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Vöhringen

12.07.2019

Abschied nach mehr als 30 Jahren: Ralf Schabel verlässt das Illertal-Gymnasium

Ralf Schabel leitete das Illertal-Gymnasium in Vöhringen. Nun verabschiedet sich der 61-Jährige in den Ruhestand.
Bild: Ursula Katharina Balken

Plus Nach 31 Jahren am Vöhringer Illertal-Gymnasium verabschiedet sich Schulleiter Ralf Schabel in den Ruhestand. Warum ihm ein gelber Helm als Andenken dient.

Leichten Herzens geht er sicherlich nicht. Denn wer verlässt schon gern eine Wirkungsstätte, die er als „die schönste Schule der Welt“ bezeichnet? Für Ralf Schabel, 61, Schulleiter des Illertal-Gymnasiums Vöhringen (IGV), steht dennoch ein Wandel an. Er geht in den Ruhestand.

Nach 31 Jahren am IGV räumt er seinen Schreibtisch. Und eines ist gewiss: Ein gelber Schutzhelm gehört zu den Dingen, die Schabel mitnehmen wird. Die Schrift auf dem Kopfschutz ist schon leicht verwischt, aber noch lesbar und bezeichnet ihn als „Bauaufsicht.“ Das bringt Schabel immer wieder zum Schmunzeln. Der Helm ist die Erinnerung an eine Zeit, in der das Gymnasium für zwei Städte – Vöhringen und Senden – zwischen 2014 und 2017 in eine ultramoderne Schule umgebaut wurde. Dass dem IGV jetzt als einziger Schule in Deutschland der „Entrepreneurial School Award“ auf Vorschlag des Instituts der Deutschen Wirtschaft zuerkannt wurde, wird wohl eines der schönsten Abschiedsgeschenke sein. Der Preis wird in der finnischen Hauptstadt Helsinki übergeben.

Beim ersten Stellenangebot hielt sich die Begeisterung in Grenzen

Schabel ist gebürtiger Vöhringer. Als es im Kultusministerium darum ging, wohin seine beruflichen Pfade ihn nach dem Studium führen sollten, fiel der Name Oberstdorf im Allgäu. Aber statt Begeisterung ob des attraktiven Arbeitsplatzes zu zeigen, meinte Schabel trocken: „Das ist reine Verschwendung, ich bin weder Bergsteiger noch Skifan.“ Der zweite Vorschlag gefiel dann schon besser: „Wie wär’s mit Vöhringen, eine kleine Stadt, die sie vermutlich gar nicht kennen.“ Aber da widersprach Schabel energisch: „Selbstverständlich kenne ich Vöhringen, dort bin ich geboren.“

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So kam er zurück in seine Heimatstadt. Und was er selbst wohl kaum für möglich gehalten hatte, er blieb 31 Jahre. „Ich war ganz normaler Studienrat, hatte eigentlich keine ehrgeizigen Ziele“, sagt Schabel. Aber dann wurde er Betreuer der Kollegstufe, 2004 Ständiger Stellvertretender Schulleiter und 2011 dann Schulleiter.

Plötzlich mit Kollegen als Chef umzugehen, war für ihn zunächst eine Herausforderung, die aber dann nach seinen Worten keine wurde. Schabel fand immer den richtigen Ton im Umgang mit Kollegen, war offen für Gespräche und Neues, was wohl auch dazu führte, dass sich die Lehrer am IGV über das übliche Stundenmaß in das Schulleben einbringen. „Bei uns herrscht Teamgeist. Das zeichnet die Schule aus“, betont der scheidende Schulleiter.

Schabel selbst in Vöhringen zur Schule

Auch Schabel selbst war einmal in Vöhringen Schüler: Er besuchte die Uli-Wieland-Schule und machte sein Abitur am Neu-Ulmer Gymnasium, das damals noch nicht nach dem Dichter Lessing benannt war. In Augsburg studierte Schabel Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaften. Im Gegensatz zu vielen Kommilitonen hatte er aber nicht den Plan, Lehrer zu werden.

Ihn interessierte mehr die Arbeit an der Universität. Schabel promovierte in Augsburg und hatte eine wissenschaftliche Berufsrichtung im Blick, bevor er sich doch anders entschied. Der Grund: Schabel hatte erkannt, was für ein Privileg es ist, Bildung zu genießen und sein Wissen an junge Menschen weitergeben zu können. „Ja, manchmal tut man sich mit Goethe schwer, wenn es um seinen Faust geht.“ Aber da war Schabel unerbittlich. „Ich wollte Zugänge zu den Schiller-Dramen und Goethe-Werken schaffen.“

Schabel lotste junge Menschen durchs Schulleben

Schabel unterrichtete gern, er war sozusagen der Lotse, der junge Menschen durchs Schulleben führte. Dass er in seiner Funktion als Schulleiter den größten Teil seiner Arbeitszeit mit Verwaltungsaufgaben beschäftigt war, schränkte das Unterrichten zu seinem Leidwesen zwangsläufig ein. Geht er mit Wehmut? Schabel braucht darüber nicht nachzudenken. „Das Illertal-Gymnasium war Teil meines Lebens. Ich bin zufrieden und beglückt, an dieser Schule gearbeitet zu haben“, sagt er und betrachtet lächelnd den vor ihm liegenden gelben Helm.

Termin: Die offizielle Verabschiedung findet am Mittwoch, 17. Juli, 11.30 Uhr, in der Aula der Schule statt.

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