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Illertissen

15.01.2019

Ärger im Illertisser Süden: Ein Landwirt sieht sich in der Zwickmühle

Milchviehhalter Andreas Vill stapelt Grassilage meterhoch auf seinen Feldern vor Illertissen – viele finden das nicht schön. Doch der Unternehmer hat Gründe.
Video: Jens Carsten

Plus Andreas Vill will mit seinem Hof umsiedeln. Die umstrittenen Pläne eines Investors sieht er als Chance – aber es sei nicht die einzige: „Der Preis muss passen“

Ganz Illertissen scheint in diesen Tagen über diesen Hof zu reden – mal wieder: Im Fokus zu stehen, daran dürfte sich Landwirt Andreas Vill inzwischen gewöhnt haben. Seit längerer Zeit gibt es Streit mit Anwohnern, es geht um Geruchsbelästigungen. Das Problem: Über die Jahre ist das Wohngebiet nahe an den Hof gerückt. Nun kommen sich wirtschaftliche Interessen und der Wunsch nach ungestörtem Wohnen ins Gehege. Eine Folge ist weithin sichtbar: Eine viele hundert Meter lange Mauer aus grün-weißen Ballen stapelt sich auf dem Anwesen am südlichen Ortsrand. Manch einer spricht von einer Provokation. Doch Vill betont: „Ich habe keine andere Möglichkeit.“

Er könne sein Silo wegen der beanstandeten Emissionen derzeit nicht wie gewohnt betreiben, ab Ende März gar nicht mehr: Die bislang rund 500 Ballen werden sich dann vervielfachen, sagt Vill. Das gehe eben nicht anders. Auch wenn es aufwendig, teuer und wegen der vielen Plastikfolien auch umweltschädlich sei. Aber er müsse seinen Hof bewirtschaften. Oder aber umsiedeln. Auch darüber wurde in Illertissen diskutiert: Der Landwirt hat Flächen im Ried, bräuchte aber für sein etwa 18000 Quadratmeter großes Areal im Illertisser Süden einen entsprechenden Kaufpreis, um den Umzug finanzieren zu können. Da gehe es zum Beispiel um Gebäude am jetzigen Standort, die betriebswirtschaftlich noch nicht abgeschrieben sind. „Der Preis muss stimmen“, bekräftigt Vill im Gespräch mit unserer Redaktion. Und betont: „Ich will mich nicht bereichern, aber ich brauche einfach das Geld, um etwas Neues aufzubauen.“ Ob sich die gewünschte Summe jedoch erzielt lässt, ist offen. Eine Chance dazu sieht Vill in den Plänen des Münchner Investors Frank Multerer, der wie berichtet kürzlich eine Idee für die Entwicklung der Flächen vorgestellt hat (Mehr dazu gibt es hier: Ein Münchner Investor hat große Pläne für den Illertisser Süden ).

Illertisser Süden: Investor plant Häuser, Supermarkt und Konzerthalle

Mehrfamilienhäuser sollen entstehen, dazu ein Supermarkt und auch eine Veranstaltungshalle ist in der Skizze eingezeichnet. Werde das alles so umgesetzt, könnte die Familie Vill mit entsprechenden Einnahmen rechnen, sagt Multerer. Seinen Vorschlag hat er ins Rathaus geschickt, Bürgermeister Jürgen Eisen will ihn den Stadträten in einer der anstehenden Sitzungen vorlegen.

Schon jetzt wird darüber gesprochen, es gibt geteilte Meinungen. Fair und sachlich wolle man die Idee prüfen, sagt etwa CSU-Fraktionsvorsitzender Ewald Ott. Allerdings müsse die Stadt die Planungshoheit im Süden behalten – und die übt sie derzeit schon aus. Momentan wird ein Konzept erarbeitet, das auch Vills Land berücksichtigt. Die Pläne sollen bald präsentiert werden (Mehr dazu lesen Sie hier: Illertissen soll in Richtung Süden wachsen).

Pläne: Landwirt ist für größere Wohnanlagen

Ob sich die Stadträte im Süden einen Supermarkt oder Mehrfamilienhäuser vorstellen können, ist fraglich. Eines von beiden wäre aus Vills Sicht aber die Voraussetzung dafür, dass der Kaufpreis ausreichend hoch ausfällt. Ein Investor, der als Käufer auftritt, wolle das Areal dann schließlich vermarkten. Ob sich der gewünschte Effekt durch „kleine Häuser mit schönen Gärten“ erzielen lasse, so wie sich mancher Stadtrat das neue Wohnen dort vorstelle, sei unsicher, sagt Vill. Ohnehin gehe der Trend hin zu größeren Wohnanlagen mit vielen Einheiten. Wegen der Immobilienpreise, aber auch wegen des sogenannten „Flächenfraßes“.

Dieser Anblick ist schon so manchem aufgefallen: Eine Wand aus weißen grünen Ballen liegt vor dem südlichen Ortseingang von Illertissen. Um die Landwirtschaft ging es nun in einer Bürgerversammlung in Illertissen.
Bild: Jens Carsten


Und der von Multerer geplante Supermarkt? Den sehen einige Illertisser dort im Süden falsch platziert – er würde den Einzelhandel in der Innenstadt ausbluten, sagen sie. Landwirt Vill kann das nicht nachvollziehen: Aus seiner Sicht ist die Fehlentwicklung vor Jahren in die Wege geleitet worden, Beispiele seien die Ansiedlungen von Aldi und V-Markt. Er sieht Potenzial für einen weiteren Markt mit Parkplätzen: „Der Verbraucher will heute ja am liebsten in den Supermarkt hineinfahren.“ Und dort günstige Produkte einkaufen – weshalb Landwirte eben effektiv produzieren müssten. Was das jedoch bedeute, dafür hätten wenige Menschen Verständnis, glaubt Vill, der 350 Rinder hält, davon 180 Milchkühe. „Ich bin in der Zwickmühle“, sagt der Landwirt. Zwar kann er seinen Hof zwar weiter betreiben, ihn zukunftssicher auszugestalten sei allerdings nicht möglich. Vill denkt an Neuerungen wie das Tierwohl-Label, das demnächst eingeführt werden solle. Am jetzigen Standort könne er die Ställe nicht umbauen.

Umsiedlung von Landwirt Vill könnte zwei Jahre dauern

Der Umzug ins Ried, der samt der Neubauten ein bis zwei Jahre dauern könnte, soll bald in die Wege geleitet werden: „Lieber früher als später“, sagt Vill, der auf eine schnelle Lösung hofft. Die müsse aber nicht unbedingt in Form von Multerers Plänen kommen, auch ein anderes Konzept sei denkbar. Den Zuschlag bekäme der Käufer, der den passenden Preis bietet. Bis es soweit ist, wird die Mauer aus Silage noch wachsen. Und in Illertissen weiter über den Hof gesprochen werden.

Im Illertisser Süden prallen widersprüchliche Interessen aufeinander: Sind sie unvereinbar? Möglicherweise. Warum, das erklärt unser Redakteur Jens Carsten in seinem Kommentar: Illertisser Süden: Die Interessen passen nicht zusammen

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