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05.03.2009

Allein auf weiter Flur

Babenhausen (clb) - "Wenn Paul trotz guter Noten keine Lust mehr auf die Schule hat, Sarah ständig mit kaputten Federmäppchen heimkomme oder der fröhliche Jens lieber daheim spiele", sagte Gabriele Petersen-Ostroga, könne dies für Eltern ernste Anzeichen für Mobbingfolgen sein. Denn "Mobbing" ist kein neues Phänomen, sondern gerade in Schulen bereits weit verbreitet, sagte die Diplom-Psychologin aus Illertissen bei einer Infoveranstaltung in der Babenhauser Grundschule.

"Man steht allein auf weiter Flur", berichtet die Mutter eines Mädchens über eine Erfahrung, die zahlreiche Eltern sowie Schüler mit Mobbing bereits gemacht haben. Die größte Suchmaschine im Internet verzeichne doppelt so viele Zugriffe auf "Mobbing in der Schule" wie auf "Mobbing am Arbeitsplatz", so die Psychologin.

Auf Einladung der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG) im Landkreis Unterallgäu referierte die auch durch Vortragstätigkeit an der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen bekannte Verhaltenstherapeutin an der Grundschule. Während in den skandinavischen Ländern Mobbing ein Thema sei, das ganz offensiv angegangen werde, hänge man in Deutschland eher hintendran, weiß Petersen-Ostroga: "Keiner möchte darüber sprechen."

An Schulen, an denen Lehrer Gewalt nicht sofort ahndeten, sei Mobbing meistens ein Thema. Denn es gehe nicht nur um offene Gewalt, Schlagen, kurzzeitige Konflikte oder Auseinandersetzungen, sondern vielmehr um subtile Formen, die eine Bandbreite von Situationen betreffen könnten. Ziel mobbender Schüler sei es, Macht über ihr "Opfer" zu gewinnen und es auszugrenzen. "Für Kinder und Jugendliche bedeutet Mobbing eine seelische Traumatisierung, vergleichbar mit den Erfahrungen von Veteranen im Krieg", verdeutlicht die Psychologin: "Solche Quälereien blockieren die emotionale Entwicklung von Kindern." Die Folgen könnten Schulangst, Konzentrationsstörungen und Leistungsknick, aber auch übertriebene Scham, Sprachlosigkeit oder unerklärliche Gewaltausbrüche sein. "Mobbing schädigt nicht nur die Würde, sondern auch das Selbstwertgefühl, die Seele und die Gesundheit Heranwachsender." Eltern, die vermuteten oder wüssten, dass ihr Kind gemobbt wird, müssten ihm unbedingt zuhören, es ernst nehmen und trösten. Um Mobbing vorzubeugen, sollten Lehrer nicht nur bei Gruppenarbeit darauf achten, dass in ihrer Klasse keine Ausgrenzung bestimmter Schüler erfolgen könne. Respekt vor jedem einzelnen Kind, ein gutes Klassenklima und ein faires Lehrer-Schüler-Verhalten seien die beste Prävention gegen Mobbing.

"Durch die Aufgeschlossenheit von Schulleitung und Lehrkräften sind diese Voraussetzungen an der Grundschule Babenhausen bereits vorhanden", erklärte eine Mutter und erhielt dafür bestätigenden Applaus der zahlreichen Besucher.

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