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Landkreis Neu-Ulm

13.05.2020

Achtung Autofahrer: Frösche und Kröten wandern ab Juni wieder

Stark bedroht: Auch der grüne Laubfrosch gehört zu den gefährdeten Amphibienarten. Wie viele andere Kröten und Frösche macht er sich ab Juni wieder auf die Wanderung.
Bild: Stefan Sauer/dpa

Die Zahl der Amphibien ist im Landkreis Neu-Ulm weiter rückläufig. Welche Arten besonders Sorgen bereiten.

Die erste Reise haben sie bereits hinter sich: Nach dem kurzen Winter und einer längeren Wärmeperiode verließen Frösche und Kröten ihr Winterquartier. Der Grund dafür war das Temperaturhoch mit Niederschlägen Ende Februar bis Mitte März. Amphibien brauchen feuchtwarme Abend- und Nachtstunden zum Wandern, vorzugsweise bei Regen und einer Temperatur von über fünf Grad Celsius.

Erdkröten wandern bis zu drei Kilometer

Die idealen Umstände machten die Tiere mobil: Scharenweise überquerten Amphibien die Straße, um Teiche und Feuchtgebiete zu erreichen. Erdkröten können auf diesen Laichwanderungen bis zu drei Kilometer Strecke zurücklegen.

Nun verursachte ein Kälteeinbruch und die anschließende, extreme Trockenheit in der Folgezeit ab dem 23. März einen Einbruch der Amphibienwanderungen. Ab Juni steht die nächste Reise der Jungtiere an, die von den Laichgewässern zurück in den Wald ziehen. Die Tiere sind vielen Gefahren ausgesetzt: Auch in diesem Jahr bedroht die stark maschinelle forstwirtschaftliche Privatwald-Nutzung in den Waldbereichen, die als Überwinterungsbereiche für die Amphibien dienen, die Bestände.

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So wurden beispielsweise mit hoher Wahrscheinlichkeit bei großflächigen Kahlschlägen im Donauauwald mit Befahren des Waldbodens überwinternde Tiere im Boden erdrückt. Dazu verringert sich der Lebensraum der Amphibien durch Überbauung. Auch der extreme Rückgang der Insekten, Hauptnahrung der Tiere, ist ein Risikofaktor.

Selten wurden nur so wenige Tiere gerettet

Insgesamt konnten heuer knapp 1000 Tiere vor dem Straßentod gerettet werden. Dies sind 50 Prozent weniger Amphibien als noch im Jahre 2015 und davor. Insgesamt ist dies damit die zweitgeringste Menge wandernder Amphibien, die seit Beginn der Schutzmaßnahmen vor etwa 30 Jahren gerettet wurden.

Schwerpunkte der Wanderung sind Talräume, in denen der Wald an Tümpel oder Weiher grenzt. Ohne Rücksicht und Hilfe haben viele Amphibien kaum eine Chance, zahlreiche Populationen sind bereits ausgerottet worden.

Es ist daher wichtig, auf wandernde Amphibien im Straßenverkehr zu achten. Kröten bewegen sich nicht nur langsam fort, sondern verharren zusätzlich im Scheinwerferkegel in einer Schreckstellung. Wenn sie nicht von einem Auto überfahren werden, kann sie ab 60 Kilometer pro Stunde der Luftwirbel der Autos erfassen, hochschleudern und töten. Deshalb wird neben den Schutzzäunen eine Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde empfohlen, zum Schutz der Tiere und den ehrenamtlichen Helfern.

Hier gibt es Amphibienzäune

Auf folgenden Strecken wurden Amphibienzäune aufgebaut: Zwischen Hausen und Holzschwang, zwischen Hirbishofen und Pfaffenhofen, zwischen Kadeltshofen und Straß, zwischen Finningen und Neu-Ulm, bei Illertissen am Weiher, zwischen Thalfingen und Pfuhl, zwischen Steinheim und Remmeltshofen, zwischen Bellenberg und Au, zwischen Steinheim und Burlafingen auf Höhe Brand-stetter See, zwischen Matzenhofen und Unterroth sowie im Bereich um den Ingstetter Weiher und beim Autobahnzubringer Vöhringen.

Auf den genannten Strecken wandern ab Juni die fertig entwickelten jungen Kröten und Frösche wieder, und zwar vom Laichgewässer in den Lebensraum im Wald. Vor allem warme, regnerische Abende lassen die Jungtiere massenweise wandern und die Straßen queren. Wie nötig Rücksichtnahme auf die Tiere ist, zeigen die Statistiken: Die Amphibienbestände Bayerns sind anhaltend rückläufig. Immer mehr Arten müssen in die Rote Liste gefährdeter Tiere aufgenommen werden. 13 der 19 heimischen Amphibienarten sind bedroht. Besonders hohe Rückgänge gab es in den letzten Jahren bei den Gelbbauchunken, Kammmolchen, Kreuzkröten und in großen Landschaftsteilen beim Laubfrosch. Aber auch früher häufige Arten wie der Grasfrosch oder die Erdkröte weisen dramatische Rückgänge in den Bestandszahlen auf.

Wenn im Zeitraum zwischen März und April auf einer Straße viele tote Tiere gesehen wurden und dort kein Amphibienzaun stand, soll dies unter 0173/3249171 oder BundNatNU@aol.com gemeldet werden, damit Schutzmaßnahmen ergriffen werden können. (az)

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