1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Als Vöhringen eine Hochburg des Humors war

Vöhringen

26.02.2017

Als Vöhringen eine Hochburg des Humors war

Prinzenpaar Elli Hammerschmied mit Krönchen und weißem Bolero und Erich Schmid anno 1956, umgeben von Hofstaat und Fanfarenzug im Adlersaal, das „Vergnügungszentrum“ in Vöhringen.
3 Bilder
Prinzenpaar Elli Hammerschmied mit Krönchen und weißem Bolero und Erich Schmid anno 1956, umgeben von Hofstaat und Fanfarenzug im Adlersaal, das „Vergnügungszentrum“ in Vöhringen.
Bild: Sammlung Heim

Einst gab es ein Faschingspaar mit Hofstaat, Elferrat und legendäre Bälle im „Schwarzen Adler“. Ein Rückblick.

Wer hätte das gedacht? Aber Vöhringen war nach dem Krieg eine Hochburg des Faschings „In den Hochzeiten der Fasnacht gab es ein Prinzenpaar, Elferrat, Hofstaat, Umzüge mit Motivwagen und fröhliches Treiben überall.“ Inge Konle und Alois Heinrich schwelgen in fröhlichen Erinnerungen.

Mittelpunkt war stets der Saal des „Schwarzen Adler“, dort wurden die großen Bälle veranstaltet, wo es eine Rutschbahn gab, um vom ersten Stock ins Erdgeschoss zu gelangen, für die Fasnachter eine Mordsgaudi. Das aber ist Vergangenheit. Den Adlersaal gibt es nicht mehr, er musste dem Kulturzentrum weichen. Das große Faschingstreiben vor dem Rathaus am Sonntag der drei tollen Tage, auf eine Initiative des Kulturrings in den 80er-Jahren ins Leben gerufen, starb so langsam vor sich hin. In den Anfangsjahren waren die Besucher immer noch gespannt auf den Wagen der Handballer. Aber der blieb mit den Jahren aus. Übrig geblieben ist der Gumpige Donnerstag, an dem die Mädchen und Buben aus den Kindergärten einen bunten Gaudiwurm bilden. Statt Elferrat und Prinzenpaar gibt es jetzt Brauchtumsgruppen, die versuchen, die Tradition der alemannischen Fasnet wiederzubeleben. Mit Erfolg, wie es scheint. Die Illerberger Wasamolle sind bei ähnlichen Gruppen bei Umzügen sehr gefragt.

Heute schwärmt so mancher ältere Vöhringer von den goldenen Zeiten des Faschings. Da pulsierte überall das Leben, auf der Straße, in den Gaststätten. Inge Konle erinnert sich: „Ich war zusammen mit Hermann Schreiber 1957 Faschingsprinzessin.“ Damals hieß sie noch Inge Horber. „Es hat sehr viel Spaß gemacht.“ Das hübsche Kleid hat sie nach ihren Vorstellungen nähen lassen.

Als Vöhringen eine Hochburg des Humors war

Mit Glanz und Gloria Einzug gehalten

Das erste Prinzenpaar war 1955 Gisela Schultejans, heute Frau Rapp und German Rapp. Umgeben war das Paar von einem Hofstaat. Es gab einen Hofnarren, einen Hofmarschall, der mit Stentorstimme ankündigte, wenn sich die hohen Herrschaften irgendwo anmeldeten, um dann mit Glanz und Gloria Einzug zu halten.

Inge Konle weiß noch, dass man nicht nur im „Adler“ residierte. Auch im Gasthaus Krone, denn dort gab es einen Saal, wo das närrische Volk die Tollitäten begrüßen konnte. Aber es gab auch Stippvisiten im Café Haag, im Schützenheim, im Grünen Baum, heute ein asiatisches Restaurant, im Bräuhaus Lepple und in der Bahnhofsrestauration, die es schon lange nicht mehr gibt. „Man wurde eingeladen und wir gingen dort hin.“ Man ließ sich feiern.

Alois Heinrich erinnert sich noch an die sagenhaften Matrosenbälle im Café Schorer, seit Jahren geschlossen. „Es gab auch Kapellen, die sehr beliebt waren.“ Als Beispiel nennt Heinrich die Band Schwarz-Weiß. Dietenheim, jenseits der Iller, ist heute noch ein Zentrum des Faschings. „Damals“, so erinnern sich Inge Konle und Alois Heinrich, „machte man sich gegenseitig die närrische Aufwartung“.

Ein Besuch in Vöhringen war immer lohnenswert. Da gab es auch einen Fasnachtsgruß, der laut hinaus geschmettert wurde, „Au no – au no!“ (Für Nicht-Schwaben „Auch noch – auch noch!“). Stolz war man in Vöhringen auf die Motivwagen. Das erforderte viel Arbeit. „Da wurden sogar die Lokalpolitik und die große Politik ins Visier genommen. Zum Beispiel die Wahl zum Bayerischen Landtag 1962. Heinrich hat ein Bild, auf dem zu entziffern ist, „…Männer und Frauen wählen getrennt. Die Männer, wie sollte es anders sein, machten bei Schwarz mehr Kreuze hinein.“

Heute schwärmen die beiden von den Tausenden von Besuchern, die nach Vöhringen kamen und die Straße säumten. „Und nach dem Umzug drängte es alle in die Lokale, da war dann Halligalli angesagt“, erinnert sich Inge Konle.

Wenn auch die große Zeit des Faschings in Vöhringen vorbei war, so gibt es immer wieder Gruppen, die an die gute alte Fasnachtszeit erinnern. „Seit es den Sportpark gibt, wurden und werden dort große Bälle veranstaltet“, sagt Alois Heinrich. Für ihn und Inge Konle aber ist die gute alte Fasnachtszeit in Vöhringen als Hochburg des Humors im Illertal Vergangenheit. „Aber eine schöne, an die wir uns gerne erinnern.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren