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Unterallgäu

05.02.2015

22-Jähriger erpresst Ex-Freundinnen mit Nacktfotos

Ein junger Mann hat gedroht, Nacktfotos von seinen Ex-Freundinnen zu veröffentlichen.
Bild: Julian Stratenschulte (dpa)

Ein junger Unterallgäuer drohte, von seinen ehemaligen Freundinnen Nacktbilder zu veröffentlichen. Er wollte Geld von ihnen. Nun stand er vor Gericht.

Er hat gedroht, Nacktfotos von Ex-Freundinnen im Internet zu veröffentlichen und im Ort zu verbreiten. Auf diese Weise wollte ein Unterallgäuer, 22, an Geld kommen beziehungsweise Geschenke aus einer Beziehung zurückerhalten. Das Jugendschöffengericht verurteilte den jungen Mann wegen Erpressung, versuchter Nötigung und versuchter Erpressung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren sowie zwei Wochen Ungehorsamkeitsarrest.

Der ersten Geschädigten, 22, muss der Angeklagte, dem die Jugendgerichtshilfe eine „Reifeverzögerung“ bescheinigt hatte, 1570 Euro zurückgeben und 500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das zweite Opfer, 18, erhält 300 Euro Schmerzensgeld. Vorsitzender Richter Dr. Markus Veit sagte, dass der Angeklagte, der zweimal vorbestraft ist (gefährliche Körperverletzung und Brandstiftung) einen „miesen Charakter“ habe und bezeichnete sein Verhalten als hochkriminell und unterste Schublade.

Zur Vorgeschichte: Beide Opfer hatten eine (offene) Beziehung zum Angeklagten, zum Teil wohl auch gleichzeitig. Beide hatten ihm freiwillig Nacktfotos überlassen, ihn allerdings nach Beendigung der Beziehung aufgefordert, die Bilder zu löschen. Dies tat der Unterallgäuer, der bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt ist, aber nicht. Im Gegenteil: Im Oktober 2013 forderte er von der 22-Jährigen 10000 Euro und kündigte an, die Fotos zu veröffentlichen, wenn er das Geld nicht bekommt. Wenn sie zur Polizei geht, drohte er sogar damit, dass seine Freunde sie schlagen, vergewaltigen oder gar umbringen. Da die Geschädigte nicht so viel Geld hatte, verhandelte sie mit dem Angeklagten um die Summe. Am Ende nahm die 22-Jährige einen Dispokredit von 1000 Euro auf, hob 570 Euro von einem Sparbuch ab und erließ ihrem Ex-Freund 600 Euro Schulden (für einen Fernseher).

Der Angeklagte forderte Geschenke zurück

Ein paar Monate später ging auch die Beziehung mit dem zweiten Opfer in die Brüche. Von der zur Tatzeit noch Minderjährigen forderte der Angeklagte Geschenke im Wert von 500 Euro zurück, unter anderem eine Kette, einen Ring, ein Handy, einen Teddybär und Lebkuchenherzen. Auch in diesem Fall drohte er, Nacktfotos im Internet zu verbreiten. Zu einer Übergabe der Geschenke kam es allerdings nicht, weil der Unterallgäuer nicht zu den vereinbarten Treffen mit der Geschädigten erschienen ist.

Im Prozess räumte der Angeklagte den zweiten Fall ein. Die Vorwürfe der ersten Geschädigten stritt er hingegen ab. Es sei alles erfunden. Er habe sie nicht erpresst und auch nie Geld von ihr bekommen. Sein Verteidiger zweifelte die Glaubwürdigkeit des ersten Opfers an, da sich die 22-Jährige bei ihrer Aussage mehrmals verhaspelt habe. Deshalb plädierte der Rechtsanwalt dafür, seinen Mandanten lediglich wegen versuchter Erpressung zu verurteilen und hielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr für angemessen. Der Staatsanwalt hingegen sah es nach der Beweisaufnahme als erwiesen an, dass die Vorwürfe, wie in der Anklageschrift geschildert, wahr sind. Er forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, eine Woche Warnschussarrest und 1000 Euro Geldauflage.

Richter Veit ging sogar noch weiter – und orientierte sich beim Strafmaß an der Obergrenze. Die Taten des 22-Jährigen seien „hundsgemein“. An die Opfer appellierte der Vorsitzende Richter, künftig nicht mehr „so dumm zu sein“ und nie wieder Nacktfotos rauszugeben.

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