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Illertissen

08.03.2018

Als ein Richter die Illertisser malträtierte

Er muss ein ziemlicher Tyrann gewesen sein, der Landrichter der in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Illertissen (im Bild das Vöhlinschloss) die Gesetze vollstreckte – und es dabei mit der Strenge offenbar derart übertrieb, dass er bei jungen Leuten eine Auswanderungswelle gen Amerika auslöste.
Bild: Jens Carsten (Symbol)

Stadtarchivare stoßen auf interessante Begebenheiten. Einen handelt von einem gestrengen Amtmann.

Er muss ein ziemlicher Tyrann gewesen sein, der Landrichter der in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Illertissen die Gesetze vollstreckte – und es dabei mit der Strenge offenbar derart übertrieb, dass er bei jungen Leuten eine Auswanderungswelle gen Amerika auslöste. Auf diese Anekdote aus der Illertisser Geschichte ist Stadtarchivar Johannes Ranker bei Recherchen gestoßen. Jene Begebenheit schilderte er nun bei seinem Jahresbericht in einer Sitzung des Kulturausschusses. Bei manchen Räten löste sie ein Schmunzeln aus, den Zeitgenossen des Amtmanns dürfte es damals aber nicht zum Lachen zumute gewesen sein.

Zum Beispiel als der Jurist die Sperrstunde auf neun Uhr abends festlegte, und damit reichlich früh. Der Jurist wurde auf Geheiß des Königs vorzeitig in den Ruhestand versetzt, wie Ranker vortrug. Offenbar ein seltener Vorgang. Und deshalb wohl ein Beleg dafür, dass es sich bei dem Richter um „eine kritische Person“ gehandelt haben muss, wie es Ranker formulierte.

Harte Zeiten herrschten früher auch an den Schulen, gerade im Winter. Davon zeugt ein Schriftstück, das aus dem Jahr 1874 stammt. Weil sich die Kälte schädlich auf die Gesundheit der Kinder auswirke, sei Abhilfe zu schaffen und für Beheizung zu sorgen. Das Gelingen müsse durch das Anbringen von Thermometern überprüft werden. Diese Geräte sollten die „Distriktschulinspektoren“ besorgen, hieß es in dem Schreiben.

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Bei dem Rückblick ging es auch um die Ära des Cafés Rau, das im Jahr 2008 geschlossen hat. Ranker erinnerte unter anderem an den Besuch des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth (1937 bis 2016) im Jahr 1986. Dem Landesvater wurde in dem Lokal eine Torte mit der Aufschrift „Für den Mercedes der Politik“ kredenzt.

Auch Archivar Wolfgang Schlecker stellte einige Befunde vor: Er erinnerte an die Zeit des privaten Freibads, das 1973 seine Pforten schloss. Und an eine Geschichte aus der Illertisser Nachkriegszeit, als der damalige Bürgermeister den Stadtweiher gepachtet hatte – der Mann war passionierter Angler.

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