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Memmingen / Unterallgäu

17.07.2019

49-Jähriger kauft Waffen von verdeckten Ermittlern

Ein Mann landete vor Gericht, weil er Waffen im Darknet kaufen wollte.
Bild: Hermann Ernst (Symbol)

Ein Mann will in Bad Grönenbach Pistolen abholen, um für einen Katastrophenfall gewappnet zu sein. Nun steht er vor Gericht.

Wer sich im Darknet eine Schusswaffe besorgen will, kann „an den Falschen“ geraten – und muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Ein 49-Jähriger aus dem Raum Augsburg musste sich jetzt vor dem Amtsgericht Memmingen verantworten. Auch für Amtsrichter Nicolai Braun war es „ein ungewöhnlicher Sachverhalt“. Auf der Anklagebank saß ein sogenannter „Prepper“: Ein Mensch, der sich – davon sind am Ende alle Prozessbeteiligten überzeugt – bewaffnen wollte, um für „den Katastrophenfall“ gerüstet zu sein. Die Übergabe sollte in Bad Grönenbach über die Bühne gehen. Lesen Sie auch: Radler wird in Vöhringen von einem Hund angefallen

Der Roman „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg, der die schrecklichen Auswirkungen eines großflächigen Stromausfalls in Europa erzählt, habe ihn sehr besorgt gemacht, erläuterte der 49-Jährige dem Gericht. Im Darknet habe er daher im vergangenen Jahr einen vermeintlichen Waffenhändler aus dem Ausland kontaktiert und sich bei ihm nach großkalibrigen Faustfeuerwaffen erkundigt. Ebenfalls interessant: Kuriose Suche nach neuem Bürgermeister in Babenhausen

Der Händler aber wollte nur „große Geschäfte“ über mindestens sechs Artikel machen. Zu viel für den Angeklagten. Er wurde an eine Person in Deutschland „weitergereicht“. Der Erwerb von drei halbautomatischen Selbstladepistolen der Marken Glock und Beretta wurde vereinbart. Auch ein Schalldämpfer und Munition sollten mitgeliefert werden. Der Kaufpreis: 5000 Euro.

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Darknet: Es ging um Waffen der Marken Glock und Beretta

Was der Angeklagte nicht wusste: Er hatte keine Chance, tatsächlich an die Waffen zu gelangen. Denn zunächst war er an verdeckte Ermittler der australischen Polizei geraten, zuletzt an nicht offen ermittelnde Polizeibeamte des Bundeskriminalamts. Am 21. August schnappte die Falle zu. In Bad Grönenbach sollte der Deal über die Bühne gehen. Dort nahm die Polizei den 49-Jährige fest. Im Kofferraum des Autos des Angeklagten, das er vorsorglich am Bahnhof in Buchloe abgestellt hatte, fanden die Beamten der Memminger Kriminalpolizei eine weitere Schusswaffe, die sich der 49-Jährige schon 2016 in Tschechien besorgt hatte. Die Folge: zwei Monate Untersuchungshaft.

Denn die Waffe aus dem Kofferraum ist laut Gutachten eins Experten vom Landeskriminalamt zwar eingeschränkt funktionsfähig, hätte aber nach einer gründlichen Reinigung problemlos funktioniert. Rechtsanwalt Thomas Gärtner zeigte dem Gericht auf, dass sein Mandant sich schon im Ermittlungsverfahren absolut kooperativ gezeigt hatte und voll geständig sei.

Katastrophenfall: Angeklagter ist ein Prepper

Der psychiatrische Gutachter Hans-Peter Volz ging von einer verminderten Schuldfähigkeit aus: „Der Angeklagte hält ein Katastrophenszenario nicht nur für möglich, er ist vielmehr davon überzeugt, dass es tatsächlich eintritt und er sich und seine Familie schützen müsse.“

Staatsanwältin Julia Prestel hielt eine Bewährungsstrafe von 16 Monaten für angemessen – wies aber darauf hin, dass das Gesetz für die Handlungen des Angeklagten eigentlich eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren vorsieht.

Richter Braun verurteilte den Angeklagten letztlich zu einem Jahr und zwei Monaten und setzte die Strafe zur Bewährung aus.

Bedingung: Der Verurteilte muss sich in psychiatrische Behandlung begeben. Die 5000 Euro, die der 49-Jährige mitgebracht hatte, um die Waffen zu bezahlen, wurden vom Gericht „als Tatmittel“ eingezogen. Das Geld ist also für ihn weg.

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