Zwei Wochen vor den Kommunalwahlen gibt es eine Veränderung im Günzburger Stadtrat: Christa Wall gehört seit Jahresbeginn der UWB-Fraktion an, wie in der Sitzung am Montagabend bekannt wurde. Für den UWB steht Wall aktuell auch auf Platz acht der Stadtratsliste bei den Kommunalwahlen. Es ist bereits die dritte Station der Günzburgerin, die seit fast 30 Jahren Mitglied des Stadtrats ist und seit vier Jahren keiner Fraktion angehörte. Ursprünglich war sie für die CSU Günzburg angetreten, später schloss sie sich den Freien Wählern an. Der Wechsel von Christa Wall sorgt für Aufsehen. Denn die Kommunalpolitikerin hat bereits zweimal Parteien den Rücken gekehrt, für die sie in Günzburg angetreten war.
Christa Wall zieht 1996 für die CSU in den Günzburger Stadtrat ein
Bei den Kommunalwahlen 1996 war Christa Wall für die CSU angetreten und zog für die Partei auch in den Stadtrat ein. Im Juni 2003 kam es dann zum Streit: Wall wurde von der CSU-Fraktion ausgeschlossen und saß fortan als fraktionsloses Mitglied im Günzburger Stadtrat. „Das Mindestmaß an vertrauensvoller Zusammenarbeit ist nicht mehr gegeben“, begründete 2003 der damalige CSU-Fraktionschef Thomas Ermer den Rauswurf Walls aus der Fraktion. Wall entgegnete: „Mein Fehler war es, eine eigene Meinung zu haben. Die wollten mich nicht mehr und machten mich zum Sündenbock für die verlorene OB-Wahl.“ Im November 2005 kehrte sie dann der Partei den Rücken.
Ein Jahr später schloss sich Wall dann den Freien Wählern an, für die sie auch bei den Kommunalwahlen 2008 antrat und erneut in den Stadtrat gewählt wurde. Insgesamt 16 Jahre lang war Wall daraufhin Mitglied der Freien Wähler im Stadtrat, wurde 2021 für 25 Jahre Mitgliedschaft im Ratsgremium ausgezeichnet. Doch auch innerhalb ihrer neuen Fraktion herrschte offenbar nicht immer Harmonie. Im Jahr 2022 kam es dann auch hier zum Zerwürfnis. Anlass war vor vier Jahren offenbar die personelle Neuausrichtung im Gremium. Die damalige Fraktionsvorsitzende Ruth Abmayr war nach Limbach gezogen. Deswegen galt es, Posten neu zu besetzen, darunter den Fraktionsvorsitz, aber auch verschiedene Ausschüsse. Offenbar war Wall bei der Vergabe nicht so zum Zug gekommen, wie sie sich das vorgestellt hatte, wurde damals spekuliert. Auf Anfrage unserer Redaktion wollte sich Wall damals nicht zu den Gründen, die sie zum Austritt aus der Fraktion bewogen haben, äußern.
Freie Wähler haben nach Walls Wechsel einen Sitz im Stadtrat verloren
In der Stadtratssitzung am Montag gab es ebenfalls keine Stellungnahme zu ihrem Wechsel in die Reihen des UWB. Wall hatte zu Sitzungsbeginn an der Seite ihrer neuen Fraktionskollegen Platz genommen. In den wenigen Wochen, bis der neu gewählte Günzburger Stadtrat am 1. Mai offiziell seine Arbeit aufnimmt, dürfte der Wechsel keine größeren Auswirkungen mehr haben. Johann Kaltenecker räumt seinen Sitz im Kultur-, Jugend- und Sportausschuss für das neue Fraktionsmitglied, dafür wird er anstelle von Erhard Uhl Stellvertreter von Monika Küchle, wenn sie die Fraktion im Ausschuss vertritt.
Durch Walls Ausscheiden vor vier Jahren hat die Fraktion der Freien Wähler mit Anton Gollmitzer, Franz Demharter, Claudia Jahn und Sybille Löhle aktuell noch vier statt der ursprünglichen fünf Sitze im 30-köpfigen Ratsgremium, die UWB-Fraktion ist damit jetzt auf fünf Mitglieder angewachsen. Auf die Stärkeverhältnisse bei der Besetzung der Ausschüsse habe der Eintritt von Christa Wall in die UWB-Fraktion freilich keinen Einfluss, heißt es dazu in der Sitzungsvorlage des Stadtrats.
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