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Achtung vor Gerüchten, Fake News und Co. im Landkreis Neu-Ulm

Franziska Wolfinger
Kommentar Von Franziska Wolfinger
21.08.2020

Plus Zwei aktuelle Beispiele aus der Region zeigen, wie schnell sich Gerüchte im Netz und offline verbreiten und wie schnell das gefährlich werden könnte.

Die Gerüchteküche brodelt. Das ist nichts Neues, das hat sie immer schon getan. Doch anders als noch vor 15 Jahren verbreiten sich Gerüchte, ob sie stimmen oder nicht, rasend schnell im Internet via Facebook, WhatsApp und anderen sozialen Netzwerken.

Ein wahrer Kern wird schnell durch wilde Spekulationen aufgebauscht, wie ein Fall aus Ulm diese Woche zeigte. Die Nachricht einer angeblichen Kindesentführung, mitten am Tag und direkt in der Innenstadt, machte die Runde. Was ist passiert: Eine Frau hatte beobachtet, wie ein Kind von mehreren Erwachsenen in ein Auto gezwungen wurde. Wollte das Kind nur nicht so wie seine Eltern oder war es tatsächlich eine Entführung?

Kind in Ulm entführt? Das ist der Stand der Ermittlungen der Polizei

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Die aufmerksame Zeugin handelte richtig und alarmierte die Polizei. Die geht der Sache nach. Bisher gibt es allerdings keinen Hinweis auf eine tatsächliche Entführung. Es hat sich auch noch niemand gemeldet, um ein Kind als vermisst zu melden. Noch bevor die Polizei den Vorfall öffentlich gemacht hatte, landete er im Netz. Mögliche Entführer hätten dadurch gewarnt werden können, was die Arbeit der Beamten hätte behindern können.

Corona-Gerüchte in Illertissen und Umgebung

Doch nicht nur online wird getratscht. Die analogen sprichwörtlichen Buschtrommeln sind auch im digitalen 21. Jahrhundert nicht verstummt. Im Landkreis geht das Gerücht um, das Ordnungsamt würde Mitarbeiter als Lockvögel einsetzen, um Bäckereiverkäuferinnen zu überlisten, die die Maskenpflicht in den Filialen nicht durchsetzen.

Maskenpflicht: Gerüchte um Corona-Lockvogel im Landkreis Neu-Ulm

Passiert sein soll das wahlweise in Illertissen, Nersingen oder Bellenberg. Allein schon die derzeitige Rechtslage belegt, dass da nichts dran sein kann. Verkäufer und Verkäuferinnen haften nicht für Maskenverweigerer in ihren Geschäften. Verbraucher zahlen das Bußgeld in diesem Fall selbst.

Was haben diese beiden aktuellen Beispiele gemeinsam? Sie zeigen, dass es aus verschiedenen Gründen ratsam sein kann, Dinge zu hinterfragen, bevor man sie verbreitet. Insbesondere online, denn auch dort tummeln sich viele Falschmeldungen und oft reicht schon ein Klick, um sie mit allen Freunden zu teilen. Einen wichtigen Hinweis, ob eine Neuigkeit stimmt oder nicht, kann die Quelle liefern. Kommt sie von einer vertrauenswürdigen Person oder einem seriösen Medium?

Verantwortungsvoller Umgang mit Informationen ist wichtig

Sie erkennen eine gewisse Ironie darin, dass ausgerechnet eine Journalistin vor dem Verbreiten von irgendwelchen Neuigkeiten warnt? Stimmt. Journalisten teilen ihre Geschichten aber nicht einfach so. Wir fragen nach: In diesen Fällen bei der Polizei, dem Gewerbeamt, den angeblich betroffenen Bäckereien.

Am Ende des Tages liegt es aber an uns allen, verantwortungsvoll mit Informationen umzugehen. Öffentlich über alle Themen diskutieren und berichten zu können, ist integraler Bestandteil unsere Demokratie. Miteinander kommunizieren, sich austauschen, Geschichten erzählen gehört zu unserem Alltag. Wir sollten es nur auf eine Weise tun, die niemand schadet.

Wenn es also wieder besonders heftig brodelt in der Gerüchteküche, einfach mal den Herd abdrehen.

Lesen Sie dazu auch diese Berichte:

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