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Illertissen

24.09.2019

Als Kriminelle im Vöhlinschloss weilten

Das Vöhlinschloss: Hübscher Turm mit schauriger Geschichte.
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Das Vöhlinschloss: Hübscher Turm mit schauriger Geschichte.
Bild: Alexander Kaya

Dem Illertisser Schlossturm sieht man seine etwas schaurige Vergangenheit von außen gar nicht an. Welche Geheimnisse sich hinter den alten Mauern verbergen.

Man muss schon sehr den Kopf einziehen und gebückt unter den Betonträgern durchkriechen. Anders kann der Besucher den prächtigen Ausblick nicht genießen, der sich von den Fenstern im fünften Obergeschoß bietet. Dabei wäre der höchste Punkt des Illertisser Vöhlinschlosses geradezu prädestiniert als Aussichtsturm. Das gesamte weite Illertal liegt dem Betrachter zu Füßen, die Stadt wie in einem Modellbaukasten tief unter einem.

Als der Schlossturm der Wasserversorgung diente

Allerdings gäbe es auf dem Weg zu einer touristischen Attraktion schon noch zahlreiche Hürden zu beseitigen: Im Jahr 1908 wurde im Obergeschoss ein Wasserreservoir eingebaut, weiß Albert Vogt senior zu berichten. Der bekannte Illertisser Maler kennt die Räumlichkeiten des einstigen Herrschaftssitzes wie seine Westentasche und die Begeisterung für das historische Gebäude steht ihm ins Gesicht geschrieben. Das Wasser kam damals vom Weiher bei Dattenhausen durch eine Leitung zum Pumpenhaus am Schloss, von wo es in den Behälter im Obergeschoss des Turmes geführt wurde, so Vogt weiter. Unglücklicherweise war der Glockenstuhl dem Bassin im Weg. So wurde er kurzerhand abgebaut und zwei Stockwerke tiefer wieder aufgestellt. Die betagte Glocke mit dem Wappen der Vöhlin durfte es mit Gleichmut hingenommen haben, jedenfalls klingt sie noch heute sehr harmonisch und in keiner Weise nachtragend.

Bis in die sechziger Jahre sei diese Wasserversorgung in Betrieb gewesen, erzählt Vogt. Danach sei der Behälter ausgebaut worden, die Verstrebungen des Fundaments erlauben jedoch keinerlei weitere Nutzung dieses Raumes.

Als Kriminelle im Vöhlinschloss weilten

Ein unbequemes Gefängnis

Auf dem Weg nach oben passiert der neugierige Besucher vier dunkle und recht unwirtlich erscheinende Räume. Es bedarf nicht allzu viel Fantasie, um zu erkennen, was sich hier einst befand: ein Gefängnis. Etwas Komfort gab es dort allerdings doch. Die Zellen konnten durch jeweils einen Kachelofen beheizt werden. Der vormoderne Strafvollzug war zum Glück schon lange Geschichte, als die Räume als Gefängnis genutzt wurden, und der Delinquent genoss zwischenzeitlich einige Rechte. Spartanisch und unbequem muten die wenige Quadratmeter großen Zimmerchen dennoch an. Der Turm beherbergte die verurteilten Straftäter bis zum Bau des neuen Gefängnisses vor den Schlossmauern in den Jahren 1889 und 1890.

Eine Schalung aus französischer Seekiefer trägt die markante Kuppel.

Weitaus freundlicher und zwischenzeitlich zu einem Wahrzeichen Illertissens geworden, thront hingegen die kupferne Zwiebel über der gesamten Schlossanlage. Dass dies nicht immer der Fall war, wissen Viele noch aus eigener Anschauung. Ein Schneesturm wehte im Winter 1983/84 das bisherige niedrige Zeltdach des Turms auf die darunterliegende Brücke. Es war ein Glück, dass sich zu diesem Zeitpunkt niemand auf dieser aufhielt, gibt Vogt zu bedenken. Als es nun um einen zügigen Wiederaufbau ging, ergriff Vogt zusammen mit dem Kreisheimatpfleger Anton Konrad die Gelegenheit und präsentierten den Behörden eine alte Ansicht des Schlosses. Darauf war tatsächlich ein Zwiebelturm zu sehen. Und genau diesen wollte man wieder haben. Schließlich sei das Zeltdach erst 1834 aufgesetzt worden, nachdem der Vorgänger etliche Bauschäden aufwies. Angeblich wäre die damalige Reparatur zu kostenintensiv gewesen, mutmaßt Vogt. So entschied sich möglicherweise der bayerische Staat als Eigentümer des Schlosses für die einfachere, jedoch auch weniger pittoreske Lösung einer Haube. Die heutige, zwölf Meter hohe Kuppel, durfte am 25. Oktober 1984 Richtfest feiern. Eine spezielle Schalung aus französischer Seekiefer trägt die Kupferelemente. So ähnlich muss es ausgesehen haben, als die Vöhlin bis 1756 über ihre Stadt wachten.

Natürlich ist die Zeit nicht spurlos an dem Gemäuer vorbei gegangen. Das Innere des Turms ist arg in die Jahre gekommen. Nichtsdestotrotz darf ein wenig Raum für Visionen bleiben: Möglicherweise wird Illertissen eines Tages ja doch einen Aussichtsturm in dem historischen Gemäuer bekommen. Vielleicht sogar mit einem kleinen Café im Turm ... Nein, das wäre schon wieder zu viel Träumerei. Vielleicht fangen wir ganz bescheiden an.

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