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Illertissen

12.02.2019

Als die Schulbrüder ins Illertal kamen

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4 Bilder
Auch Unterricht im Freien durfte mal sein: Diese undatierte Aufnahme zeigt eine Gruppe Schüler und Lehrer vor der Kollegskirche. Das Foto könnte kurz nach 1954 entstanden sein.
Bild: Carsten

Das Illertisser Kolleg feiert in diesem Jahr ein bedeutendes Doppeljubiläum. Das führt zunächst in die Dietenheimer Stadtpfarrkirche – und dann in die Kathedrale von Reims.

Illertissen Eigentlich wollten sie ja in Dietenheim bauen, doch das Land dafür gab es auf der anderen Seite der Iller: Wie Schulbrüder nach Illertissen kamen, daran wird sich in diesem Jahr so mancher in der region erinnern. Vielleicht aus alter Verbundenheit, denn der Orden hat die Bildungslandschaft im Illertal bedeutend geprägt. Das wird nun gefeiert, ein Doppeljubiläum steht an: Vor 100 Jahren kamen die schulbrüder ins Illertal und vor 300 Jahren starb deren Ordensgründer Johannes von La Salle. Deshalb findet am Samstag, 16. Februar, in der Dietenheimer Stadtpfarrkirche St. Martinus ein Gottesdienst statt (18 Uhr). Das aber noch nicht alles: Das Jubiläum führt die Schulfamilie des Illertisser Kollegs in die Kathedralen von Reims und Metz.

Reise zu Spuren des Ordensgründers: Die Kathedrale von Reims ist in diesem Jahr eines der Ziele einer Wallfahrt der Kollegs-Schulfamilie.
Bild: Carsten

Der aus adeliger Familie stammende Jean Baptiste de La Salle hatte in seiner Heimatstadt Reims einst eine große Karriere vor sich. Schon in jungen Jahren war er als Domherr und Doktor der Theologie weitum bekannt. Aber er verzichtete auf alle Ämter und gründete 1684 die Gemeinschaft der Brüder der Christlichen Schulen, die Fratres Scholarum Christianorum (FSC), vor allem, um Kindern aus armen Familien Bildung zukommen zu lassen. Diese war bis dahin Privileg adeliger und reicher Knaben. La Salle reformierte das Schulwesen, indem er den Unterricht im Klassenverband einführte und diesen in der französischen Muttersprache der Kinder abhielt.

Schulbrüder: Der Orden verbreitete sich

Seine Ordensgemeinschaft fand weite Verbreitung, und genau vor 100 Jahren kamen die ersten Schulbrüder nach Dietenheim. Dort hatten die Fabrikanten Anton Schupp und Hugo Enz 1912 eine private Realschule gegründet, um den Kindern der wachsenden Arbeiterschaft aus den damals aufstrebenden Dietenheimer Textilfabriken gute Schulbildung zu ermöglichen. Bald nach Ende des Ersten Weltkriegs wurden Schupp und Enz auf die Schulbrüder aufmerksam, die im preußischen Kulturkampf gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach Belgien und Frankreich geflüchtet waren, von dort nach Kriegsende wieder ausgewiesen wurden und sich in Waldernbach im Westerwald sammelten. Diese waren froh, wieder als Lehrer wirken zu können und so kamen die ersten Brüder unter Führung von Gottfried Hart im Jahr 1919 nach Dietenheim. Zu der kleinen Gemeinschaft gehörten unter anderem Reinhold Felgenhauer und Sigismund Kaufmann, die als Lehrer bis in die 1970er Jahre ganze Schülergenerationen prägten. Die Brüdergemeinde wohnte im Dietenheimer Pfarrhof, wo auch ein Klassenzimmer eingerichtet wurde. Weitere Klassen waren in der „Alten Schule“, der heutigen Grundschule, sowie im Rathaus untergebracht. Da dies kein Dauerzustand bleiben konnte, suchten die Schulgründer Schupp und Enz einen Bauplatz in Dietenheim, wo sie aber keinen fanden. Erst 1923 gelang es, auf der anderen Seite der Iller, im damaligen Auer Ortsteil Dornweiler, vom Bruckhofbauern zwei Hektar Grund zu erwerben, wo dann nach zweijähriger Bauzeit 1925 der Schulbetrieb aufgenommen werden konnte. So stehen dem Kolleg in wenigen Jahren noch zwei „Hunderter“-Jubiläen bevor.

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Wo alles begann: der Pfarrhof in der Dietenheimer Königstraße.
Bild: Carsten

Doch zunächst wird der Tatsache gedacht, dass die Brüder 1919 mit ihrer Lehrtätigkeit im Illertal begannen. Diese wurde in der Nazizeit unterbrochen, endete aber erst 2005 mit der Übernahme von Realschule und Gymnasium durch das Schulwerk der Diözese Augsburg – beim Ruhestandseintritt der letzten Brüder und mit deren Wegzug im Dezember 2011.

Zwei große Veranstaltungen werden nun im Frühjahr stattfinden: Am 19. Mai wird das traditionsreiche Stifterfest zum Gedenken an den Ordensgründer von La Salle mit einem Festgottesdienst in der Kollegskirche gefeiert.

Und in den Pfingstferien führt eine Wallfahrt nach Reims, in die Geburtsstadt des Heiligen Johannes von La Salle. Dort werden sich voraussichtlich wieder mehrere hundert Angehörige der Schule, darunter Schüler, Lehrer und Eltern, beteiligen. Und in den berühmten Kathedralen von Reims und Metz werden festliche Gottesdienste mit Chor und Orchester gefeiert. Die Vorfreude in der Illertisser Schulfamilie ist bereits groß.

Das Illertisser Kolleg soll neu gebaut werden - mehr über diese Pläne lesen Sie hier:

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