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Illertissen

06.01.2019

Ärger um Nuxit und Kliniken: Beim Empfang rappelt’s im Gebälk

In Illertissen ist im vergangenen Jahr einiges erreicht worden, 2019 soll es mit ähnlichem Tempo weitergehen: Darüber sprach Bürgermeister Jürgen Eisen (rechts im Bild) beim Neujahrsempfang in der Schranne.
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In Illertissen ist im vergangenen Jahr einiges erreicht worden, 2019 soll es mit ähnlichem Tempo weitergehen: Darüber sprach Bürgermeister Jürgen Eisen (rechts im Bild) beim Neujahrsempfang in der Schranne.
Bild: Jens Carsten

Plus Die Besucher der Empfänge in Illertissen dürfen traditionell deutliche Worte von Bürgermeister Jürgen Eisen erwarten. Auch heuer wurden sie nicht enttäuscht.

Wer zum Neujahrsempfang in die Schranne kommt, der interessiert sich für seine Heimat – das stellte Bürgermeister Jürgen Eisen am Sonntagabend an den Anfang seiner Rede. Und sprach damit zahlreiche Bürger an: Noch mehr Besucher hätten nämlich schwerlich in das historische Gebäude gepasst, es war schwer, noch einen Stehplatz zu finden. Der Empfang der Vöhlinstadt ist offenkundig zu einer beliebten Veranstaltung geworden. Regelmäßige Besucher sind von Bürgermeister Eisen deutliche Worte gewohnt. Die gab es auch gestern. Der Illertisser Rathauschaf nahm sich den Nuxit und die Zukunft der Kreiskliniken vor – da rappelte es gewissermaßen im historischen Gebälk der Schranne. Oder zumindest darunter.

Run Bike Rock: Gelungene Premiere in Illertissen

Zunächst blickte Eisen auf seine Neujahrsrede von 2018 zurück, als eine Art persönliche Bilanz. Einige Wünsche wurden erfüllt: Die Premiere des Sport-Kultur-Events Run-Bike-Rock glückte, das Jugendparlament wurde wieder ins Leben gerufen und unterhalb der Schlossanlage wird ein kleiner Park entstehen. Viel sei 2018 in Illertissen geschehen, auch dank solider Finanzlage, so Eisen. Die Stadt stehe gut da, Dynamik und Tatendrang seien spürbar. Das Stadtbild verändere sich zusehends, Beispiele seien die Aussegnungshallen in Tiefenbach und Illertissen, das neue Museum und der abgeschlossene erste Bauabschnitt der Vöhlinstraße. Möglich sei der Fortschritt durch den Zusammenhalt der Menschen in Illertissen, sagte Eisen. Dazu zählte er auch die 170 rührigen Vereine und die erfolgreichen Unternehmen. Nur durch sie könne die Vöhlinstadt ein Ort sein, in dem es sich gut arbeiten, wohnen und leben lasse. Stadtrat und Verwaltung seien bemüht, Gastronomie und Handel zu unterstützen. Veranstaltungen wie die Konzertserie auf dem Marktplatz sollen Menschen (und Kunden) anlocken.

Die Zukunft der Illertalklinik wird Illertissen auch 2019 beschäftigen.
Bild: Felicitas Macketanz


Ernst wurde Eisens Miene, als er auf die Situation der Kreiskliniken mit ihrem millionenschweren Defizit zu sprechen kam. Eine drohende ärztliche Unterversorgung beschäftige heutzutage die Menschen bis in die kleinste Gemeinde hinein. Er spielte damit auf die Befürchtungen vieler Bürger in Illertissen und der Umgebung an, dass die Illertalklinik trotz anderslautender Ankündigungen im Zuge von Sparmaßnahmen geschlossen werden könnte. Eisen sprach sich für Subventionen aus: Nach seinen Informationen schreibe jede zweite Klinik in Bayern rote Zahlen – die Politik sollte das im Sinne der Menschen vor Ort akzeptieren. Ein Krankenhaus müsse eine Anlaufstelle sein, dabei komme es nicht auf die Lage, sondern auf das Management an, sagte Eisen. Ein zentraler Neubau (anstatt der drei jetzigen Kliniken) könne ein guter Weg sein, wenn verschiedene Standorte in einem Gutachten geprüft worden sein. Die neue bayerische Staatsregierung habe angekündigt, Klinikstandorte unterstützen zu wollen. Eisen: „Ob sie Wort hält, wird sich zeigen.“

Zahlreiche Straßenbaumaßnahmen stehen in diesem Jahr an.
Bild: Jens Carsten


Finanzielle Hilfe aus München könnte auch im Falle des Nuxits gefragt sein, also wenn Neu-Ulm aus dem Landkreisverband aussteigt – denn die größte Stadt bezahlt viel Geld in die Kreiskasse ein. Sollte der Landtag den Austrittswunsch positiv bescheiden, sei er dafür verantwortlich, dass der Landkreis keine finanziellen Nachteile erleidet, sagte Eisen. Immerhin sei die Kreisfreiheit laut Gemeindeordnung an die Voraussetzung geknüpft, dass die finanzielle Leistungsfähigkeit des Kreises erhalten bleibt. Die sieht Eisen ohne Neu-Ulm aber in Gefahr: Die Entscheidungsträger auf Landesebene dürften sich daher, wenn es um die Kosten geht, nicht aus der Verantwortung stehlen – so wie bei der Abschaffung der Straßenausbaubeitragssatzungen. In Sachen Nuxit forderte Eisen vom Landtag eine schnelle Entscheidung: „Die Stimmung im Kreistag ist alles andere als vergnügungssteuerpflichtig.“ Im Falle eines Austritts müssten Behörden und Einrichtungen fair verteilt werden. Auch das sollte der Landtag übernehmen.

Trotz dieses Unmuts biete Illertissen viel Lebensqualität. Die soll durch neuen Wohnraum, mehr Kinderbetreuungsplätze und neue Freizeitangebote wie etwa den DAV-Kletterturm im Jahr 2019 noch vergrößert werden. Eisen machte den Zuhörern in der Schranne Mut, sich bei den Kommunalwahlen 2020 politisch einzubringen. „In einer Kommune kommt es darauf an, mit anderen zusammenzuwirken.“ Man müsse deshalb ja nicht gleich in eine Partei eintreten.

Die Notaufnahme in Illertissen sorgte unlängst für heftige Debatten: Mehr darüber lesen Sie hier: Ärger um Notaufnahme: Illertisser Bürgermeister greift Klinikchefs an

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