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Altenstadt

22.11.2018

Altenstadter Singkreis löst sich auf

Von links die Vorsitzenden des Singkreises: Marianne Tutschner und Inge Schäfer sowie Marlene Enderle, die scheidende Chorleiterin.

Mehr als 35 Jahre bestand die Gruppe. Doch jetzt fehlen neue Sängerinnen - und das hat Folgen.

Die scheidende Dirigentin Marlene Enderle beendet aus gesundheitlichen Gründen ihre Tätigkeit beim Altenstadter Singkreis, der zu seinen Blütezeiten weit über die regionalen Grenzen bekannt war. Da kein entsprechendes Talent gesucht worden und nachgezogen war, kann der Chor nun nicht weiter existieren.

Im Protokoll des Katholischen Frauenbunds, dessen Mitglied der Singkreis wurde, heißt es wörtlich: „Am 15. Juli 1981 trafen sich im Pfarrheim Altenstadt 20 sangesfreudige Frauen und gründeten einen Singkreis, der sich besonders dem schwäbischen Liedgut annimmt. Die Singstunden sollen jeweils am Mittwoch (alle zwei Wochen) stattfinden. Besonders erfreulich ist, dass Marlene Enderle bereit war, die Leitung der Gruppe zu übernehmen.“ Seit 1986 bekam der Chor als Unterabteilung des Frauenbunds sogar eine eigene Vorstandsschaft.

Die Initiatorin Josefine Merk, von 1979 bis 1991 Vorsitzende des Frauenbunds, wollte den Frauen vor Ort ein kulturellen Treffpunkt, gesellschaftliche Kommunikation und dem Frauenbund ein attraktives Erscheinungsbild vermitteln, wie es damals auch noch der Männergesangverein Altenstadt darstellte. So wurde der Chor auch ein Spiegelbild der Bevölkerung, da Frauen aller Provenienz zum Singen kamen – zum Teil mit hoher Musikalität und fantastischem Stimmvolumen – wie Centa Schupp oder Anni Kassil. Es waren bald mehr als 50 Sängerinnen in der Gruppe, nicht nur aus Altenstadt. Sie kamen aus der ganzen Umgebung: Untereichen, Kellmünz, Weiler, Osterberg, Herrenstetten oder Sinningen.

Altenstadter Singkreis löst sich auf

Singkreis Altenstadt: Frauen kamen aus der gesamten Umgebung zur Gruppe

Um den Chor professioneller und effizienter aufbauen zu können, forderte Marlene Enderle wöchentliche Proben, und bald erreichte sie – eine begabte und ausgezeichnete Organistin und Dirigentin – mit der Gruppe ein Niveau, das den Chor zu einem begehrten Programm-Träger auf Gottesdiensten, Hochzeiten sowie Beerdigungen, Adventskonzerten oder Vorträgen in Altenheimen machte. Natürlich wurde das Repertoire erweitert und konzentrierte sich neben der geistlichen Musik auch auf Operetten und Musicals. Die Damen traten dann, beraten von Trachten-Sachverständigen, in schwäbischer Tracht auf. Meist nähte diese Melanie Fuchs, die bis heute Krippenfiguren, Ministranten, die Heiligen Drei Könige einkleidet sowie Pfarrgewänder umnäht.

1984 wurde der Singkreis vom Diözesanverband Augsburg zum Katholikentag nach München eingeladen. Der Chor sang in prächtigen Kirchen wie in Rot an der Rot, Weiler oder Birnau am Bodensee.

Der Beitritt zum Deutschen Sängerbund „Gruppe Jochum“ oder „Gruppe Weber“ wäre ein nachvollziehbarer Schritt gewesen, den Marlene Enderle aber stets ablehnte. Wie sie überhaupt in einer freiwilligen Bündnislosigkeit verharrte und dem Chor den Charakter eines Solitärs verpasste. Das war möglich mit dem Glücksfall ihrer signifikanten Musikalität und Leitungsqualität sowie dem Stimmenmaterial und den Talenten der Gründergeneration und einigen Neumitgliedern.

Die Kehrseite der Medaille war eine fehlende Nachfolge an jungen Sängerinnen und einer überzeugenden Führungspersönlichkeit. Natürlich gab es mit den Jahren auch eine schleichende Dezimierung. Zum Schluss kamen noch etwa 24 Sängerinnen zusammen. Konsequenterweise löst sich deshalb der Chor mit dem Abschied seiner musikalischen Mentorin auf. (az)

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