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Ritzisried

08.02.2018

Als ein Bär durch Ritzisried getrieben wurde

Die Maskengruppe "Därles-Hexen"  aus Oberelchingen. Dort hat das Faschingstreiben eine lange Tradition.
Bild: Horst Hörger (Archiv)

Faschingsbräuche haben in unserer Region eine lange Tradition. Teilweise reichen sie bis in die keltische Zeit zurück. Und die Menschen trauerten den Festwochen sogar nach.

Gerade in der vergangenen, oftmals gar nicht so guten Zeit boten die Faschings- oder Fasnetstage eine willkommene Abwechslung im beschwerlichen Jahreslauf. Nahezu in jedem Ort wurde das Alltagsgewand gegen eine lustige Verkleidung getauscht oder zumindest durch Schminke im Gesicht der Wunsch nach Teilnahme am närrischen Treiben verkörpert.

Einer der ältesten Fastnachtsbräuche, der in modifizierter Form heute noch in Ritzisried praktiziert wird, stellt das „Bärentreiben“ dar: Das war ursprünglich ein in Stroh eingebundener Schuljunge, der mithilfe eines um die Hüfte gebundenen Stricks durch das Dorf getrieben wird. So ist es zumindest um die Jahrhundertwende in Kettershausen dokumentiert.

Mancherorts wurde der „Bär“ von einem Grundschul- oder Kindergartenkind begleitet, das in einem Handwagen lag. Dieses Kind war das sogenannte „Bachele“. Bei der Deutung sind sich die Brauchtumsforscher nicht ganz einig. Manche sehen darin einen ursprünglich keltischen Brauch, wonach der „Bär“ den Winter und das Dunkle symbolisieren soll. Diese hatten ausgedient und sollten aus dem Dorf gejagt werden. Neuere Forschungen datieren den Ursprung des „Bärentreibens“ allerdings erst im Mittelalter. Aber auch hier stellt der „Bär“ etwas Negatives, sogar Böses dar, dem mit dem Lauf durch den Ort der Garaus gemacht werden soll. Auch in Oberelchingen erfolgte kürzlich eine Neubelebung dieses Brauchs.

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Eine kalendarische Einteilung der Fasnet ist aus Weißenhorn überliefert. So begann man, am „Glompig Dooschtig“ mit der Maskierung. Am „pfraunneg Freitig“ bemalten sich die Leute gegenseitig mit Ruß, während am „schmalzig Samschtig“, wie der Name verrät, die Gesichter mit Schmalz eingeschmiert wurden. Vielerorts zogen die Kinder maskiert zu Bekannten und Verwandten, um dort kleine Gaben zu erheischen. Dabei sagten sie Sprüchlein auf, wie beispielsweise:

„I bi dr Ma vo Weißahora

Hau mei Weib im Bett verlora

Wer se find und numma bringt

Gnagt a recht guats Trink-

geld gschenkt“

Vor allem in den Nachkriegsjahren erfreute sich dieser Bittgang in Zeiten der Lebensmittelknappheit einer großen Beliebtheit. Bäuerinnen backten spezielle Faschingsküchle, mancherorts der Form wegen auch Faschingsöhrle genannt.

In der Dorfwirtschaft wurde ein Ball organisiert, zu welchem viele Bürger verkleidet erschienen und ausgelassen feierten. Begleitet wurden diese Veranstaltungen von Musik und amüsanten Darbietungen, wobei das Geschehen im Dorf gerne auf das Korn genommen wurde.

Waren die närrischen Tage dann am Aschermittwoch vorüber und stand die entbehrungsreiche Fastenzeit bevor, luden manche Einwohner zum gemeinsamen Schneckenessen ein.

Zuvor wurde die Fasnet unter Jammern und Heulen zu Grabe getragen, nicht selten mit einer berührenden Trauerrede versehen. Der Ortsvorsteher wusch seinen Geldbeutel im Brunnen, in der Hoffnung, er möge auch im kommenden Jahr prall gefüllt sein. Und damit hatte der Alltag die Bevölkerung wieder.

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