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Illertissen

25.02.2019

Akkordeonspieler zaubert in der Schranne ein ganzes Orchester herbei

Alexandre Bytchkov hat in der Schranne in Illertissen mit virtuosem Spiel begeistert. Auf der Bühne wirkte er sehr konzentriert.
Bild: Regina Langhans

Mit seinem Akkordeonspiel fasziniert Alexandre Bytchkov 250 Zuhörer in der Illertisser Schranne.

Ein Konzertabend mit dem zweifachen deutschen Akkordeonmeister Alexandre Bytchkov – das klingt nicht sehr alltäglich. Und könnte den einen oder anderen Musikfreund interessieren. 250 Zuhörer sind zu „Kultur im Schloss“ nach Illertissen gekommen. Der russische Musiker – seit 20 Jahren wohnhaft in Mainz – zog aber auch alle Register, wie es so schön heißt, um Orchester-, Violin- oder Orgelklänge in die Schranne zu zaubern. Das Publikum zeigte sich von den ersten Takten an begeistert.

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Bei diesen handelte es sich nicht um irgendwelche, sondern um den Auftakt zu Johann Sebastian Bachs bekannter Toccata in d-Moll. Bytchkov spielte das Orgelpräludium und die zugehörige Fuge auf seinem Konzertakkordeon so meisterlich, dass in den Spielpausen ein kollektives Atemanhalten zu verspüren war: Wann kommt der nächste Akkord, wie klingt er? Was folgte, war grandios und mündete in einen sich fortsetzenden Schwall von Tönen. Und darauf in eine ruhiger dahinplätschernde Fuge. Noch einmal Barockmusik gab es mit der fröhlichen Sonate in C-Dur von Domenico Scarlatti, gefolgt von einer romantischen Serenade von Franz Schubert. Titel für Titel setzte Bytchkov den schon hoch angesetzten Erwartungsbogen fort – und stellte dabei die Vielseitigkeit seiner Kunst unter Beweis. Nach dem Ausflug in die Musikhistorie machte der Akkordeonist einen Schwenk zu zeitgenössischen Komponisten seiner russischen Heimat.

Er begann mit „Da eilt die Postkutsche“ von Yuri Peschkov, der 1940 geboren wurde. Es ist ein Stück mit traditionellen Anklängen, das Bytchkov furios mit viel russischer Seele vortrug. Ganz anders das schwermütig klingende, akkordreiche Klavierpräludium von Dimitri Schostakowitsch (1906 bis 1975). Er hatte unter den Kommunisten zu leiden, und Bytchkov nannte das Stück „ein Gebet“. Mit Georgi Sviridov und Viktor Vlasov gab es weitere russische Komponisten zu hören. Neuerliche Abwechslung brachten Stücke der unterhaltsameren Musik, was für den Interpreten aber keineswegs leichteres Spiel bedeutete. Es folgten Astor Piazzolla mit „Libertango“ und „Chiquilin de Bachin“ als Bearbeitungen Bytchkov. Beim Spiel schienen seine Finger über die Tasten nur noch zu huschen, zu tanzen oder zu gleiten – stets mit höchster Präzision. Dafür hatte er sein Konzertakkordeon, das ungefähr den gleichen Tonumfang wie ein Klavier besitzt, gegen ein „normales“ eingetauscht. Weitere Titel waren der Tango „Love Smiles“ (Pietro Frosini), das jazzige „Blue Moon“ (Richard Rodgers), „Tico, Tico“ (Zeqhuinha de Abreu), „Regenschirme von Cherbourg“ (Michel Legrand), “Flambée Montalbanaise“ (Gus Viseur). Mit dem Concerto Grosso in d-Moll von Antonio Vivaldi war Bytchkov wieder im Barock angelangt und damit am Ende des Konzerts. Diesmal überzeugte er mit den Klängen des Streichorchesters: Kurze Bogenstriche ahmte er durch besondere Zugtechnik nach.

Akkordeonspieler zaubert in der Schranne ein ganzes Orchester herbei

Nach zweistündigem Akkordeonspiel zog der Meister noch Zugaben aus der Tasche. Warum er sein Instrument liebe, hatte Bytchkov schnell erklärt: „Weil ich auf ihm alles spielen kann.“ Nicht umsonst habe es ein Orgelbauer erfunden.

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