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Unterroth

11.08.2020

100 Tage im Amt: Unterroths Bürgermeister hat noch eine Menge vor

Norbert Poppele im Amtszimmer der Gemeinde Unterroth, wo er auch für die Bürger zu sprechen ist.
Bild: Regina Langhans

Plus Norbert Poppele kocht gerne und wartet noch auf seinen ersten kulinarischen Einsatz in Unterroth. Dafür hatte er an anderer Stelle alle Hände voll zu tun.

Normalerweise – will heißen ohne Corona-Pandemie – hätte Norbert Poppele nicht nur voller Elan und Ideen sein neues Amt als Rathauschef in Unterroth angetreten – sondern auch seinen erlernten Beruf zum Hobby umdefiniert. Als kochender Bürgermeister wollte er der örtlichen Feuerwehr bei ihrer 150-Jahr-Feier zur Seite stehen. „Die hatten mich schon fest gebucht“, sagt der 60-Jährige und lächelt dabei. Das Kochen sei das Einzige, was ihm in seiner neuen Tätigkeit abgehe. „Aber das kann ich ja für meine Familie tun, zumal bei meiner bisherigen Stelle als Küchenleiter die Praxis meist zu kurz kam.“ An seinem neuen Arbeitsplatz, den der Unterrother im Ehrenamt übernimmt und dabei in Vollzeit zur Verfügung steht, vermisse er vom früheren Berufsleben ansonsten nichts, versichert er.

Daher fällt seine 100-Tage-Bilanz positiv aus: „Ich fühle mich wohl als Bürgermeister, die Arbeit füllt mich aus und zum Einarbeiten habe ich – umständehalber – sogar viel Zeit gehabt.“ Eines habe er dabei gleich gelernt: Akten und Vorgänge genau zu lesen und sich dafür die Zeit zu nehmen. An seinem früheren Arbeitsplatz ging es immer hektisch zu und vieles habe er nur überflogen. Dass der Amtswechsel so glatt über die Bühne ging, verdanke er seinem Vorgänger Gerhard Struve, sagt Poppele. Ganz gegen seine Gewohnheit hat der tatendurstige Unterrother anstehende Projekte hinausschieben müssen, da Termine abgesagt, Ämter geschlossen und E-Mail-Kontakte oft keine Alternative waren. „Jetzt bekommen wir im Gemeinderat einen Abstimmungsstau“, fürchtet Poppele. Schon Struve habe manches nicht wie geplant zu Ende bringen können. Zu den liegen gebliebenen Themen zählten die PV-Anlage, das Ilek-Projekt, Anliegen der Jagdgenossenschaft, der Radwegausbau oder Hochwasserschutz. „Es fehlt uns die Zeit von rund einem halben Jahr“, schätzt der neue Bürgermeister, der Erfahrung aus seiner früheren 18-jährigen Gemeinderatszugehörigkeit mitbringt.

In seiner Amtszeit gab es bereits Hochwasser in Unterroth

So ganz entspannt sollten die ersten 100 Tage aber dann doch nicht vorübergehen: Die starken Regenfälle im Frühsommer bescherten auch Unterroth ordentlich Hochwasser, weshalb der Bürgermeister sein Gemeindegebiet abfuhr und das Überfluten der Rothufer beobachtete: „Diesmal gab es besonders starke Regenfälle um Winterrieden, wo die Roth ihre Quellen hat.“ Es habe sich direkt verfolgen lassen, wie die Wassermassen erst vor dem Dorf Felder und Wege überspülten und später hinter dem Dorf die Möglichkeit nutzten, sich auszubreiten. Da es in Unterroth nicht weiterregnete, sei das Dorf wieder einmal glimpflich davon gekommen, so Poppele,

In den wenigen Sitzungen des jetzt auf zwölf Räte angewachsenen Gremiums habe man sich schon gut zusammengefunden, glaubt Poppele. Er erlebe, wie die Erfahrenen ihr Wissen an die neuen Ratsmitglieder weitergäben. Besonders freue ihn, dass alle Altersgruppen sowie Vertreter verschiedener Berufe dabei seien. Selbst habe er sich vorgenommen, bei geeigneten Themen möglichst viele Fachleute vorsprechen zu lassen, „damit alle den gleichen Wissensstand erreichen“, so der Bürgermeister.

Er begrüßt es, dass Parteiendenken in Unterroth keine Rolle spiele, indem alle Räte der Gruppierung „Dorfgemeinschaft“ angehörten. Damit würden die Abstimmungen ganz nach Sachlage beziehungsweise persönlicher Einschätzung erfolgen, jeder Tagesordnungspunkt für sich bewertet und nicht im Sinne der Fraktionsmeinung. Poppele sieht auch kein Problem bei nicht einstimmigen Entscheidungen: „Das gehört alles zur Demokratie.“

Bislang wollte keine Unterrother Firma die Gewerbesteuer stunden

Nun ist er gespannt auf die Zukunft. Als vorrangige Aufgabe sieht er die Fertigstellung des gemeindlichen Bauhofs, der noch heuer in Betrieb genommen werden soll. Auch das neue Gewerbegebiet hat er im Blick, das dem Unterrother Handwerk Erweiterungsmöglichkeiten bieten soll, damit die Arbeitsplätze im Ort blieben. In direktem Zusammenhang stehe damit das Schaffen von Wohnraum. Wirtschaftlich komme Unterroth wohl einigermaßen durch die Krise. Jedenfalls sieht es Poppele als gutes Zeichen, dass bislang niemand seine Gewerbesteuern stunden wollte. Auch der gemeindliche Kindergarten habe dank der staatlichen Hilfen die Situation gemeistert.

Norbert Poppele, früherer Wirt der Wallfahrtsgaststätte Matzenhofen, hat gelernt, als Chef nach vorne zu blicken. Nun freut er sich aufs Nachholen des Feuerwehrjubiläums im Jahr 2022. Da sind seine Kochkünste bereits fest eingeplant.

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