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Illertissen

17.12.2018

Ärger um Notaufnahme: Illertisser Bürgermeister greift Klinikchefs an

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Die Meldung über die Schließung der Notaufnahme hat in der vergangenen Woche für Aufsehen gesorgt. Der Illertisser Bürgermeister ärgert sich darüber, wie das mitgeteilt wurde: „Die Kommunikation ist unterirdisch schlecht.“
Bild: Felicitas Macketanz

Plus Das Ende der Notaufnahme in Illertissen ist nur eine Formalie, aber der Unmut in der Stadt ist groß. Bürgermeister Eisen wirft der Krankenhausleitung Fehler vor und fordert Konsequenzen.

Diese Nachricht hat im südlichen Landkreis Neu-Ulm hohe Wellen geschlagen: Die Notaufnahme der Illertalklinik in Illertissen soll es in Zukunft nicht mehr geben – wörtlich war im Krankenhausausschuss von einer „Schließung“ die Rede. In Illertissen sorgte das für großes Aufsehen: Spätestens seit dem Ende der Geburtenabteilung am örtlichen Krankenhaus gibt es Befürchtungen, die medizinische Versorgung könnte Schritt für Schritt abgebaut werden. Im Hintergrund steht das millionenschwere Defizit der drei Kreiskliniken. Nun geht es also um die Illertisser Notaufnahme. Über sie ist eine Diskussion entflammt: Die Klinikleitung setzte am Montag einen Pressetermin an – derweil übte der Illertisser Bürgermeister Jürgen Eisen im Gespräch mit unserer Redaktion deutliche Kritik am Vorgehen der Verantwortlichen.

Illertalklinik: Kein Patient wird abgewiesen

Ändern werde sich für die Patienten in Illertissen nichts: Das bekräftigten Vertreter der Klinikleitung am Montag. Niemand werde abgewiesen, versichert der Medizinische Direktor der Kreisspitalstiftung, Andreas Keller. Wichtig sei aber, dass Patienten, die auf schnelle Hilfe angewiesen sind, diese sofort bekommen und nicht erst von Klinik zu Klinik gefahren werden müssen – zumal es in Illertissen anders als in Weißenhorn kein kardiologisches Zentrum gibt. Rettungsdienste sollen künftig nur noch das Weißenhorner Krankenhaus anfahren, dort werde die Diagnostik gemacht und dann weiter entschieden. Das spare Zeit. Der Grund für diese Änderung ist ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses für Ärzte und Krankenhäuser in dem festgelegt wird, welche Kriterien ein Krankenhaus erfüllen muss, damit es eine Notaufnahme betreiben kann. Als Stufe eins wird die Basisnotfallversorgung bezeichnet. Heißt: Eine Klinik dieser Kategorie muss unter anderem sechs Intensivstationsbetten zur Verfügung haben sowie eine Chirurgie und eine Abteilung für Innere Medizin betreiben. Das sind Vorgaben, die die Illertalklinik nicht erfüllt.

Die Notaufnahme in Illertissen wird offiziell nicht weiter geführt.
Bild: Jonathan Mayer

In Kraft getreten ist der Beschluss bereits im Mai, umgesetzt werden soll er im Januar 2019, sagt die Sprecherin der Kreisspitalstiftung, Edeltraud Braunwarth. Warum so lange mit der Nachricht der Schließung der Illertisser Notaufnahme gewartet wurde? „Wir mussten erst intern sehen, wie wir im Haus damit umgehen“, sagt sie. Dann sei das Thema im Ausschuss gelandet – und letztlich an die Öffentlichkeit gelangt.

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Bürgermeister Eisen ärgert sich über Kommunikation

Und genau dieser Weg ärgert den Illertisser Bürgermeister Jürgen Eisen: „Die Kommunikation ist unterirdisch schlecht.“ Er ärgert sich darüber, wie von der Kreisseite in Sachen Kliniken vorgegangen wird. „Ich bin auf 180.“ Das habe er Landrat Thorsten Freudenberger auch wissen lassen. Die Illertisser Notaufnahme sei plötzlich in den nicht-öffentlichen Unterlagen zur Kreistagssitzung thematisiert worden. „Und da musste man schon sehr genau lesen“, sagt Eisen, der vorab eine Nachricht erwartet hätte. Immerhin sei die Illertalklink für den südlichen Landkreis von großer Bedeutung und die Zukunft des Krankenhauses deshalb sei ein sensibles Thema. Auch wenn es letztlich nicht um eine komplette Schließung geht und Patienten weiter versorgt werden: „Das kam aus heiterem Himmel“, kritisiert Eisen. Weder Klinikleitung noch Landrat Thorsten Freudenberger müssten wundern, wenn sich „der Süden“ nicht ernst genommen fühlt.

Rettungsdienste werden künftig Weißenhorn ansteuern.
Bild: Alexander Kaya

Geärgert hat sich Eisen auch darüber, dass die Kliniken auf der Tagesordnung für die Kreistagssitzung so weit nach hinten gesetzt wurden – was zur Folge hatte, dass der Punkt mit Blick auf die fortgeschrittene Uhrzeit schließlich abgesetzt wurde. „Als wollte man gar nicht darüber diskutieren“, sagt Eisen, der das nach eigenen Worten nicht nachvollziehen kann. Es handele es sich bei den Kliniken um ein folgenreiches Thema für die Menschen. „Das hätte nach vorne gehört.“ In seiner Funktion als Kreisrat hatte Eisen eine ausführliche Stellungnahme vorbereitet. In der wollte er unter anderem darauf zu sprechen kommen, dass bei den laut neuer Bestimmungen als unzureichend geltenden Notaufnahmen (wie Illertissen) nach seinen Recherchen angeblich eine Übergangsfrist von fünf Jahren (und damit bis 2023) eingeräumt werden kann. Das sei im Illertisser Beispiel von der Klinikleitung gar nicht thematisiert worden.

Kliniken im Kreis Neu-Ulm: Sondersitzung des Kreistags

Wie zu erfahren war, soll zu den Kliniken demnächst eine Sondersitzung des Kreistags stattfinden. Bei der dürfte Kritisches zu hören sein: Nicht einzusehen ist aus Sicht von Eisen, dass Personalkosten für das unlängst bekannt gegebene Defizit von 12,6 Millionen Euro für 2017 mit verantwortlich gemacht werden. Dieser Posten sei „einfach zu kalkulieren“, sagt der Illertisser Verwaltungschef. „Wenn ich nicht mal meine Löhne im Griff habe, ist das schlecht.“ Eisen hält die Klinikleitung für überfordert. Geht es nach ihm, sollte über personelle Konsequenzen an der Spitze nachgedacht werden. Davon ausnehmen würde er Stiftungsdirektor Marc Engelhard, der erst seit Anfang 2018 im Amt ist und die Misere folglich nicht mit verschuldet haben könne.

Übt deutliche Kritik an der Klinikleitung: der Illertisser Bürgermeister Jürgen Eisen.
Bild: Roland Furthmair (Archiv)

Das ist noch nicht alles, was dem Bürgermeister in Sachen Kliniken zu Denken gibt: So sei Anfang 2018 davon gesprochen worden, die Illertalklinik zu einer Portalklinik auszubauen. Niedergelassene Ärzte sollten dort Räume vorfinden und sich Einrichtungen teilen. Eisen: „Seitdem war das kein großes Thema mehr.“ Das alles erwecke bei manchem Bürger den Eindruck, dass der Standort Illertissen keinen besonders hohen Stellwert im Gefüge der Kreiskliniken besitzt.

Von Landrat Thorsten Freudenberger erwartet der Illertisser Bürgermeister im kommenden Jahr ein tragfähiges Konzept für die drei Kliniken – und zwar eines, das für den Süden vertretbar ist. Die grundlegende medizinische Versorgung müsse gegeben sein, immerhin zahle man ja auch mit. Eisen rechnet vor: Nehme die Stadt Illertissen eine Million Euro an Gewerbesteuern ein, flössen davon rechnerisch 40 Prozent an den Landkreis. Auch wenn die Schließung der Illertalklinik als Notfallambulanz nur auf dem Papier stattfindet und Bürger weiter versorgt werden – Eisen hegt durchaus den Verdacht, dass man das Krankenhaus „klein redet“. Wenn dann die Patienten weg blieben, lasse sich die Einrichtung leicht dicht machen. Das allerdings wolle man in Illertissen nicht hinnehmen: Wer das vorantreibe, „kann sich bei der nächsten Wahl warm anziehen“.

Darum geht es bei der Debatte um die Illertisser Notaufnahme: Notaufnahme an der Illertalklinik wird gestrichen

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