sie sich noch lange zurückerinnern wird, hatte Alexandra Stierle vergangenes Jahr bei den deutschen Meisterschaften. Im Finale hatte sie nur durch einen knappen Ball verloren und durch das Publikum ging damals ein enttäuschtes Raunen. Stierle: „Die Zuschauer standen alle hinter mir, das war toll.“

Mit ihrem Handicap hatte die selbstbewusste Spielerin noch nie wirkliche Probleme. Stierle wurde mit einer Fehlbildung am rechten Arm geboren. „Ich habe dadurch aber keine wirklichen Einschränkungen“, berichtet sie. Bei Turnieren im Behindertensport falle sie immer auf, weil sie eines der geringsten Handicaps hat.

Der Sport bedeutet Alexandra Stierle sehr viel. Als Ausgleich zur Schule, aber auch aufgrund der Gemeinschaft. „Für mich ist das sehr wichtig. In unserem Verein ist es sehr familiär, jeder kennt jeden.“ Als einen wichtigen Bestandteil des Sports sieht Stierle ohnehin das Kennenlernen unterschiedlicher Menschen. Im Behindertensport kann sie sich mit anderen über ihre Erfahrungen austauschen.

Trotz ihrer großen Erfolge ist die 17-Jährige immer bescheiden. Die Basis des Erfolgs? „Da gibt es kein Geheimrezept. Man muss einfach trainieren und das Erlernte im Spiel umsetzen. Es gehört auch ein bisschen Glück dazu, die entscheidenden Spiele zu gewinnen.“

Das nächste Ziel hat Stierle schon vor Augen: den nationalen Meistertitel. Um den geht es in drei Wochen in Osterburg. Gut möglich, dass sie dann erneut auf Lena Kramm trifft.

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