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Kellmünz

25.08.2017

Als gestandener Mann neu bei der Feuerwehr

Ein stolzer Feuerwehrmann: Jürgen Schweiner aus Kellmünz ist den örtlichen Löschkräften beigetreten – und das im Alter von 48 Jahren. Und als Quereinsteiger. Das war nicht ganz einfach.
Bild: Zita Schmid

Der 48-jährige Jürgen Schweiner hat sich den Kellmünzer Löschkräften angeschlossen. Eine Seltenheit – denn die meisten Anwärter sind jünger.

Dass er einmal Feuerwehrmann sein werde, habe er sich vor einem Jahr noch nicht vorstellen können, sagt Jürgen Schweiner und lacht. Aber so sei halt das Leben: „Nicht immer geradlinig und für Überraschungen gut.“ Kürzlich ist der gebürtige Stuttgarter, der seit 2006 in Kellmünz wohnt, als Späteinsteiger der Feuerwehr in Kellmünz beigetreten – im Alter von 48 Jahren. Eine Seltenheit, denn für gewöhnlich sind Anwärter jünger.

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Von Ende Juni bis Mitte Juli hat Schweiner erfolgreich einen Grundlehrgang in Vöhringen absolviert. Nach diesem Basismodul zur Truppmannausbildung plant er in etwa einem Jahr einen weiterführenden Kurs, nämlich die Truppführer-Qualifikation. Als Voraussetzung dafür müsse er 70 Übungsstunden nachweisen, erklärt er. Dabei wollte der 48-Jährige, der beruflich in der Versicherungsbranche tätig ist, eigentlich nie Feuerwehrmann werden. „Ich wollte kein ,Grisu’ werden, sondern Düsenjägerpilot“, sagt er und lacht. Sein Kindheitstraum sei nämlich von dem des kleinen Drachen Grisu, einer Kinderfilmfigur, abgewichen – das kleine grüne Monster wollte unbedingt Feuerwehrmann werden.

Nach der Schulzeit absolvierte Schweiner den Wehrdienst und ging in die Lüfte – wenn auch nicht als Düsenjägerpilot, sondern als Fallschirmjäger. Ausbildung und Studium schlossen sich an. Der Feuerwehr beizutreten, daran habe er zu keiner Zeit gedacht. Das änderte sich zu Beginn dieses Jahres.

Als gestandener Mann neu bei der Feuerwehr

Durch Zufall kam er mit dem Zweiten Vorsitzenden des Kellmünzer Feuerwehrvereins Robert Aumann ins Gespräch. Dieser weckte bei ihm das Interesse an der wichtigen, ehrenamtlichen Tätigkeit. „Er hat mich zum Nachdenken gebracht“, sagt Schweiner. Vor allem der Umstand, dass für den Ernstfall vielleicht nicht genügend Feuerwehrleute zur Stelle sein könnten, habe ihn überrascht. „Ich wäre auch nie auf die Idee gekommen, dass es in Kellmünz an Nachwuchs mangelt“, sagt er. Er überlegte gründlich und lange. Schließlich stand sein Entschluss fest: Er wollte selber aktiv werden – als Feuerwehrmann. Die Möglichkeit, als solcher helfen zu können und etwas für die Allgemeinheit zu tun – diese Aspekte überzeugten ihn. Beim Lehrgang in Vöhringen sei er dann mit Abstand der Älteste gewesen. Für ihn war es zudem wie ein Sprung ins kalte Wasser. Denn anders als die anderen 19 Teilnehmer, die teils auch von Jugendfeuerwehren kamen, war alles Neuland für ihn. Der für ihn als Seiteneinsteiger sehr anspruchsvolle Kurs umfasste beispielsweise Geräte- und Fahrzeugkunde, die Grundlagen des Digitalfunks, das Verhalten im Einsatz ebenso wie rechtliche Grundlagen. „Mein Kopf hat oft geraucht“, sagt der Kellmünzer. Der Lehrgang unter der Leitung des Vöhringer Kommandanten Sven Görmiller habe ihn motiviert. „Wenn jemand in Not ist und die Feuerwehr verständigt, sollte er auch optimale Hilfe geboten bekommen“, habe es geheißen.

Nachdem sein Vater nun Feuerwehrmann ist, will Schweiners achtjähriger Sohn Quentin das nun auch werden. Mit der Begeisterung angesteckt hat der 48-Jährige auch einen anderen Familienvater aus Kellmünz – dieser ist jetzt neues Mitglied. „Das freut uns natürlich riesig“, sagt Robert Aumann vom Feuerwehrverein. Er räumt ein, dass die Nachwuchsförderung im Ort in der Vergangenheit nicht ausreichend gewesen sei. Das habe sich geändert. Beispielsweise zeige die Feuerwehr jetzt vermehrt auch ihre Präsenz, so etwa beim jüngsten Schulfest. Inzwischen gebe es in Kellmünz einige Kinder, die sich für die Arbeit der Feuerwehr interessieren.

Generell bereite ihm aber der Umstand Sorge, dass viele der ehrenamtlichen Feuerwehrler auswärts arbeiten und im Einsatzfall nicht abrufbar seien, sagt Aumann. Früher etwa habe es noch viele Landwirte gegeben, die den ganzen Tag zu Hause und als Feuerwehrmitglieder bei Alarm auch zur Stelle waren. Das habe sich gewandelt.

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