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Memmingen/Unterallgäu

14.12.2020

300 Impfungen pro Tag: Impfzentrum in Memmingen ist startklar

Im Erdgeschoss einer ehemaligen Realschule ist ein Impfzentrum für Memmingen und das westliche Unterallgäu entstanden. Das Bild zeigt (von links) Dr. Max Kaplan, Dr. Jan Henrik Sperling und Bruno Ollech, stellvertretender Bezirksgeschäftsführer der Malteser, in einem Ruheraum, in dem sich die Patienten eine halbe Stunde lang nach der Impfung ausruhen werden.
Bild: Armin Schmid

Plus Ehemalige Schulräume stehen für die Bürger aus Memmingen und dem westlichen Unterallgäu bereit. Anfangs sind 300 Impfungen pro Tag geplant. Wo Klärungsbedarf besteht.

Ein paar Schwierigkeiten gilt es noch auszuräumen - und Fragen zu beantworten. Die Einrichtung eines Impfzentrums für Memmingen und das westliche Unterallgäu im Erdgeschoss der ehemaligen Realschule in der Stadt ist abgeschlossen. Doch: Wie viel Impfstoff wird zur Verfügung stehen? Wie werden Patientendaten erfasst? So könnten die Impfungen in Memmingen ablaufen.

Eine Software für Patientendaten gibt es in Memmingen noch nicht

Unklar ist noch, mit welcher Software die Anmelde- und Patientendaten erfasst werden und wann beziehungsweise in welcher Menge anfangs Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Doch mit Blick darauf, dass das Impfzentrum bis zum heutigen Dienstag in puncto Organisation und Ausstattung fertiggestellt sein muss, betont der ärztliche Koordinator für Memmingen, Dr. Jan Henrik Sperling: „Wir sind einsatzbereit.“ Eine Impfpflicht gebe es definitiv nicht. Selbst nach einem Aufklärungsgespräch im Impfzentrum könnten Impfwillige noch ablehnen und wieder gehen.

Kliniken und Praxen könnten die Corona-Erkrankungsfälle gerade noch schultern, sagt Dr. Max Kaplan, ärztlicher Koordinator für den Landkreis, zur aktuellen Lage. Er fügt hinzu: „Kliniken und Personal sind aber am Limit.“ Zum Start wird laut Kaplan nur der Impfstoff von Biontech/Pfizer zur Verfügung stehen. Er empfiehlt die Corona-Schutzimpfung und sieht kein höheres Risiko als bei anderen Schutzimpfungen.

Der Transport des Impfstoffes bringt Schwierigkeiten mit sich

Der Impfstoff selbst werde synthetisch hergestellt. Über den darin enthaltenen Botenstoff werde der Körper in die Lage versetzt, eigene Abwehrstoffe zu bilden. Problematisch sei, dass der Impfstoff bei minus 75 Grad in die Verteilzentren geliefert werden muss. Bei Auslieferung ins Impfzentrum werde nur noch mit zwei bis acht Grad beziehungsweise Kühlschranktemperatur gekühlt und gelagert. Dann muss der Impfstoff allerdings innerhalb von vier Tagen verbraucht werden.

Im Memminger Impfzentrum und durch mobile Teams sind laut Kaplan zunächst rund 300 Impfungen täglich vorgesehen. Nach zwei Wochen erhalten die Patienten eine zweite Impfdosis. „Dann müssen wir die Kapazität auf 600 Impfungen pro Tag ausweiten.“

Es ist wichtig, die Angst der Menschen vor der Impfung ernst zu nehmen

Sperling schildert eine Schwierigkeit: „Das Nadelöhr ist derzeit das IT-System.“ Erforderlich wäre eine möglichst bundesweit funktionierende Software zur Datenerfassung, die jedoch noch nicht zur Verfügung stehe. Eine Hauptaufgabe sieht der Mediziner in der Aufklärung: Man müsse die Ängste und Bedenken der Menschen ernst nehmen und durch sachgerechte Beratung helfen. Fragebögen zur Aufklärung soll es in mehrsprachiger Ausführung geben.

Der ärztliche Leiter Dr. Hardy Götzfried meint, dass es nachteilig sei, dass der Impfstoff nach dem Anmischen nicht mehr transportiert werden darf. Vor allem die mobilen Impfteams, die zum Beispiel in Seniorenwohnanlagen zum Einsatz kommen sollen, müssten sich deshalb überlegen, welche Mengen angemischt werden.

So läuft die Impfung am Memminger Impfzentrum ab

Wer sich impfen lassen will, soll sich per Online-Anmeldung registrieren können. Ein Termin wird zugeteilt und bestätigt. Für Menschen, die Probleme im Umgang mit Computern haben, muss laut Sperling noch eine Lösung gefunden werden. Nicht geimpft werden können Kranke mit über 38,5 Grad Fieber, Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren, Schwangere und Stillende. Sobald die Europäische Arzneimittelagentur EMA den Impfstoff freigegeben hat, könnte es laut Kaplan innerhalb von vier bis fünf Tagen mit Impfungen vor Ort losgehen.

Ihm zufolge wurden 120 Ärzte und Ärztinnen im Ruhestand oder in Mutterschutz und Teilzeitarbeitende angeschrieben und um Unterstützung im Impfzentrum gebeten. Sperling dankte dem Malteser Hilfsdienst Memmingen als Betreiber, der Stadtfeuerwehr und dem Technischen Hilfswerk (THW) sowie Stadt und Landkreis, die durch eine engagierte Zusammenarbeit zur schnellen Umsetzung des Impfzentrums beigetragen hätten.

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