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Illertissen / Altenstadt

03.05.2019

Ärgernis A7: Drei Gemeinden kämpfen gemeinsam für ein Tempolimit

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Die A7 ist eine wichtige Verkehrsanbindung – doch die Anwohner bekommen die Schattenseiten wie Lärm und Unfälle (hier ein Archivfoto) hautnah mit. Illertissen, Altenstadt und Kellmünz wollen sich für ein Tempolimit einsetzen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Illertissen, Altenstadt und Kellmünz wollen erreichen, dass die Autobahndirektion die Höchstgeschwindigkeit senkt. Gibt es eine Chance auf Erfolg?

Auch wenn diese Entscheidung nicht in kommunaler Hand liegt – gemeinsam könnte der Einsatz für ein Tempolimit auf der A7 Aussicht auf Erfolg haben: Davon geht man in Altenstadt aus, wo der Marktrat schon Anfang April einen Vorstoß in diese Richtung beschlossen hat. Als Partner im Geiste könnten sich Illertissen und Kellmünz in diese Interessengemeinschaft einbringen, hieß es. Immerhin leiden die Bürger aller drei Kommunen unter dem von der A7 ausgehenden Lärm. Aber auch unter den zahlreichen Unfällen auf der Autobahn. Zumindest indirekt.

Ist die A7 gesperrt, wird es auf Illertisser Straßen voll

Ein Beispiel: Ist die Autobahn wegen eines Zusammenstoßes gesperrt, steigt das Verkehrsaufkommen in der Illertisser Ortsdurchfahrt merklich. Ein anderes: Im Februar musste die A7 bei Altenstadt wegen plötzlich entdeckter Straßenschäden gesperrt werden – die Folge waren ein Mega-Stau bis zum Memminger Kreuz und eine völlige Überlastung der Orte Dettingen, Kleinkellmünz und Kellmünz.

Volle Fahrbahn: In Richtung Süden wird es manchmal eng.
Bild: Alexander Kaya

Klar ist: Die oft gepriesene Verkehrsanbindung kann zum Ärgernis werden. Kann ein Tempolimit auf der A7 helfen? Im Illertisser Stadtrat gibt es geteilte Meinungen: Die Diskussion darüber wurde dank zahlreicher Wortmeldungen zu einer grundsätzlichen – über Sinn und Unsinn von Tempolimits, über motorisierten Verkehr und die Autoindustrie allgemein. Am Ende fiel der Entschluss nicht einstimmig aus.

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Lärm entsteht wohl durch Reifengeräusche

Er sei für ein Tempolimit – das stellte Bürgermeister Jürgen Eisen (CSU) zu Beginn der Diskussion fest. „Wir haben eine Chance, wenn wir gemeinsam auftreten.“ Bei der Autobahndirektion wirke es nachdrücklicher, wenn die Bürgermeister aus drei Kommunen aufträten. Der belastende Verkehrslärm entstehe hauptsächlich durch die Reifengeräusche und die seien bei geringeren Geschwindigkeiten nicht so stark ausgeprägt, so Eisen. Geht es nach ihm, dann muss das Limit in Kraft treten, bevor die Autobahn dreispurig ausgebaut wird. „Wenn erst die Lärmschutzwände stehen, braucht man es auch nicht mehr.“ Die Bürger in Tiefenbach, Jedesheim und Betlinshausen würden davon profitieren, so der Bürgermeister.

Das bezweifelte Rat Wilhelm Fischer (CSU): Die Zahl schwerer Unfälle lasse sich durch eine verordnete Tempo-Reduktion nicht verringern, sagte er. Das zeige sich in anderen Ländern. Außerdem seien Lastwagen für den größten Lärm verantwortlich und die führen ohnehin nur 80. Um weniger Kohlendioxid zu produzieren, müssten sich mehr Bürger aufs Fahrrad oder in den Zug setzen, stellte Fischer fest. Und bemerkte: „In Deutschland profitieren wir von der Autoindustrie.“

Verkehrschaos: Diese Baustelle hat einen Mega-Stau ausgelöst.
Bild: Alexander Kaya

Völlig anders beurteilte die Sache Rüdiger Stahl (ÖDP/AB/Grüne): Es sei Unsinn, zu behaupten, ein geringeres Tempo werde den Ausstoß von Kohlendioxid nicht reduzieren. „Kein Tempolimit zu machen, ist unverantwortlich.“ Zumal sich auf der A7 in der Region „seltsamer Weise“ viele Unfälle ereigneten.

Er fahre gerne mal mit 200 Sachen, wenn es die Verkehrslage hergebe – das sagte Andreas Lanwehr (Freie Wähler). Ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen halte er als Vielfahrer für „nicht sinnvoll“. Und für nicht notwendig: Auch wenn er „nur“ mit 160 unterwegs sei, werde er selten überholt. Folglich werde gar nicht so heftig und häufig gerast, wie gemeinhin oft behauptet werde. Zum Lärmschutz ließen sich auch Mauern aufstellen.

Auch mitten in Illertissen ist der Lärm zu hören

Eine andere Bewertung gab seine Fraktionskollegin Heidi Ritsche-Thoma: Auf ihrer Terrasse im Saumweg (quasi mitten in Illertissen) sei der Lärm der Autobahn derart penetrant, dass man sich mitunter gar nicht mehr hinaussetzen wolle. „Ich habe das Gefühl, dass es in letzter Zeit immer schlimmer geworden ist.“

Weshalb es auf der A7 bei Altenstadt häufig kracht, dazu hatte Ansgar Bauer (Freie Wähler) eine Vermutung: Die Ursache sei „bautechnischer Art“. Wer dort nämlich überhole, müsse sich in einer Linkskurve wieder rechts einordnen. Von einem „Krieg auf der Autobahn“ sprach Uwe Bolkart (CSU). Je schneller und schwerer die Fahrzeuge würden, desto aggressiver seien die Fahrweisen. In der Folge ereigneten sich Unfälle: „Drei Mal in der Woche ist die Autobahn gesperrt, dann fährt alles durch Illertissen.“

Gegen Raser: Ein Tempolimit könnte Unfälle verhindern, heißt es.
Bild: Alexander Kaya

Andere Länder hätten gute Erfahrungen mit Tempolimits gemacht, sagte Helga Sonntag (ÖDP/AB/Grüne): Mit 120 lasse es sich einfach wesentlich entspannter reisen. Besucher aus Frankreich hätten auf der Fahrt nach Illertissen sogar regelrecht Angst, sobald sie in Deutschland auf die Autobahn führen, sagte die Präsidentin des Partnerschaftskomitees Illertissen-Carnac.

Es ging hin und her in der Debatte – und das zeigte sich auch bei der Abstimmung: Eine Mehrheit war für den Vorstoß in Sachen Tempolimit, es gab fünf Gegenstimmen.

In Kellmünz steht ein Beschluss des Marktrates zur Beteiligung an der Initiative noch aus. Die soll am Montag, 6. Mai, in einer Ratssitzung Thema sein. Gibt es einen positiven Beschluss, könnten die drei Kommunen ihr weiteres Vorgehen in der Sache nun ganz offiziell absprechen und gemeinsam bei der Autobahndirektion vorsprechen.

Die A7 gibt in der Region immer wieder Anlass für Ärger - aber auch andere Verkehrsprojekte:

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